Warum diskutierten jene Alten Griechen, denen der logische Fatalismus klar war, überhaupt noch?
Warum bedauerst Du die Welt also?
Empathie mit gefolterten Kreaturen und Ekel gegenüber Versuchen, einen
derartigen Schöpfungsplan als göttlich und als Allweisheit zu
postulieren.
Zum ersten Teil voll Zustimmung, geht mir ähnlich, zum zweiten: bitte,
wie Du willst.
...
Du hast nur eine mögliche Vergangenheit und auch nur
eine
einzig mögliche Zukunft. Alles andere ist Freiheits-Fiktion.
Vielen Dank auch für die Literaturhinweise, interessant - allerdings:
Deine Meinung, Du negierst die Möglichkeit der Willensfreiheit: ich
nicht. Wohlgemerkt halte ich es sehr wohl für möglich, die Möglichkeit
der Willensfreiheit zu negieren, aber zwingend ist das nicht.
Für mich ist es zwingend. Nachdem ich mir Einstein, Schopenhauer, Nietzsche, Diodoros Kronos' Meisterargument (bin @Schneider aka @trosinette noch heute für den Hinweis dankbar), Detlef Dürr und dessen Kollegen Tumulka, die Hirn-Koryphäen Singer und Roth, sowie viele andere Klardenker angehört hatte, wurde es erst recht zwingend.
http://www.mathematik.uni-muenchen.de/~bohmmech/chance/sueddeutsche.htm
Die "Freiheits-Fiktion", deren vermeintliche Erkenntnis auch Nietzsche
bekanntlich nicht gut bekommen ist (eigentlich niemandem, den ich kenne),
Was soll der Unsinn? Bekanntlich hast Du keine Ahnung von den Ursachen, die ihm nicht gut bekommen sind.
die bedeutet in letzter Konsequenz auch, eine Realität außerhalb unserer
selbst abzulehnen. Man stürzt damit in einen Solipsismus, wie er vor allem
den Freunden psychoaktiver Stoffe eigen ist - außerordenlich modern das
und eng verwandt mit den verbreiteten apokalyptischen Sehnsüchten!
Sehnsüchte nach dem Jenseits bekunden bekanntlich die Gläubigen, und ganz bestimmt nicht wir.
Wir sind die letzten, die so etwas nötig hätten.
Ob wir Finsteres tun, hängt ganz allein von unseren
Charakter ab, und es ist der physischen Kausalität entzogen[/b].
Es hängt sowohl von Deinem Charakter als auch von anderen Einflüssen
ab. Beide sind bestimmt/determiniert, und nicht irgendwie offen, oder
selbst
zugeteilt. Du bist nicht der Schöpfer Deiner selbst.
Nein, das nicht, aber ich bin zuständig für das, was ich tue oder nicht.
Zum Beispiel auch für das, was ich hier schreibe. Wenn es jedoch nur eine
mögliche Zukunft gewissermaßen als Spiegel der Vergangenheit gibt, wie Du
behauptest, dann wundert mich, von wo aus ich mir hier beim Schreiben
zusehen kann und mir tausend andere Dinge dabei vorstellen kann (die Frage
nach dem "Warum" will ich da sogar noch ausklammern).
Offenbar ist unser
Geist mit einer absurden Vielfalt an Möglichkeiten ausgestattet, die an
der Realität als Zuchtmeister zu zerschellen verdammt sind, wie Du und
Nietzsche es andeuten - bis auf die eine, wahre, "heroische". Gehorsam
gegenüber dieser wahren Realität wäre also das einzige sinnvolle Gebot,
wenn man schon Moral haben will. Soweit einverstanden? Ich wäre es,
vollkommen.
Gehorsam? Keine Ahnung, was Du sagen möchtest.
Nun kann man diese Sichtweise eine ganze Weile also in sich pflegen, und
dem Reigen im Uhrwerk der Welt zusehen, man mag mitunter etwas kichern
(geheim), wie mancher sich so sinnlos müht, der das Uhrwerk nicht erkennt.
