Weil auch Du Dich (vermutlich) schämen würdest
Jeder Mensch mit Verstand würde sich schämen, wissentlich eine
Welt
zu
planen und zu konstruieren, in der jedes Wesen andere frisst,
reisst,
erwürgt, erschlägt, ersäuft, vergiftet, aussaugt etc.
Schämen vor wem oder vor was?
Vor einem selber. Wie man als denkendes Wesen einen derart
hinterhältigen
Plan als ein verdankenswertes und anbetungswürdiges Werk eines
Allmächtigen/Allweisen/Allgütigen zu postulieren wagt, ist eine
pfafföse
Unverschämtheit und eine Beleidigung an jede Art Intelligenz.
'Intelligent
Design'! Es wäre zum lachen, wenn es nicht so traurig wäre.
Woher Dein Bedauern über die Schlechtigkeit der Welt?
Wie aus meinen Zeilen hervorgeht, bedauere ich, dass die Leute sich eintrichtern lassen, diese Welt, die auf dem Prinzip 'töte einen andern' beruht, sei das Werk eines intelligenten/allmächtigen/allweisen/allgütigen Schöpfergottes. Das ist absurd.
Und wenn diese Welt
so schlecht ist - warum sollte man sich dann vor sich selbst schämen, sie
nur ein kleines bisschen schlechter zu machen? Warum überhaupt
"schlechter"!? Woher kommt bei Dir der durch nichts, aber auch gar nichts
in der Menschenwelt begründete Anspruch, sich "vorbildlich" oder gar
"löblich" zu verhalten - oder sogar eine ganze Welt zu erfinden??
Du musst halt lesen, was man schreibt. Ich schreibe, dass sich jeder Mensch, der bei Verstand ist, sich vor sich selber schämen würde, wenn er eine Welt nach diesem real existierenden Prinzip (töte einen anderen) erschaffen würde.
Man stelle sich vor, es wird Dir jetzt und heute die Macht gegeben, auf dem Mond eine Welt nach Deinem Gusto zu erschaffen und Dir käme nichts gescheiteres in den Sinn, als Wesen zu schaffen, die sich gegenseitig auflauern und sich in allen nur erdenklichen Varianten abmurksen, wie dies auf Erden der Fall ist. Wenn Du Dich danach nicht schämen würdest, weiss ich immerhin, mit welchem Mass an Skrupelllosigkeit ich es zu tun habe.
Man könnte doch sehr mühelos einfach sagen, "Pff, die Pfaffen, Narren,
ich selbst bin das Gesetz! Scham war gestern! Meine Welt ist gut, weil ich
es sage."
Dein Name legt Nahe, dass Du Nietzsche kennst. Von Scham lese ich bei ihm
nichts...
Erstens ist etliches über Scham zu lesen bei Nietzsche, und zweitens teile ich nicht alle Aspekte in Nietzsches Moral.
Ich liebe Den, welcher sich schämt, wenn der Würfel zu seinem Glücke fällt und der dann fragt: bin ich denn ein falscher Spieler? – denn er will zu Grunde gehen.
Und wenn wir schon dabei sind: Ist es nicht vielmehr so, dass man in einer
ohnehin schlechten Welt das gute Recht hat, jeglichen Glauben minderer
Geister recht kühl zu verwenden, für das "Eigene", also das "eigentliche"
Gesetz? Also die naseweisen Christen z.B. als Arbeiter zu verwenden, weil
sie - blöd wie sie sind - weniger stehlen?Mich würde wirklich ernsthaft interessieren, wie Du zu diesen Fragen
denkst. Denn rein logisch sehe ich keinen Grund, die so gut wie immer
taktisch überlegene Bosheit in irgendeiner Weise zu beschränken im
eigenen Handeln. Scham wie gesagt ist im irdirschen leicht überwindbar,
Gewissen auch, und ein Mord wäre am Ende auch nur ein Todesfall, wenn
keiner davon weiß.
Diese Deine Zeilen sollten genug sein, die Thesen eines allweisen/allgütigen Schöpfers zu begraben. Bleibt die Frage, warum Du den Glauben an einen Generalplaner (Gott) nötig hast.
Grüsse, Zara