Prepper-Ausstattung

Leserzuschrift, Donnerstag, 30.07.2015, 14:02 (vor 3828 Tagen) @ Wayne Schlegel12863 Views

Als jahrelanger stiller Mit-Leser möchte ich gerne einmal meine Meinung zum Prepper-Dasein bezüglich eines langanhaltenden Stromausfalls kundtun. Ich bin selber seit ca. 4 Jahren passionierter „Prepper“ und bewege mich dementsprechend in dieser Szene auch im privaten Bereich.

Die meisten Prepper sind ganz normale Leute, die man in allen Altersklassen, Bildungsschichten und Berufspositionen findet. Sozusagen ein Querschnitt durch die Bevölkerung. Die Intentionen, im DACH-Raum sich auf Krisenereignisse vorzubereiten, entspringt zu 99 % nicht irgendwelchen apokalyptischen Szenarien wie Meteoriteneinschlägen, Tsunamis etc., sondern bezieht sich auf Ereignisse, für die man historische Vorlagen hat, dass sie schon einmal eingetroffen sind oder wo eine Wahrscheinlichkeit besteht, solche Ereignisse selber noch erleben zu können. In erster Linie handelt es sich hierbei um einen großflächigen Stromausfall, Pandemien, einen extrem massiven Wirtschaftscrash mit den damit verbundenen Folgeerscheinungen in den Logistikketten oder Krieg. Alle anderen Vorbereitungen entspringen meist lokalen Gegebenheiten, wo man individuell auf seine Wohnumstände reagiert. Das kann dann die Vorbereitung gegen Überschwemmung im Hochwassergebiet sein oder, sollte jemand in einem Erdbebengebiet wohnen, die Ertüchtigung des Hauses, um es erdbebensicherer zu machen.

Auch noch als Vorbemerkung: Meist wird in US-amerikanischen Publikationen immer von Zombie-Apokalypse gesprochen. Damit sind natürlich nicht irgendwelche Untoten gemeint, die durch die Gegend laufen und andere Menschen anfallen. Gemeint ist mit dem Begriff Zombie ein unvorbereiteter Mitbürger, auf den man entsprechend seiner Situation reagieren muss. Wenn man das weiß, relativiert das einige englischsprachige Artikel schon stark.

Zum Stromausfall ist für den Otto-Normal-Prepper mit durchschnittlicher Kaufkraft folgendes Equipment/Vorgehen erstrebenswert:

a) eine vollständige Stromversorgung des Hauses/der Wohnung ist finanzieller Irrsinn. Man muss sich also auf das Nötigste beschränken. Das Nötigste, wo elektrische Energie benötigt wird, ist in erster Linie Licht und Kühlung für die Nahrung und Medizin. Dies kann man z.B. durch eine mobile 12V-LED-Lichtinstallation lösen, verbunden mit einem Akku (vorzugsweise LiFePo4-Akku oder anderen Akkuarten, wo keine Ausgasung stattfinden kann). Zum Nachladen des Akkus ist auch eine kleine Solaranlage notwendig. Auch hier gibt es gute mobile Lösungen, die man auch im Falle einer notwendigen Flucht mitnehmen kann. Die Kühlung von Essensvorräten in einer kleinen Menge kann über eine Kompressor-Kühlbox erfolgen. Diese haben einen geringen Verbrauch, können auch Nahrungsmittel einfrieren und laufen auch mit 12V. Die Grundinvestition liegt hierbei bei ca.: 1000 € Solarmodul (faltbar, mobil, geringes Gewicht etc.) + 1000 € Akku + 500 € Kompressor-Kühlbox + 100 € Beleuchtung (fliegend verlegt) + 150 € Ladegerät Akku (je nach Typ)= 2750 € Gesamtinvestition.

b) als Redundanz für kurzfristig benötigten Strom zumindest ein Inverter-Stromaggregat auf Qualitätsstufe Honda 20i mit einem gewissen Treibstoffvorrat. Die Inverter sind leise, können mit Abgasschlauch nach draußen auch in der Wohnung betrieben werden (Lärm) und stellen sicher, dass auch elektronische Geräte, die empfindlich sind, gefahrlos betrieben werden können. Kosten hierfür mit einigem Extra-Equipment ca. 1.200 €. Vorzugsweise bietet sich eine LPG-Umrüstung des Notstrom-Generators an, da die Lagerung von Gasflaschen auch über Jahre problemlos möglich ist, bei Benzin muss man auf Metallkanister achten und einige andere Sachen, sonst hat man nach einer gewissen Lagerzeit keinen Treibstoff mehr, da auch Benzin (zumindest wenn man kein Spezialbenzin verwendet) „kippen“ kann.

c) Für die Entsorgung von menschlichen, festen Fäkalien können problemlos stabile Mülltüten genommen werden oder große Plastikeimer mit Deckel. Die „Hinterlassenschaften“ sollten nach jeder „Befüllung“ aber mit Chlor/Kalk bestreut werden. Dieses ist sehr kostengünstig.

