@Orlando: Generatoren, Brennstoff, etc.
Ihre Einwände bezüglich der gesetzlichen Vorschriften zur Einlagerung von Benzin/Diesel sind richtig und diese haben auch ihre Berechtigung, was die Erhöhung des potentiellen Brandschadens im Brandfall anbelangt sowie damit verbundener Gefährdung von Personen. Diesem Problem nachstehende Gefahren wie z.B. die Ausgasung des Brennstoffes bei undichten Behältnissen mal außen vor gelassen. Hier entstehen durch die Lagerung noch viele weitergehende Schädigungspotentiale für den Nutzer die man ausschließen muss/sollte. Würde aber hier zu sehr ins Detail führen.
Man muss einige Vorkehrungen treffen, um im einem Schadensfall zielorientiert reagieren zu können. Das individuell abgestimmte Konzept sollte vorher gründlich geplant und vor allen Dingen auch getestet werden. Getestet bedeutet wirklich alle Sicherungen raus und dann das ganze mal zumindest für 2 Tage unter realen Bedingungen laufen lassen.
1.) Lagerfähigkeit von Brennstoffen
Wie bereits geschrieben, ist meistens die optimale Variante eine Lagerung von LPG, wobei dann der Notstromgenerator natürlich LPG-tauglich sein muss. Diese Lösung zerstreut sämtliche Haltbarkeitsprobleme, da LPG unbegrenzt lagerfähig ist. Die einzige Einschränkung stellt hierbei die TÜV-Zulassung der Gasflaschen/Gastanks dar. In bestimmten Prüfintervallen müssen die Behältnisse auch von Innen begutachtet werden.
Kleine Randbemerkung: Umrüstsätze wie für den Honda 10i oder Honda 20i garantieren auch eine saubere Verbrennung, wenn nur reines Butan oder Propan verbrannt wird, man ist also nicht auf eine LPG-Mischung angewiesen. Ich werde den Begriff LPG nur zur Abkürzung weiter verwenden.
Sollte eine Begutachtung/TÜV-Abnahme des Tanks/der Gasflasche anstehen, kann das vorhandene LPG abgezapft und nach der Erteilung der „Betriebsgenehmigung“ für das Behältnis wieder aufgefüllt werden. Das ist bei weitem kostengünstiger als z.B. 1000 Liter Diesel „waschen“ zu lassen, die außer ein paar Probeläufen im Jahr im Tank schlecht werden. Ob man im Nutzungsfall von LPG die Flaschen oder Tanks gemäß den einschlägigen Regelungen prüfen lässt, muss jeder selbst wissen.
2.) Einsatzzeit des Generators
Die kleinen Inverter-Generatoren sind nur auf bestimmte Dauerlastzeiten ausgelegt. Bleiben wir mal bei den Honda-Dingern, weil sich diese qualitativ auf 1000enden Baustellen bewährt haben. Nehmen wir hier den 20i, so reden wir im Dauerlastbereich von einem Abruf von 1600VA für 4-8 Stunden. Dann möchte das Gerät auch mal seine Ruhe haben. Läuft das Gerät in Teil-Last, können mit einer Tankfüllung von 4,1 Litern Betriebszeiten von 10 Stunden erreicht werden, bevor man ihm eine Pause gönnen sollte. Die Inverter-Lösung schlägt mehrere Probleme mit einer Klappe.
Was bedeutet Inverter? Das deutsche Wort dazu wäre Wechselrichter. Verbrennungsmotor und Generator sind elektrisch voneinander getrennt, sie laufen nicht mit derselben Frequenz.
Der vom Generator erzeugte Strom muss nicht zwangsläufig 230 oder 400 Volt mit 50Hz haben, sondern kann einen fast beliebigen Wert haben. Die nachgeschaltete Wechselrichterelektronik erzeugt aus dem Eingangsstrom eine perfekte, saubere Sinusspannung in der gewünschten Spannung und Frequenz.
