Du brauchst gar nicht so zu tun - es ging nicht um Rechtsstaat sondern um Recht (ed)

azur, Montag, 21.03.2016, 11:40 (vor 3614 Tagen) @ Rybezahl3710 Views
bearbeitet von unbekannt, Montag, 21.03.2016, 11:55

Das ist ja wirklich unglaublich!

Unglaublich sind Deine Reaktionen.


Neben der Judikative gibt es noch eine Legislative und sogar eine
Exekutive kommt noch dazu!

Du hast eben rein gar nichts verstanden. Es geht nicht um Rechtsstaat, zu der dann auch noch eine rechlich gebundene Exekutive gehört, sondern um die Quellen des Rechts und ab wann man sagen könne, dass es keine vorrechtliche Gemeinschaft (*) mehr ist, sondern eine Gesellschaft, in der Recht existiert.

Nach übereinstimmenden Definitionen kann man dann von Recht sprechen, wenn es a) Rechtsnormen, also Rechtssetzung und b) einen Rechtsstab gibt.

Das hatte u. a. sogar schon RogRog erklärt.

Wenn Rybezahl zunächst von "Justiz" und dann der "Judikative" im Zusmmenhang damit sprach, was Recht ausmache, dann ist das eben falsch.

Siehe u. a.: Recht und Gesellschaft: Einführung in die Rechtssoziologie

Rechtssoziologie am Ende des 20. Jahrhunderts: Gedächtnissymposion...

Abhandlungen zur Rechtssoziologie
von Manfred Rehbinder,Thomas Würtenberger

Die Exekutive spielt in dieser Hinsicht keine Rolle.

Und das hätte Rybezahl auch nicht gewusst. Aber macht ja nichts:

Wenn ich dich nicht hätte!

Was wächst sprichwörtlich auf einem Holz?


*) und Edit: auch so genannte: https://de.wikipedia.org/wiki/Segment%C3%A4re_Gesellschaft

"Auch wird keine formale Rechtsprechung ausgeübt. Verstöße gegen die moralischen Grundsätze der San werden schlimmstenfalls mit einem Ausschluss aus der Gemeinschaft geahndet...

Die ethnozentristische Betrachtung der indigenen Bevölkerung als Mangel­gesellschaft ohne Staat, ohne Schrift, ohne Geschichte und ohne Markt blendet dabei aus, dass diese Gesellschaften die Beherrschung der natürlichen Umwelt nach ihren Bedürfnissen ohne den herkömmlichen Entwicklungs­diskurs der Parallelität von ökonomischer Entwicklung und Entwicklung politischer Macht vollbracht haben. Zudem gab es bei den Reche-Mapuche keine universelle Gottesfigur. Anders als bei Maya und Azteken gab es keine Gottheiten und zentrale Repräsentations­instanzen in der religiösen Sphäre.[3] Ihr Land verwalten die Mapuche noch heute in Gemeineigentum.["

Oder: http://universal_lexikon.deacademic.com/299201/segment

Siehe besonders Folie 4: http://www.uni-kassel.de/~schwietr/Grundbegriffe2004_3_Gesellschaft.pdf%C3%A4re_Gesells...

Weiter: http://www.br.de/radio/bayern2/wissen/radiowissen/soziale-politische-bildung/hintergrun...

"Anarchie, Staat und Recht
Hintergrund...

Segmentäre Gesellschaften - Gemeinschaft ohne Zentralinstanz

Christian Sigrist hat in seinem Buch "Regulierte Anarchie" segmentäre Gesellschaften in Afrika untersucht. Der Begriff "segmentäre Gesellschaft" geht auf den Soziologen Emile Durkheim und sein 1893 erschienenes Buch "Über die Teilung der sozialen Arbeit" (De la division du travail social) zurück und bezeichnet in Clans organisierte Gesellschaften ohne zentralisierte Herrschaftsinstanz – akephale, "kopflose" Gesellschaften also, deren politische Organisation durch politisch gleichrangig und gleichartig unterteilte, mehr- oder vielstufige Gruppen vermittelt ist.

