Die Rahmenbedingungen könnten günstiger sein für Familien . "Social freezing" auf dem Vormarsch - Frage über Frauen und AfD
Hallo Blue,
danke für Deine Beschreibung. Nun ist es immer schwierig, von einem Fall ausgehende Ableitungen auf viele vorzunehmen, aber es geht sicher etlichen so, die keine Kinder haben. In meiner Umgebung haben fast alle Kinder bekommen und sind glücklich damit. Sicher bedeutet das viel, aber es ist auch schön und eben auch natürlich.
Du merkst es sicher: Erst hast Du globale Gründe genannt, die aus Deiner Sicht gegen ein Kind sprachen: Madagaskar, Aralsee usw.
Das passte zufälligerweise zu Deinem Herangehen an Männer bzw. Väter.
Und zu den beruflichen Möglichkeiten, die Frauen heute haben würden. Nur gibt es diese Chancen sich als Frau selbst sein Brot zu verdienen und beruflich mitmischen zu können, auch in anderen Ländern, wo mehr Nachwuchs entsteht.
Vermutlich steht Deine Beschreibung für etliche, die das ähnlich ausdrücken würden. Aber eben gewiss nicht für alle.
Wenn man immer nur schauen würde, was man verpassen kann durch Kinder und was alles passieren könnte, gäbe es vielleicht gar keinen Nachwuchs mehr. Zum Glück ist das nicht so. Und die, die Kinder haben, sind dadurch weder vom Leben abgeschnitten oder nicht beruflich erfolgreicn. Wenn ich mir die anderen Eltern in Freundschaften, Kita und Schule so anschaue: Natürlich können Mütter und Väter mit Kindern erfolgreich sein, es sind ja auch viele. Sehe eher die Gefahr, dass viele zu viel arbeiten müssen, bei kargen Einkünften, und dass zu wenig Zeit für Kinder bleibt - aber auch das kann man nicht generalisieren.
Hab auch etliche Freundinnen, die Kinder bekamen und dann klappte es nicht mit Partnern. Und dennoch nicht unglücklich oder erfolglos in Leben und im Beruf.
Erlebe auch, dasss es sich kaum erklären lässt, dass manche irgendwie nie den Richtigen oder die Richtige finden. Es ist aber so. Vielleicht auch bei Dir.
Habe auch den Eindruck, dass das Ideal der heutigen Welt eine attraktive Person ist, die ab dem 15 Lebensjahr immer jung, fit und unabhängig ist, um erfolgreich am Berufsleben teilnehmen zu können, endlos schöne Reisen unternehmen und Partys zu feiern. Natürlich wird noch ganz viel, wie in den TV-Serien und Filmen, mit Freundinnen oder Freunden über Jungs oder Mädels geredet, lange und immer wieder Liebeskummer besprochen, unterbrochen von Gesprächen über Reisen, Schopping, Kosmetik, Wellness und Fussball (und dazu bringen die Bringedienste Bringeessen - falls man nicht essen geht, was auch bequemer ist ohne Kinder, wobei das alles auch mit Kindern machbar ist!). Und so sind alle for ever young.
Irgendwie scheint zudem nicht klar zu sein, dass man der Welt nicht durch Kinder Schlechtes tut und für alles andere auch Zeit ist. Dabei ist in diesem Zusammenhang noch festzustellen, dass man heute auch keine gefallenes Mädchen mehr ist, wenn man ein Kind ohne Partner großzieht (was früher durch die vielen Kriege, Arbeitsunfälle, schlechtere medizinische Versorgung auch völlig normal war). Es gibt allerdings ein erhöhtes Armutsrisiko, wie immer wieder und ständig erklärt wird:
http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61791...
http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/neue-studie-kinder-sind-ein-armutsrisik...
Auch das wird Menschen beeinflussen.
Und dann kommt der Moment, wo Du Dir also erklärst, wie es bei Dir gelaufen ist. Und sicher eine Menge guter Gründe hast, warum Du keine Kinder bekamest.
Wobei für mich das schwächste Argument zu sein scheint, dass es Dir nicht möglich gewesen wäre, noch für jemanden anderen da zu sein. Für die Welt wolltest Du demnach vor da sein, in dem Du keine Kinder bekommst - das ist demnach und sicher ungleich einfacher, als seine Zeit und seine Kraft mit Kindern zu teilen. Oder anders gesagt: Es war einfacher für Dich und die Welt mit dem Überbevölkerungsproblem da zu sein, als für Kindern.
Warum haben es nur diejenigen geschafft die Eltern wurden, für Kinder da zu sein. Früher hierzulande, in anderen Ländern, viele Eltern hier und heute? Antwort: Weil es möglich ist. Sogar, ohne sich aufgeben zu müssen.
Wenn Dir andere Dinge wichtiger waren, dann ist das eben so. Es werden Dir nur eben nicht alle zustimmen können.
