Ein Zirkel beim Wesel

Zarathustra, Samstag, 19.03.2016, 17:45 (vor 3617 Tagen) @ BillHicks4135 Views
bearbeitet von Zarathustra, Samstag, 19.03.2016, 17:50

Hallo BillHicks!

"Mit der Entstehung von Herrschaft und Staat erhält es [das Recht nach
dem Prozess der Ausdifferenzierung: Recht vs. Moral, m.A.] eine andere
Funktion. In vorstaatlichen Gesellschaften entwickelt es sich in einem sich
selbst regulierenden Prozeß.

Wer soll denn eine Gesellschaft sonst regulieren, wenn nicht sie selber in einem selbstregulierenden Prozess?

Es ist die Gesellschaft selbst, die sich ihre
Regeln schafft.

Ganz richtig.

Mit der Entstehung des Staates wird das anders.

Der Staat ist das Kind (das Werkzeug) der Gesellschaft.

Recht wird nun immer mehr von oben her bestimmt, vom Herrscher, vom
Fürsten, vom König.

Die sind Teil der Gesellschaft, wie die Ameisenkönigin Teil des Ameisenvolks ist. Sie befinden sich nicht ausseralb oder oberhalb der Gesellschaft, sondern innerhalb dieser. Wir sind also nach wie vor bei einem selbstregulierenden Prozess.

Dabei ist er selbstverständlich nicht völlig frei.

Nicht völlig? Der ist ganz und gar nicht frei.

Es ist auch notwendig, daß das Recht von unten in der Gesellschaft
angenommen wird.

Da haben wir es. Was angenommen wird, bestimmt also das Fussvolk. Ganz richtig. Die sogenannten Herrscher wissen, was akzeptiert wird und was nicht. Folglich richten sie sich nach dieser Vorgabe.

Es darf nicht auf unüberwindlichen Widerstand stoßen.
Aber im wesentlichen wird es nun ein Steuerungsinstrument, das von oben her
eingesetzt wird."

Ja, von 'unten' bestimmt und dann von oben eingesetzt, nach den Vorgaben von 'unten'.

Wesel, Uwe. Geschichte des Rechts. CH Beck, 1997, S. 47,
m. Hervorh.

Der kannte sich mit Selbstregulierung (Autopoiesis) halt auch noch nicht wirklich aus. Wir aber schon ein bisschen.

Bist übrigens ein äusserst talentierter Redner!

Grüsse, Zara


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