Sigrist sieht in ihnen die Behauptung bestätigt, "dass das Zusammenhandeln von Menschen auch ohne herrschaftliche Organisation möglich ist, dass öffentliche Ordnung auch ohne Unterordnung unter öffentliche Gewalten gehalten werden kann". Sigrist bezweifelt nicht, dass es auch in segmentären Gesellschaften Instanzen gibt, die Macht und Kontrolle ausüben: der Ältestenrat beispielsweise, der in generationenübergreifenden Zusammenkünften das große Wort führt, Regenhäuptlinge, Jagdhäuptlinge, die in bestimmten Situationen Weisungsgewalt besitzen. Was aber fehlt, ist eine "außerhäuslich geordnete Dauergewalt" (Max Weber), eine zentrale Instanz, bestehend aus einer Person oder einer Gruppe von Personen, die ihre dauerhaft übergeordnete soziale Rolle aus einem spezifischen Recht oder einer spezifischen Pflicht, das Verhalten anderer Gruppenmitglieder zu kontrollieren und zu reglementieren, ableitet und ihren Anspruch gegebenenfalls mit Zwangsmitteln (Polizei, Armee, Gerichte, Sanktionen) durchsetzt.

In akephalen Gesellschaften gibt es Häuptlinge und Älteste, die über Autorität verfügen, aber die ist an Funktionen gebunden. Ein Jagdhäuptling verliert außerhalb der Jagd seine Autorität und wird zu einem ganz normalen Stammesmitglied. Die Häuptlinge haben keine Polizei, die die Durchführung ihrer Anordnung erzwingt, sie sind angewiesen auf Anerkennung und Respekt.
Die Tallensi

Die Tallensi, ein Stammesvolk im nördlichen Ghana,..."

Dann noch mal direkt zu dem hier diskutierten Thema:

Konfliktlösung und Rechtsprechung

Auch segmentäre Gesellschaften verfügen über Regeln und Normen und müssen das Problem bewältigen, dass Einzelne immer wieder versuchen, die Spielregeln zu brechen. Aber ein schriftlich fixiertes Recht oder das Prinzip, dass ein Einzelner sich vor Gericht zu verantworten hat, gibt es nicht. Der Einzelne ist in seinen Clan eingebunden, im Falle einer Regelverletzung ist der gesamte Clan dazu verpflichtet, das unerwünschte Verhalten zu reglementieren, Sühne zu leisten, den sozialen Frieden und den Ausgleich mit der transzendenten Welt der Götter und Ahnen wiederherzustellen. Das geschieht durch rituelle Praktiken, vorzüglich Opferrituale. Der Bezug zu religiösen Vorstellungen ist sehr wichtig. Schlichter spielen eine herausragende Rolle. In den vorstaatlichen Phasen der Menschheitsgeschichte soll dies – in unterschiedlichen Varianten - die verbreitetste Form der Rechtsprechung gewesen sein.

Schriftlich fixiertes Recht ist ein Kennzeichen von Staaten, es bildet sich zuerst in Mesopotamien, dann in Ägypten und China, ungefähr ab 2000 vor Christus heraus. Gesetzeskodexe entstehen, Gerichte, die ihre Einhaltung überwachen, Zwangsmittel, Sanktionen. Die Formen des Rechts, die sich in Babylonien, im alten Rom, im antiken Griechenland herausbilden, sind unterschiedlich und spiegeln die Macht- und Eigentumsrechte der jeweiligen Gesellschaft wieder. Im mittelalterlichen Mitteleuropa gewannen Rechtsbücher wie der Sachsenspiegel an Bedeutung, die bereits den Gleichheitsgedanken thematisieren."

Und eben die erwähnten Weisbücher...

Und genau so erklären es auch Wesel und andere. Rechtsnormen und darauf gerichteter Zwangsaparat = Staat.

Recht in einer Gesellschaft, immer durch Nachweis des Vorhandenseins von Rechtsnormen und Rechtsstab.

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ENJOY WEALTH
(Groß-Leucht-Reklame am Gebäude Lehmann-Brothers/NY)

Meide das Destruktive - suche das Konstruktive.


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