Der Soziopath von nebenan – und in Deiner Firma (II)
Sali Bill
Also das Kriterium ist: können niemals Empathie, Reue, Mitleid,
... empfinden?
So ist es. Nie empfinden sie etwas dergleichen, wie Stout oder Hare meinen und könnten auch nicht therapiert werden. In Analogie zu „farbenblind“ könnte man die Psychopathie als (angeboren?) „gefühlsblind“ bezeichnen.
Klar, ein neurotypischer Mensch kann tiefste Zuneigung spüren. Himmelhoch jauchzend glücklich sein. Oder tiefstes Entsetzen spüren, wegen irgendeines Gräuels, der jemandem widerfahren ist. Aus Mitleiden schluchzen, zu Tode betrübt sein. Verzweifeln. Trauern. Oder etwas zu tiefst bereuen, was man getan hat. Oder von Gewissenbisse geplagt werden. Oder im Innersten berührt, voller Freude einen prachtvollen Sonnen-Untergang genießen. Zu Tränen gerührt sein. Usw. usw. Kurz: Ein stark bewegter „Gefühls-Ozean“, in dem „kunterbunt“ Gefühle hin und her branden.
Von einer solchen lebendigen Gefühlswelt bleibe ein Psychopath völlig abgeschnitten und komplet unberührt. Sein „Gefühlsleben“ sei lebenslang flach und bleibe es, wie ein wie einsamer Tümpel in einer windstillen Ödnis. Entsprechend resultiere daraus ein fades, schales (Er)Leben, das der Psychopath gerade deswegen ständig „aufpeppe“ in dem er laufend Reize suche und finde.
Aus einer Rezension von Stout´s Buch: Fatalerweise zeichnen sich die meisten Soziopathen durch besonderen Charme und durch beeindruckende Redegewandtheit auf. Sie sind unfähig, echte Gefühle für Mitmenschen und sich selbst zu empfinden, doch äußerst gelehrig und daher in der Lage, Emotionen bestens zu imitieren. Im Grunde wollen Soziopathen ihr Spiel mit Menschen treiben. Darin suchen und finden sie ihren Kick. Die (destruktiven) Machenschaften, die sie ersinnen, um zu gewinnen, sind überaus vielfältig, "und nur wenige (wie bspw. Serienkiller) haben (direkt) etwas mit physischer Gewalt zu tun." (Wörter in Klammern von mir eingefügt).
Natürlich könnte jetzt Zara um die Ecke kommen und sagen: würdet ihr
mal schön alle solidarisch in Gemeinschaften unterhalb der Dunbar-Nummer
leben, dann würde kein einziger ein psychopatisches Verhalten zeigen. Vor
allem dann nicht, wenn ihr schön entspannt und sexuell erfüllt im
Ghotul aufgewachsen seid und ungepanzert geblieben seid.
Es scheint, Psychopathen traten zu allen Zeiten und in allen Kulturen auf. Sie kamen offenbar auch in den Sippen rund um die Dunbar-Zahl zur Welt. Bspw. als "Kunlangleta" = “Soziopath, Psychopath†in der Inuit-Sprache in Nordwest Alaska. Die Inuit dort erledigten dieses unlösbare Kunlangeta-Problem auf drastische Art. Wohl aus einem Mix aus Ratlosigkeit und Verzweiflung. Wenn der Kunlangeta trotz gutem Zureden, unzähligen Bitten und endlosem Ermahnen nicht besserte, dann stießen sie ihn bei der Jagd über die Eiskante in den Tod.
Aus Obigem lässt sich wohl ableiten, im von Dir erwähnten Ghotul könnte im Laufe der Generationen dann und wann ein psychopatisches Kind hinein geboren worden sein. Aber es konnte keinen Schaden anrichten und müsste „so tun, als ob“, um schon im Kinderhaus nicht aufzufallen und sich integrieren. Gerade darum geht es m.E. Stout oder Hare. Je mehr wir als Gesellschaft über Psychopathen wissen, desto mehr fallen sie durch ihr Handeln auf. Um das zu vermeiden, müssen sie ihr Leben lang „so tun, als ob“ und sich _t_a_t_sächlich wie „gute´´ Menschen verhalten. Sie stünden unter sozialer Kontrolle von allen.
Freundlicher Gruß an Dich
Liated