Durkheim - Die elementaren Formen des religiösen Lebens - soziale Systeme als ihre eigene Existenz erhaltende Gebilde
Jeder Mensch mit Verstand würde sich schämen, wissentlich eine Welt zu
planen und zu konstruieren, in der jedes Wesen andere frisst, reisst,
erwürgt, erschlägt, ersäuft, vergiftet, aussaugt etc.
Ob es ein Problem des vorhandenen Verstand allein ist?
Dumm sind immer nur die anderen: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/georg-diez-ueber-populismus-vernunftfeinde-a-...
Es bedarf schon einer Menge Verstand dazu, um das alles so zu schaffen, was man sich in immer mehr Filmen und Videospielen anschauen kann: Die Vorlieben für Dystopie werden ausgiebig durchdekliniert.
Und in der Geschichte des menschlichen Geschichte, dieses ganze Foltern, Rauben und Morden: Ist das nur Folges des Mangels an Verstand?
Im Gegenteil: Wieviel Verstand darauf verwendet wurde...
Aber einem imaginierten Schöpfer attestieren sie Göttlichkeit
für so ein perfides Konstrukt, das angeblich so geplant sei.
Dazu gibt es eine berühmte Forschungs-Arbeit von Emile Durkheim: Die elementaren Formen des religiösen Leben
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_elementaren_Formen_des_religi%C3%B6sen_Lebens#Inhalt
Die Menschen geben also Phänomenen Zuweisungen und handeln in Riten.
Sehr schön auch dieser Aspekt: "Der Totemismus erfüllt somit die zwei wichtigen, von Durkheim geforderten Funktionen von Religion: die Verkörperung der Gesellschaft (die Totems sind ein Symbol des Clans, sie sind der Gott des Clans und das Totemprinzip kann somit nichts anderes sein als der Clan selbst, S. 284) und die Entstehung von Erkenntniskategorien („Weil die Menschen in Gruppen eingeteilt waren, konnten sie die Dinge gruppieren“, S. 202)."
Dazu passend, wie auch zu der Dikussion, welche Kraft aus dem Glauben resultiert:
"Strukturfunktionalismus
Der Strukturfunktionalismus, eine theoretische Richtung der Soziologie, betrachtet soziale Systeme als ihre eigene Existenz erhaltende Gebilde. Es wird untersucht, welche Bestandsvoraussetzungen gegeben sein müssen, um den Bestand strukturell zu sichern und welche Funktion diese Struktur hat. Zum Teil wird der Strukturfunktionalismus zu den Handlungstheorien gezählt.
Der englische Sozialanthropologe Alfred Radcliffe-Brown sah Institutionen als Schlüssel zum Erhalt der globalen sozialen Ordnung der Gesellschaft, analog zu den Organen des Körpers, und seine Studien der sozialen Funktion untersuchen, wie Bräuche dazu beitragen, die allgemeine Stabilität der Gesellschaft zu erhalten. Dabei ignorierte er die Effekte historischer Veränderungen völlig. Zusammen mit den Ergebnissen von BronisÅ‚aw Malinowski nahmen seine Beiträge den stärksten Einfluss auf den Strukturfunktionalismus."
https://de.wikipedia.org/wiki/Strukturfunktionalismus
Zur Zuordnung: "Einflüsse
Der Strukturfunktionalismus berief sich stark auf
Auguste Comte
Émile Durkheim
Max Weber
Er war von bedeutendem Einfluss auf das Werk von
Rainer C. Baum
Lewis A. Coser
Niklas Luhmann
Robert K. Merton
Kritik
Der Strukturfunktionalismus stößt bei der Frage, wie sich denn eigentlich die Grenze der Identität eines Systems bestimmen lässt, an seine Grenzen. Die Frage, wo ein System anfängt und wo es endet, ist bei einem biologischen System einfach zu beantworten: Das System endet mit seinem Tod. Bei sozialen Systemen dagegen stößt man auf Probleme der Selbstreferenz:..."
Es geht dort u. a. auch darum Faktoren zu erkennen, die zeigen, ob gesellschaftliche Übergänge vorhersagbar wären, oder eben nicht.