Dadurch ergeben sich eine Reihe von Vorteilen:
Die Invertergeneratoren können im Schwachlast- oder Teillastbetrieb ihre Drehzahl reduzieren, was den Lärm deutlich reduziert. Gleichzeitig sinkt der Kraftstoffverbrauch, da weniger Drehzahl weniger Krafstoffverbrauch bedeutet. Weiterhin erzeugen Invertergeneratoren eine Stromqualität, die oft besser ist, als aus der Haussteckdose. Man kann mit ihnen also praktisch jedes Gerät betreiben, wie z.B. PCs, Fernseher, SAT-Receiver und ähnliches elektronisches Gerät.
Invertergeneratoren sind durch die nicht mehr an 3000 1/min Drehzahl gebundene Stromerzeugung auch deutlich kompakter als konventionelle Generatoren, da mit weniger Hubraum gearbeitet werden kann. Statt eines Verbrennungsmotors mit 120ccm Hubraum und 3000 1/min kann nun ein 50ccm-Motor mit 6000 1/min eingesetzt werden, die beide dieselbe Leistung bringen.
Nachteile der Invertergeneratoren:
Ihre Elektronik ist ein teures Bauteil, und wie jede Elektronik ist sie empfindlicher als einfache, robuste Technik. Ein Invertergenerator ist also nur bedingt geeignet für Verbraucher mit sehr hohem Anlaufstrom, wie z.B. große Elektromotoren mit viel Schwungmasse (Kreissäge, Pumpe etc). Ein Inverter ist eher das perfekte Gerät für Haushaltsgeräte, Computer, kleine Elektrowerkzeuge etc, und durch den sehr leisen Betrieb das ideale Gerät für Camping und Feiern, wo es auf den Lärmpegel in der Nachbarschaft ankommt.
3.) Vorbereitende Planung
Natürlich sind 20 Liter für den Krisenfall ein Witz. Die von Ihnen geschilderte Situation bezüglich des ausgefallenen Trafos und Ihrer damit verbundenen Erfahrungen hört sich für mich aus Ferne so an, dass sie vorher diese Umstände nicht durchdacht und geplant haben (bitte die Äußerung nicht übel nehmen, ich sehe solche Verhaltensweise sehr häufig bei Neu-Preppern bzw. Personen, die keine Vorplanung betrieben haben). Man stellt sich ein Aggregat hin, hat aber keine Planung, was notwendige Lastverbräuche anbelangt und vor allen Dingen liegt keine koordinierte Zeitplanung zur Einsatzzeit der Verbraucher vor. Hört sich erst einmal kryptisch an, deshalb hier ein fiktives Beispiel.
Max Mustermann hat ein Stromaggregat gekauft und in der Garage stehen 20 Liter Sprit. Er denkt, er ist nun vorbereitet für den Stromausfall. Dieser tritt ein und er kippt immer wieder Sprit nach, bis die Bestände spätestens nach 48 Stunden verbraucht sind. Welche Fehler kann er gemacht haben?
a) Er könnte kein Inverter-Gerät gehabt haben und somit indirekt den Verbrauch für nichts nach oben getrieben haben, vorausgesetzt, er muss keine Geräte mit hohem Anlaufstrom betreiben.
b) Er hat unnötiger Weise einfach so viele Verbraucher, wie es die Leistung des Generators hergibt, angeschlossen, ohne vorher über Energieeinsparpotential nachgedacht zu haben. Man muss nämlich schon seinen Kühlschrank kennen, um zu wissen, wie oft der überhaupt Strom braucht, um die Esswaren noch zu kühlen/kühl zu halten. Bei den heutigen Geräten kann, sofern das Kühl-Gut einmal durchgekühlt ist, auch mit längeren Pausen gearbeitet werden, da die Isolierung die vorhandene Kälte gut im Gerät hält. Ich darf ihn dann natürlich nur möglichst selten öffnen, um den Energieverlust so gering wie möglich zu halten. Die Heizung muss auch nicht die ganze Zeit „durchbollern“, sofern ich eine halbwegs plausible Berechnung habe, die mir zeigt, wie ich mit möglichst kurzen Einsatzzeiten ein Maximum an Wärme in die Behausung bekomme. Den Rest der Zeit lasse ich das Gebäude langsam auskühlen, bis ich die Heizung wieder an den Inverter anschließe. Natürlich muss ich dann mein Lüftungsverhalten massiv ändern etc.
c) Er hat das Gerät durchlaufen lassen
Wenn ich mich auf die Gegebenheiten im Vorfeld eingestellt habe und diese durchgeplant habe, kann auch so ein kleiner „Kurzläufer“, wie CrisisMaven ihn richtiger Weise bezeichnet, eine riesen Erleichterung sein. Unterstützt durch 12 V Geräte, einen entsprechend dimensionierten Akku mit Solarzellenunterstützung etc. kann man auf rudimentärer Basis bei entsprechende Vorbereitung die grundsätzlichen modernen Errungenschaften noch nutzen.