Bin mit meinen vier Kinder unendlich glücklich. Hab immer welche gewollt und es ist das Allerbeste, was mir passieren konnte, neben natürlich meiner Frau und einigem anderen. Mit den Kindern jeweils die Welt noch mal kennen zu lernen, allein das ist so klasse.
Klar, ist es nicht immer einfach, aber beileibe auch nicht so, als würde nichts anderes mehr möglich sein, von dem, was einem so wichtig ist. Kenne keinen, der sich dadurch aufgeben musste, nur weil er Nachwuchs großzieht.
Und zur Furcht, dass man das nicht ebenso könne: Kann mich erinnern, wie unsicher man ist, dass ein Neugeborenes auf den Arm zu nehmen. Obwohl man sieht, dass es alle hinbekommen, hat man Furcht etwas falsch zu machen.
Da hilft ein Satz, den wir uns früher immer sagten: Millionen vor uns, Millionen nach uns (was meint: Das schafften Millionen vor uns und das schaffen Millionen nach uns).
Weißt Du, es lässt sich aber andererseits Vieles nicht erklären, warum es bei den einen klappt, bei andere nicht. Nur wenn ich Dich lese, habe ich einen Eindruck davon, warum es so bei Dir kam.
Nur eine Frage: War es bei anderen verantwortungslos Kinder zu bekommen, trotz Madagaskar, Bevölkerungswachstum und dem Aralsee?
Kennst Du den? Wenn man was nicht will, finden sich Gründe. Wenn man etwas wirklicht will, Wege.
Aber nun mach Dich bitte nicht fertig. Ist wie es ist und keiner muss so sein, wie der andere.
Danke sehr, dass Du uns weitere Erklärungen nanntest, warum weniger Kinder kamen. Und warum vielleicht bei uns weniger dafür getan wurde, als in Frankreich, wo es mehr Nachwuchs gibt.
Wir sollten mehr dafür tun, dass sich Menschen leichter für Kinder entscheiden können. Z. B. in dem man das Geld, dass woanders verschleudert wird, für die Förderung von Nachwuchs, Kindern und Familien ausgibt. Wobei man nicht vergessen sollte, dass auch anderswo viel Nachwuchs kommt, ohne ansatzweise die Voraussetzungen zu haben ein Leben zu führen, wie hier.
Wenn nur diese Hatz nicht wäre, und die zu geringen Einkommen bei vielen, trotz guter Ausbildung und Arbeit. Massenhaft "arm-trotz-arbeit"; massenhaft Familien, die von ALGII leben müssen (die Quellen sprechen zwischen jedem 7. und jedem 5. Kind, dass in einer HIV-Familie lebt - wobei viele andere sich eben so am Rande von HIV entlanghangeln, und am Ende nicht mehr haben, als HIV-Familien).
Wer kann Kinderlosen einen Vorwurf machen, und wer Eltern (wegen Bevölkerungswachstum, Umwelt usw.)?
Kann es sein, dass es sich wirklich auswirkt, und viele annehmen, sie würden der Welt und der Umwelt am besten dienen, wenn sie auf Nachwuchs verzichten?
Du wirst Du nicht die Einzige sein.
Wenn jemand so hätte Nachwuchs reduzieren wollen, dann wäre es gelungen.
Für den Handel sind am besten Einkommensbezieher, die viel verdienen (auch weil sie sich nicht um kranke Kinder kümmern müssen) und das Eikommen nicht mit Kindern teilen ("müssen"). Und für Arbeit- und Auftragsgeber ist das ebenso: Am Besten die Arbeit- oder Auftragnehmer sind frei und ungebunden von allen sonstigen Herausforderungen des Lebens und alle Konzentration liegt allein auf der Arbeit.
Was kommt aus den Wirtschaftsverbänden? Frauen sollen nach der Geburt von Kindern schnell wieder in den Beruf. Es gilt das Primat der Verwertung, Verwertung, Verwertung von Humankapital.
Und ebenso gegenüber kinderlosen Frauen: Große Firmen bieten den Mitarbeiterinnen an, dass sie Eizellen einfrieren lassen können, um sich erst mal ordentlich um ihre Arbeit zu kümmern - und sich nicht davon ablenken zu lassen. Denn merke: Kinder stehen dem entgegen: http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/social-freezing-karriere-und-kind-auf-eis...
Dort ist die Rede von Apple und Facebook.
Hier noch von Bosch oder SAP:
http://besser-wachsen.com/2015/05/29/mitarbeitermotivation-durch-nudging/
Und die Zeit assistiert:
"Kinderwunsch : Junge Deutsche zeigen sich offen für Social Freezing
Die Deutschen spüren kaum Druck des Arbeitgebers auf die Karriereplanung, zeigt eine ZEIT-Umfrage. Ein Drittel kann sich dennoch vorstellen, Eizellen einlagern zu lassen.
22. Oktober 2014, 11:22 Uhr / Aktualisiert am 22. Oktober 2014, 12:04 Uhr"
http://www.zeit.de/wirtschaft/2014-10/social-freezing-umfrage-zeit
Alles ist scheinbar (und nicht anscheinend) besser und wichtiger als Kinder, aus Sicht etlicher.