d) Ein guter Wasserfilter, der aus dem nächsten Fluss/See wunderbares Trinkwasser „zaubert“, ist für ca. 300 € zu bekommen, je nach Größe und Haltbarkeit der Patrone aber auch darunter oder darüber. Hier muss jeder für sich entscheiden, mit welcher Krisen-Zeitspanne er planen will. Empfehlenswert sind Filter von Katadyn oder MSR. Flüsse und Seen sind auch in jeder Großstadt zu finden.

e) Die meisten Prepper halten einen Nahrungsmittelvorrat von 3-6 Monaten vor, mit Rationierung kann hier eine Zeitspanne überbrückt werden, bis wieder Nahrungsmittel in der Natur zur Verfügung stehen. Die Zeit wird ja im Krisenfall sowieso durch die Ausgabe der Nahrungsmittelreserve des Bundes gestreckt, obwohl hier die Mengen im Vergleich zur Gesamtbevölkerungsanzahl sehr gering sind. Wer sich nicht um Lagerfähigkeit und Rotation der Lebensmittel kümmern will, kann BP5 oder NRG5 einlagern. Das nehmen auch die Hilfsorganisationen, ist alles inkl. der meisten benötigten Vitamine drin. Wird dann aber eine sehr langweilige Ernährung. Kosten pro Person für 1 Monat ca. 200 €, bei 6 Monaten also 1200 €. Das Zeug hält ewig und hat auch schon vom Hersteller Haltbarkeitszeiten von ca. 15 Jahren, die aber auch gerne bei richtiger Lagerung überschritten werden können. Reis (20l-Säcke aus dem Asia-Supermarkt) in Weithalstonnen, Nudeln (dürfen keine Eier enthalten), Zucker, Salz, Honig etc. sind als Ergänzung zur Zeit günstig zu bekommen und jahrelang lagerfähig.

f) Gas- oder Spirituskocher gibt es für ca. 150 €, gute gebrauchte Schlafsäcke mit Komforttemperaturen bis -20°C (bei Heizungsausfall im Winter) schlagen bei 3 Personen mit 400 € (gebraucht) zu Buche.

Für eine 3-köpfige Familie ist so eine „Grundausstattung“ für bummelig 8000-8500 € (neu) zu kaufen. Gebraucht wird es günstiger, und wenn man nicht gerade Notnahrung auf BP5-Basis will, nähert man sich dann einem Bereich von 4-5 k€. Deckt man damit einen Zeitraum von 15 Jahren ab, bevor die ersten Gegenstände kaputt gehen oder man Nahrungsreserven erneuern muss, hat man jährliche Kosten (bei der 8000 €-Variante) von 533 € für eine 3-köpfige Familie bzw. 44 € im Monat. Das kann man wie eine normale Versicherungsprämie sehen.

Nähert man sich einer Voll-Prepper-Ausstattung mit komplettem Bug Out Bag (Fluchtrucksack), Kurzwellen-Funkgerät, mobile Notbeleuchtung (Petromax-Lampen), Werkzeug, Redundanz-Equipment etc., kommt man in Preisregionen von 20-25 k€. Das Schöne an diesem „Hobby“ ist, man setzt sich mit vielen unterschiedlichen Problemstellungen auseinander und lernt sehr viel. Gerade die Prepper-Szene ist bezüglich ihrer Schwarmintelligenz gut aufgestellt. Wen das Thema grundsätzlich interessiert, dem kann ich folgendes Forum ans Herz legen:

www.Survivalforum.ch

Dort wird sehr auf Troll-Freiheit geachtet und die Mitglieder sind „down to earth“. Hier mal ein paar Threads zum Thema Stromausfall:

http://www.survivalforum.ch/forum/showthread.php/34786-Erfahrungsbericht-Blackout-in-de...

http://www.survivalforum.ch/forum/showthread.php/26521-Artikel-Auswirkungen-eines-Strom...

http://www.survivalforum.ch/forum/showthread.php/1425-Szenarium-Grossflächiger-Stromaus...

….und viel andere Threads.

Zu der Atomkraftwerksproblematik mit der Nachkühlung: Der Staat ist nicht unwissend und wird in jedem Fall die benötigten Brennstoffreserven für die Nachkühlung bereitstellen. Eher lässt man noch Krankenhäuser stromlos dastehen, man will ja späterhin noch bewohnbare Landstriche haben. Diesbezüglich würde ich mir eher weniger Sorgen machen, die Problematiken sind bekannt und entsprechende Notfallpläne stehen bereit.

Beste Grüße an die Leser des Gelben und vielen herzlichen Dank für eure immer wieder interessanten und teils kontroversen Denkansätze. Es ist immer wieder eine Bereicherung, hier mitzulesen.


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