So macht man das dann , und erkennt wie Du die schier unglaubliche
Niedertracht der Welt, die bösartige Kleingeistigkeit, die Hinterhalte,
das Geltungsbedürfnis der Vielen und die tiefe, bodenlose Sinnleere in den
Menschenseelen. Das ist wahrhaftig kein Vergnügen. Und doch meine ich,
dass an diesem Punkt der Aporie die Sache erst richtig losgeht. Das Uhrwerk
ist nämlich keineswegs so dumpf und simpel, wie man(ich) es erst
denkt(dachte).
Behauptet jemand, es sei simpel? Ich zum Beispiel behaupte immer das Gegenteil. Es ist komplex, aber selbst das Chaos ist bekanntlich ein deterministisches. Mit einem simplen Uhrwerk hat Determinismus nichts zu tun.
Es liegt da meiner Erfahrung nach ein ganz erstaunliches
Muster vor, als eine Paradoxie zwischen beschränktem Wissen und realem
Geschehen;Ein Beispiel dazu, das ich in dem freiwillig
von "Chef" gelöschten
Faden des verstoßenen LegasNICKERs schon gebracht hatte, stammt von Ernst
Barthel (mit gewisser Ökonomienähe, wie man es hier schätzt):
In einem Kasino liefern eine Reihe von Roulettekugeln jede für sich
Zahlen zwischen 0 und 36. Kausal ist jede völlig entkoppelt von den
anderen, sowohl zeitlich als auch räumlich. Und doch sorgt jede Kugel im
Verein mit ihren Geschwistern wie von Geisterhand dafür, dass am Ende
eines Jahres getreu die Bank am meisten gewinnt, also die Null genau so oft
herauskommt, wie die anderen Zahlen.
Da ist doch nichts geisterhaftes dabei. Das ist – wie jedes Geschehen in der realen Welt – kausal abhängig von vielen Ursachen. Wenn die Aussparung bei der Null auch nur ein bisschen grösser ist, dann verändern sich die Verhältnisse. Genauso wenn eine Unwucht besteht. Alles ganz normale physikalische Kausalität.
Die einzelne Kugel weiß aber nichts
davon, in ihrer Physis und auch in der ihrer mechanischen Umgebung ist
nichts, aber auch gar nichts von dieser Ganzheit zu bemerken. Es ist sogar
umgekehrt: Die Kugel darf nichts "bemerken" von ihren Geschwistern, DAMIT
am Ende die richtige Verteilung herauskommt!Ich glaube hierin mit Barthel eine tiefe Analogie zur Paradoxie der
menschlichen Freiheit erkennen zu können. Wer weiß, Du vielleicht auch?
Am Gesetz der grossen Zahlen vermag ich keinerlei physikalisch-logische Paradoxie zu erkennen.
Das ist für mich die irdischste Angelegenheit der Welt.
...
Ich habe kein Bedürfnis, mir einen höheren Sinn des Geschehens
einzureden.
Aber offenbar das dringende Bedürfnis, dergleichen anderen auszureden.
Dieses Dein Motiv bleibt mir noch immer dunkel.
"Écrasez l'infâme!" Das ist ein menschliches Bedürfnis.
In einer Welt, in der das Böse nicht sein KÖNNTE, wäre es
praktisch
unmöglich es überhaupt zu erkennen und abzulehnen.
Was sehr gut wäre. Das wäre dann schon eher eine Welt, die man als
allweise und göttlich bezeichnen könnte.
Du magst die Freiheit wirklich nicht - wie schade (und ich kann nicht
umhin, es ein bisschen wie selbstverordnete "Zucht" zu verstehen zwischen
den Zeilen..)!
Ich mag die Wahrheit. Ich brauche mir nichts vorzumachen und einzureden. Keine Osterhasen, keine Götter, keinen Bullshit. Die Negierung der Bestimmtheit (Determiniertheit) ist die Unbestimmtheit (Indeterminiertheit), und diese machte, wie Singer und Roth überzeugend dargelegt haben, erst recht nicht frei.
Grüße nvf33
Grüsse, Zara
von "Chef" gelöschten