Konsens ist nicht die Grundlage jeden Rechts - Es kann auch von oben gegen den Willen einiger oder vieler gesetzt werden (ed)

azur, Sonntag, 20.03.2016, 12:16 (vor 3615 Tagen) @ baisse-man3720 Views
bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 20.03.2016, 12:29

Hallo bm,

das stimmt:


Alles Recht, was ohne Übereinkunft oder Sanktionierung des Staates etc.
besteht, ist gewissermaßen "vom Himmel gefallen".

Nur bedenke bitte, dass Recht nicht immer mit Konsens verbunden ist. Wenn kein Konsens, dann Dissenz: https://de.wikipedia.org/wiki/Dissens

Und ein Dissens ist auch heute noch ein Vertragshinderniss.

Bei Konflikten und Dissens geht man z. B., so vorhanden, zu einem, der das entscheidet: Älteste, Medizinmann usw. Später dann zum Richter. Der entscheidet nicht im Konsens, sondern oft zu Gunsten einer Seite.

(Edit: Jedenfalls nicht immer: Entscheidung im Konsens wäre der praktisch sehr wichtige: Vergleich
https://de.wikipedia.org/wiki/Vergleich_%28Recht%29 - speziell der Prozessvergleich, die an fast jedem Gerichtstag massenhaft geschlossen werden.

Das spart Ressourcen. Die Parteien sparen auch Kosten, und der Richter spart isch Entscheidung und Arbeit: Abfassung eines Urteils, Ausfertigung usw.
Man hat es natürlich lieber, wenn sie zwei wieder vertragen. Zumal dann nicht gegen den Willen eines der Beteiligten entschieden wird, sondern nur unter Zustimmung, wenn auch schweren Herzens, denn es heißt ja dort immer: Im Zuge gegenseitigen Nachgebens...
http://www.brandi-dohrn.de/veroeff/vergleic.html

Übrigens arbeitet auch kein Schiedrichter im Konsens, sondern im Einklang mit den Regularien.

Und auch die Regularien werden nicht von allen Spielern festgelegt und müssen nicht im Sinne aller Beteiligten sein. Wer allerdings mitspielt, der hat sich danach und nach dem Schiedrichter bzw. seinen Entscheidungen zu richten - oder er geht vor ein Kampf- oder Sportgericht, wenn es das gibt.)

Recht bzw. Gesetze werden oft von "oben aufgedrückt". Da müssen sich die davon betroffenen überhaupt nicht im Konsens mit dem befinden, der es festlegt.

Es gab zwar auch an vielen Orten Volksversammlungen, die gemeinsam beschlossen, was geltend soll, wie in Island (und vielen anderen Orten).
https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Rechtsgeschichte_(Island)

Aber meist wurde Recht von einem gesetzt, der in der Lage war es durchzusetzen. Einen Machthaber.

Und auch wenn Gesetze im Bundestag im Konsens beschlossen würden, also mit 100 %tiger Zustimmung, müssen sich die davon betroffenen Rechtsadressaten (Bürger, aber auch Fremde im Rechts- oder Hoheitsgebiet) auch daran halten, wenn sie nicht damit übereinstimmen.

Das hat mit Matrix nichts zu tun, sondern auch mit Logik.

Natürlich wollen Machthaber gern so tun, als seien im Grunde alle einverstanden (oder es wäre im Sinne aller oder eine Gottes, oder in einem guten Sinne). Das macht sich besser.

In Demokratien herrscht zwar angeblich die Mehrheit über die Minderheit, aber es wird immer so getan, als wollten das, was entschieden wurde, im Grunde genommen alle (das reden sich Machthaber gern ein, aber vor allem gern den mit Gesetzen Beherrschten - oder sie arbeiten mit einer Fiktion: Es wäre im Sinne aller).

Schönen Sonntag.

Viele freundliche Grüße

azur

--
ENJOY WEALTH
(Groß-Leucht-Reklame am Gebäude Lehmann-Brothers/NY)

Meide das Destruktive - suche das Konstruktive.


gesamter Thread:

RSS-Feed dieser Diskussion

Werbung

Wandere aus, solange es noch geht.