Langfristig-großflächiger Stromausfall wäre Mega-Katastrophe (das Ende?) u. nicht selfmademan-abenteuerlich beherrschbar
Servus Leser68,
bitte erlaube mir, zu Deinen Thesen einfach Gegenthesen bzw. Hinterfragungen in den Raum zu stellen. Das bedeutet nicht, dass diese (meine) Thesen/Hinterfragungen wahrscheinlicher sind als die von Dir entwickelten. Sie sollen auch Deine in keiner Weise abqualifizieren, sondern nur aber immerhin eine Gegenthese darstellen und zum eigenen Nachdenken und eigener Einschätzung der Wahrscheinlichkeiten anregen. Also kein Werturteil, sondern nur Beitrag, bei dem wir rein gedanklich-theoretisch die Möglichkeiten und Geschehnisse in einem umfassenden Stromausfallszenario durchspielen und wiederum deren Grenzen einschätzen. Okay?
Was ist die Reihenfolge der menschlichen Bedürfnisse (ohne Anspruch an
Wissenschaftlichkeit):
1. Luft zum Atmen (max. 5 Minuten)
2. Wasser zum Trinken (max. drei Tage)
3. Wärme (hängt von der Temperatur ab, bei -50°C in einem Haus in
Sibirien ohne Heizung und ohne Holz wäre vermutlich schon nach weniger als
drei Tagen Schluss. Obwohl... Es gab vor ein paar Jahren eine ZDF-Doku wo
zufällig junge Russen per Fahrrad(!) auf der gleichen Überlandstraße wie
das Kamerateam, im Winter bei ca. -40°C, eine Fahrradtour gemacht und im
Zelt(!) übernachtet haben. Ich weiß nicht mehr wieviele Nächte am Stück
die das ausgehalten haben.
4. Was zu essen (max. drei Wochen, je nach Außentemperatur und
Kalorienverbrauch)
Es handelte sich um junge Russen, die wohl kerngesund und in vollem Saft gestanden haben. Diese Aushaltensfähigkeit kann nicht für eine Bevölkerung gelten mit kleinen Kindern, gesundheitlich nicht Topfitten oder alten Menschen. Deren Nichtüberlebensrisiko ist ungleich höher als das von austrainierten, kerngesunden 25-35jährigen.
In allen (größeren?) Städten in Deutschland gibt es Notbrunnen.
Wasser gibt es im niederschlags-, grundwasser- und oberflächenwasserreichen Deutschland wahrlich genug. Verdursten sehe ich nicht als nennenswertes Risiko für die Allgemeinheit. Die Frage ist lediglich, bleibt das Wasser unverseucht, wenn bei einem fortgeschrittenen (längerdauerndem!) Krisenszenario die Leichen und Kadaver mangels Strom und Logistik nicht schleunigst verbracht werden können, bzw. beim Fukushimieren der Atomanlagen, Chemie- und Industrieunfällen die Verseuchung zwangsläufig eintritt.
Im Extremfall können überall Komposttoiletten errichtet werden.
Wie viele Millionen Komposttoiletten braucht man für zig Millionen in Städten lebenden Menschen und wohin und von wem werden die anfallenden Fäkalien gerade in Ballungsgebieten seuchenfrei (!) entsorgt? Beachte: es gibt im Szenario keinerlei Logistik die auf Strom oder dessen Derivaten angewiesen ist.
Ansonsten kommen vermutlich Tankwagen zum Einsatz.
Wasser ist nicht das größte Problem. Wie würden aber die Tankwagen betankt werden, wenn es keinen Storm gibt und von wem werden die Abertausend notwendigen Tankwagen gefahren? Wie werden die Fahrer/Routen ohne Strom (Computer, Telefon, Funk, usw.) eingeteilt usw.
Essen:
Einige Tage dürften alle Menschen ohne Besuch im Supermarkt auskommen
(u.a. Dank Nachbarschaftshilfe).
Das gilt für viele Menschen, aber bestimmt nicht für alle Menschen (Kinder, Alte, Kranke, Schwangere). Wie viele Tage hungern wäre angesagt? 3 Tage, 13 Tage, 130 Tage?
Beim Tag X dürften vor jedem Supermarkt
Polizisten (BP, Zoll, BePo etc.), Soldaten und Reservisten aufmarschieren
Wie viele Sicherheitskräfte werden in Rund-um-die-Uhr-Schichten benötigt, um die abertausende Supermarkte zu bewachen, wie werden diese in einem stromlosen Umfeld aufgeteilt, transportiert und ihrerseits verpflegt? Davon ab dürften die Märkte ruck-zuck leer sein, wenn mangels stromabhängiger Logistik nichts nachgeliefert werden kann. Wie ein Verkauf ohne Strom (Kassenterminals, elektrische Türen, elektrische Beleuchtung, elektrische Kühlung) überhaupt funktionieren würde, ist mir schleierhaft.
bzw. werden dann die seit 2004 geltenden Notstandsgesetze ausgepackt
(Beschlagnahme von Fabriken, Autos, Lkw etc.)
Wie und vor allem wozu sollen Beschlagnahmen in einem stromlosen Umfeld organisiert werden?
In Deutschland dürfte es
einige Getreidespeicher geben, die allerdings auch das (Hybrid-?
Terminator-?)Saatgut für das nächste Jahr enthalten könnten. Dazu gibt
es EU-Speicher für alle möglichen Lebensmittelüberschüsse (Fleisch,
Milch, Butter etc.).
Wie ohne Strom und entsprechend funktionierender Logistik?
Die werden erst mal alle geleert.
Vermutlich werden viele Rinder bzw. Milchkühe geschlachtet werden, weil
der (Energie-)Wirkungsgrad Getreide->Mensch wesentlich höher als der
Wirkungsgrad Getreide->Rinder/Schweine->Mensch sein dürfte.
Die brauchen nicht geschlachtet zu werden. Die Verrecken elendig innerhalb ganz weniger Tage, weil sie mangels Strom und funktionierender Melkanlage nicht gemolken werden können. Hunderte rasch in Verwesung eintretende Kadaver in einer Halle. Empfehle, das Hörbuch zu hören, dort wird genau auf dieses Teilaspekt eingegangen.
Die nicht mehr benötigten Parkplatzflächen vor den tausenden von
Supermärkten in Deutschland können in Hochbeetgärten umgewandelt werden
(s. das Beispiel Kuba). Ich sage nur: Prinzessinnengarten in Berlin.
Wie viele Monate und wie viele Arbeitskräfte und wie viele Pickel, Spitzhacken und Spaten braucht man dafür? Wie werden ohne Strom (Computer, Drucker, Telefon usw.) die Arbeiter eingeteilt, koordiniert und solange versorgt, bis - Erntezyklus - nach vielen Monaten theoretisch ein Ertrag erwartet werden kann?