Danke noch einmal sehr für Deine Erklärungen und viel, viel Erfolg bei allem, was Du Dir so Gutes wünscht.
Viele freundliche Grüße
azur
PS: was meint eigentlich dieses "social" bei "social freezing"? Wer ist dadurch angeblich sozial bzw. was soll daran sozial sein, keine Kinder zu bekommen?
Wenn man es sich genau beschaut, sind eine Menge dabei Gründe zu liefern, dass man keine Kinder bekommt, sondern sich nur der Arbeit und dem Konsumieren widmet. Erst mal etwas aufbauen, Vermögen schaffen, Wohneigentum finanzieren, Rentenversicherungen bezahlen, ehe...
"5. Teil: Für die meisten "Clock Ticker" kommt das Verfahren zu spät"
http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/social-freezing-karriere-und-kind-auf-eis...
PPS: Weil es hier passt: in einem Artikel in der FAZ-Rubrik, in der sonst der Don schreibt, wird auf einen weiteren Artikel in der Zeit verwiesen, in der eines der berühmt-berüchtigten EMNID-Umfragen angeblich belege, dass Frauen nicht AfD wählen. Weil sie ja so viel mehr mit den Flüchtlingen zu tun hätten... Das spiegelt meine Erfahrung hier nicht.
Weil es hier gerade auch um Frauen geht, von denen ja zum Glück etliche hier mitschreiben... Stimmt es, dass AfD nur etwas für Männer sei?
http://blogs.faz.net/stuetzen/2016/02/10/warum-die-afd-keine-konservativere-cdu-ist-6010/
Hier der Artikel auf Grund des berühmt-berüchtigten EMNID:
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-01/afd-pediga-warum-wenig-frauen-mitmachen
Meine Antwort dort dazu:
"Die verschiedenen Meinungsforschungsinstitute haben unterschiedlichen Ruf. Unser Professor für Rechtssoziologie, von Hause aus Soziologe (zeitweilig Dekan der Juristen) hat zum Ende des Kurses (habe das Fach etwas gründlicher besucht, und habe es daher mehrmals erleben dürfen) gern erläutert, wie Tendenzen durch Datenerhebung, also z. B. durch Setting, Frageauswahl bis hin zur immer folgenden Interpretation (nicht selten werden echte oder scheinbare - weil anders begründete - Korrelation erst bei Vorliegen der Daten sichtbar: Würde nicht wundern, wenn nicht hierbei ebenfalls) erzeugbar sind.
Man kann z. B. nach der Einstellung zur Todesstrafe fragen oder voranstellen, wie entschiede würde, dass es sich um den möglichen Vergewaltiger eines Kindes handelt. Damit verzerrt man gut und gern 10 - 20 %. Meister dieser Methoden ist seit ewig Emnid. Und nicht nur das spricht im Vergleich mit anderen solchen Einrichtungen für erhöhte Vorsicht mit diesem Hause. Die haben schon manches Mal zu mancher Zeit...
Der Professor ist ein eher reservierter Mann aus dem Norden. Nur bei Emnid kamen ihm die Zornesflecken.
Zumal: Allein letzte Absatz Ihrer Quelle spricht für ein Machwerk.
Warum fällt mir dazu Emnid ein? Ach, weil es ja darum geht ;).
Zudem sollte man doch nicht vergessen, dass die Gründe, die für die Gründung und den Aufwind dieser AfD führen, nicht von dieser verursacht sind. Und sind gewaltig, und nicht grundlos überall heiß umstritten: Eurokrise und Flüchtlingskrise. Und das nicht nur im Inland.
Mit Frau Storch und Petry hat diese übrigens zwei Frontfrauen, was nur bemerkt sei, weil es ja darum geht, was die AfD für Frauen bedeute bzw. Frauen bedeute.
Aber Frauen spielen auch eh eine ganz andere Rolle: "Viele Frauen seien zudem stark zivilgesellschaftlich engagiert, auch in der Flüchtlingshilfe. "Das verschafft ihnen einen differenziertes Bild, das mit der einfachen Programmatik und Rhetorik der AfD nicht vereinbar ist."
Noch so ein Postulat, dass auf das Geschlecht abstellt. Hat Emnid sicher gleich mit erfragt oder ist im Umfeld der Verfasser so (in meinem Umfeld ist das so ziemlich gleichverteilt diesbezüglich und auch bei der Besorgnis, über die chaotische Politik und die erwartbaren Folgen), oder ist woher?
Auf der Tagesschau.de wird gestern mal eben ausführlich erklärt, was Volksverhetzung ist... Seltsame Zeiten.
Eigentlich ganz praktisch, so eine AfD. Muss man sich nicht mit wichtigeren Dingen beschäftigen."
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(Groß-Leucht-Reklame am Gebäude Lehmann-Brothers/NY)
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