Friede in der kriegerischsten aller denkbaren Schöpfungswelten?
Hallo Zara!
Hallo nereus!!
Du schreibst: Jeder Mensch mit Verstand würde sich schämen,
wissentlich eine Welt zu planen und zu konstruieren, in der jedes Wesen
andere frisst, reisst, erwürgt, erschlägt, ersäuft, vergiftet, aussaugt
etc..
Ja, genau das schreibe ich. Und ich ergänze: Jeder Mensch mit Verstand und Empathie würde sich schämen, wissentlich eine Welt zu planen und zu konstruieren, in der jedes Wesen andere frisst, reisst, erwürgt, erschlägt, ersäuft, vergiftet, aussaugt etc..
Und wie würdest Du das sehen, wenn Dein irdisches Leben (und das aller
anderen Lebewesen auch) nur einen Teil einer viel größeren Zeitspanne
Deiner (bzw. ihrer) GEISTIGEN Existenz darstellen würde?
Dann würde ich das ganz genau gleich sehen.
Wenn dann das Erwürgen und das Vergiften zwar immer noch qualvoll wären
– weil durch den materiellen Körper unvermeidlich - es sich aber hier
nur um wenige Sekunden oder Minuten/Stunden handelt, welche in eine viel
größere Zeitspanne des Bewußtseins eingebettet sind und wenn unser aller
Bewußtsein wiederum Teil eines noch Größeren wären?
Was würde das ändern? Glaubst Du, tausend Peitschenhiebe wären dann erträglicher? Oder eine eiserne Fussfalle, mit welchen einige besonders kranke Individuen aus der Spezies der 'Schaumkrone des Abschaums der Schöpfung' (copyright Zara) den Tieren auflauern?
Dies stimmt aber auch zur Beschaffenheit der Welt: denn nur ein blinder, kein sehender Wille konnte sich selbst in die Lage versetzen, in der wir uns erblicken. Ein sehender Wille würde vielmehr bald den Ueberschlag gemacht haben, daß das Geschäft die Kosten nicht deckt, indem ein so gewaltiges Streben und Ringen, mit Anstrengung aller Kräfte, unter steter Sorge, Angst und Noth, und bei unvermeidlicher Zerstörung jedes individuellen Lebens, keine Entschädigung findet in dem so errungenen, ephemeren, unter unsern Händen zu nichts werdenden Daseyn selbst. Daher eben verlangt die Erklärung der Welt aus einem Anaxagorischen νους, d. h. aus einem von Erkenntniß geleiteten Willen, zu ihrer Beschönigung, nothwendig den Optimismus, der alsdann, dem laut schreienden Zeugniß einer ganzen Welt voll Elend zum Trotz, aufgestellt und verfochten wird. Da wird denn das Leben für ein Geschenk ausgegeben, während am Tage liegt, daß Jeder, wenn er zum voraus das Geschenk hätte besehen und prüfen dürfen, sich dafür bedankt haben würde; wie denn auch Lessing den Verstand seines Sohnes bewunderte, der, weil er durchaus nicht in die Welt hineingewollt hätte, mit der Geburtszange gewaltsam hineingezogen werden mußte, kaum aber darin, sich eilig wieder davonmachte. Dagegen wird dann wohl gesagt, das Leben solle, von einem Ende zum andern, auch nur eine Lektion seyn, worauf aber Jeder antworten könnte: »so wollte ich eben deshalb, daß man mich in der Ruhe des allgenugsamen Nichts gelassen hätte, als wo ich weder Lektionen, noch sonst etwas nöthig hatte.« Würde nun aber gar noch hinzugefügt, er solle einst von jeder Stunde seines Lebens Rechenschaft ablegen; so wäre er vielmehr berechtigt, selbst erst Rechenschaft zu fordern darüber, daß man ihn, aus jener Ruhe weg, in eine so mißliche, dunkele, geängstete und peinliche Lage versetzt hat.– Dahin also führen falsche Grundansichten. Schopenhauer
Ich weiß, das klingt jetzt sehr problematisch und ich bin mir meiner
aussichtslosen Position auch bewußt, weil ich meine Behauptung nicht
beweisen kann.
Selbst dann wäre der Plan in keinster Weise zu entschuldigen.
Ich denke auch nur laut, weil ich Deine Frage für mehr als berechtigt
ansehe, denn die habe ich mir auch schon viele hundert Mal gestellt.
Die stellt sich jeder, der auch nur ein bisschen logisch denken kann oder über ein Mindestmass an Mitgefühl verfügt. Aber leider führte die systematische Abrichtung der Opfer im unschuldigen Kindesalter durch die Institutionen dazu, dass man auf fadenscheinige Ausreden hereinfällt und solche auch noch selber sucht.
Leibniz' Theodizee ist der Gipfel der Unverschämtheit/Unredlichkeit.
Doch wenn ich sie mit der obigen Mutmaßung verknüpfe und versuche mir
diesen Kreislauf vorzustellen, dann wird unter ökologischem und
ökonomischen Aspekt „diese Sache“ sogar ziemlich rund, denn das
Allesfressen sorgt für Ordnung in einem lebendigen Organismus.
Ob Du das als faule Ausrede ansiehst, um „meinen Gott“ zu retten oder
dies zumindest als denkbare Alternative betrachtest, bleibt Dir
überlassen.
Ja, das ist die faule Ausrede à la Leibniz.
Der Philosoph Bertrand Russell (* 18. Mai 1872; †2. Februar 1970) bekundete „höchstes Erstaunen“ darüber, „dass Menschen glauben können, diese Welt mit allem, was sich darin befindet, und mit all ihren Fehlern sei das Beste, was Allmacht und Allwissenheit in Millionen von Jahren erschaffen konnten“. Er fragte: „Meinen Sie, wenn Ihnen Allmacht und Allwissenheit und dazu Jahrmillionen gegeben wären, um Ihre Welt zu vervollkommnen, dass Sie dann nichts Besseres als den Ku-Klux-Klan oder die Faschisten hervorbringen könnten?“[9]
Eine weithin bekannte Antwort auf Leibniz’ Lösungsvorschlag ist Voltaires satirische Novelle Candide oder der Optimismus.
Verrückte Welt, die Welt der Gläubigen ..Wenn Du es mal etwas unverkrampfter angehst, wirst Du zugeben, daß sie
erheblich komfortabler daherkommt.
Nach dem Prinzip 'Aberglaube macht selig'. Ich bin weniger verkrampft als vielmehr angeekelt von diesen kranken Umwertungen aller Werte. Dieser Schwachsinn, den die Institutionen einem bereits als Kind einzutrichtern versuchen, hat mich seit eh und je abgestossen, da mein Immunsystem schon in jungen Jahren gewappnet war gegen diesen pandemischen Virus.
Das atheistische Ende von allem Lebendigen – der Tod - ist bei uns nur
der Abschied von einer längeren Bildungsreise. Ich frage Dich jetzt nicht
wessen Perspektive die Interessantere ist, denn die Frage erübrigt sich.
Allerdings. Zu ewigem Dasein verdammt zu sein wäre die Höchststrafe. Im gesamten Palikanon der Buddhisten steht nirgends auch nur ein Wort davon, die sogenannte Schöpfung wäre das intelligente, verdankenswerte und anbetungswürdige Werk einer allweisen/allgütigen Kraft und ein ewiges Verbleiben in diesem Konstrukt sei anzustreben undzu erwarten. ImGegenteil!
Beste Grüsse
Zara
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