Ständig durchlaufende Generatoren sind für Privathaushalte nicht erforderlich, um die Grundfunktionen des Haushalts aufrecht zu erhalten. Kurzläufer sind bei entsprechender Planung die optimale Variante, was das Kosten-Nutzen-Verhältnis anbelangt.
Aber das muss auf den individuellen Einzelfall abgestimmt sein. Der Einzelfall bestimmt auch Größe und Art der Notstromeinrichtung.
Habe ich Z.B. ein Haus mit einer Ölheizung und achte darauf, dass der 4000-Liter Tank niemals unter 50 % Füllstand fällt, wähle ich natürlich einen Generator, der auch heizöltauglich ist. LPG wäre dann hirnrissig. Brennstoff ist dann eher ein nachgelagertes Problem. Heizung, auch da in Kombination beide Installationen laufen werden, zumindest bis der Tank leer ist.
Lebe ich in einer Stadtwohnung, kommen nur Kleingeneratoren in Frage, die Heizung kann ich als Verbraucher vernachlässigen, da bei einem Stromausfall auch die Druckerhöhungspumpen des Gasnetzes ausfallen und mir dann meine tolle Gas-Brennwerttherme auch nichts mehr nutzt. In diesem Fall muss ich die Heizproblematik gesondert betrachten. Die eh schon gekapselten Inverter können zur Lärmvermeidung mit Schallentkopplungsmatten unterlegt werden, der Betrieb kann in den Räumen erfolgen, sofern der flexible Auspuff in entsprechende Länge vorhanden ist, damit die Abgase ins Freie geleitet werden können.
Habe ich ein Haus auf dem Lande mit Gasheizung, aber verbunden mit dem öffentlichen Gasnetz, so kann ich mir zur Redundanz einen LPG-Tank anschaffen. Damit umgehe ich im Falle des Stromausfalls und dem nachfolgenden Ausfall der Gasversorgung meinen persönlichen Black-Out, solange ich einen LPG-tauglichen Generator habe und die Düsenbestückung der Heizung die LPG-Versorgung zulässt und ich die Versorgungsstränge umschalten kann. Zumindest sollte ich dann für die Heizung die entsprechenden Düsensätze vorrätig haben.
etc.
Restrisiken bestehen immer und keine Vorplanung der Welt wird diese (egal in welchem Bereich) ausmerzen können. Preppen beinhaltet auch nur die Minimierung dieser Risiken und die Eröffnung von weitgefächerteren Handlungsoptionen im Krisenfall. Jeder Prepper mit Hirn weiß, dass es immer anders kommen kann, als man selber gedacht hat. Doch durch die Auseinandersetzung mit vielschichtigen Problemszenarien steigert man sowohl sein eigenes Vermögen bezüglich des „Querdenkens“, als auch die Fähigkeit, schnell improvisieren zu können. Wie CrisisMaven richtig gesagt hat, sind die eigenen Fähigkeiten die grundsätzliche Basis. Erst von dieser Basis an kann ich anfangen technische Hilfsmittel einzusetzen, um mir dann das Leben im Krisenfall zu erleichtern. Die praktischen Fähigkeiten sind im SHTF-Fall (mit) das A und O.
Hoffen wir alle, das ein solcher Fall nie eintreten mag. Obwohl ich mich nicht darauf verlassen würde.
Ich glaube, ich habe das Gelbe nun genug mit Prepper-Gedanken genervt, insofern werde ich zukünftig wie immer wieder still mitlesen und mich an den Erkenntnissen hier im Forum erfreuen. Danke noch mal für den Input, den Sie hier alle leisten. In allen Bereichen. Danke auch an den Betreiber, der dieses Forum für nichtregistrierte Interessierte Personen zur eigenen Informationsbeschaffung offen lässt.