Sehr interessant ist für Staatskritiker:
"Das AGIL-Schema ist ein systemtheoretisches Modell, das in den 1950er Jahren von dem amerikanischen Soziologen Talcott Parsons entwickelt wurde. Es beschreibt systematisch die Grundfunktionen, die ein jedes System zur Selbsterhaltung erfüllen muss. Zunächst als Grundlage einer Handlungstheorie entworfen, übertrug Parsons das AGIL-Schema in späteren Arbeiten auch auf soziale Systeme."
https://de.wikipedia.org/wiki/AGIL-Schema
siehe die dortigen Schemata: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:AGIL1_de.png
Inklusive kollektiver Ebene: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:AGIL2_de.png
Dabei geht es auch u. a. um die Rolle von Geld, und weitere Instrumentarien.
Religionen bieten Vieles von den dort genannten, da es auch auf Motivationen wirkt und Zielstellungen offeriert:
"Das Verhaltenssystem (Adaptation), es basiert auf Bedürfnissen.
Das Persönliche System (Goal attainment), es basiert auf Motiven. (Organisiertes System von Handlungsorientierungen eines Individuums)
Das Soziale System (Integration), es basiert auf Sozialen Rollen. (System miteinander verbundener Handlungen verschiedener Akteure)
Das Kulturelle System (Latency), es basiert auf Wertvorstellungen. (Organisation der Werte, Normen, Symbole, die die Handlungen der Akteure beeinflussen)
Jedes „Handeln“, gleich ob von Individuen oder kollektiven Akteuren unterschiedlichster Art (Gruppen oder Organisationen) ergibt sich demnach stets aus diesen vier Komponenten."
Verrückte Welt, die Welt der Gläubigen ....
Woran man auch immer auch glaubt, es sind zweischneidige Angelegenheiten: Z. B. neben Scheiterhaufen und Unterdrückung von Menschen, Kunst und Wissenschaft, gibt es auch friedensbewirkende und -erhaltende Maßnahmen der z. B. Kirchen; Hospitäler, Wissenstransfer (Bibliotheken, Schulen) und Kunstförderung.
Das stete Zusammenspiel und auch Gegenspiel von religiöser und weltlicher Macht (gerade an der Geschichte Europas "nach Rom"), ist sicher eine Komponente, die in besonderer Weise in die Gesellschaft akivierte. Sicher, wie Vieles, mit viel Leid und Fehlern verbunden, aber eben nicht nur.
Eine verbreitete Religion schafft Kontext für Verständigung über die Grenzen von Nationen hinaus.
Und motiviert manchen zu guten Taten und Milde, was das Schlechteste nicht ist und transportiert durchaus auch Werte wie Mitmenschlichkeit oder Respekt gegenüber der Erde, der Natur an sich und allen Geschöpfen (der Papst hat unlängst vieles über den Umgang des Menschen mit der Natur ins Bewusstsein gerückt, was nicht nur Zara und Elli gefallen dürfte - und zwar massenhaft ins Bewusstsein rückend: http://w2.vatican.va/content/francesco/de/encyclicals/documents/papa-francesco_20150524... - der Anfang ist bereits sehr interessant, es lohnt aber die Geduld länger hineinzuschauen - etliches kann man sicher auch anders sehen)
Siehe auch die Konstellation mit bzw. Rolle der Kirchenvogte - siehe dort und dort übrigens auch:
https://de.wikipedia.org/wiki/Vogt
Der Vogt regierte und richtete als Vertreter eines Feudalherrschers in einem bestimmten Gebiet im Namen des Landesherrn. Er hatte den Vorsitz im Landgericht und musste die Landesverteidigung organisieren. Im Krieg führte er das Lehensaufgebot des Landes.
Das durch einen Vogt vertretene Rechtsprinzip leitet sich sowohl vom spätrömischen Beamten, dem vorgenannten advocatus, als auch von der germanischen Munt ab und ist ein Schutzverhältnis, das auch Gewalt- und Vertretungsrecht einschließt."*
Solche Schutzmechanismen (wie bei bei Paten), die auch quasi wie Bürgschaften weitere Geschäfte ermöglichen, gibt es auch in der arabischen Welt:
"MawÄlÄ«
MawÄlÄ« (arabisch â€Ù…والي‎, von Singular â€Ù…ولى‎ / maulÄ), ist ein zentraler Begriff der arabischen Stammesgesellschaft der vorislamischen und frühislamischen Zeit. Er bezeichnet solche Personen, die in einem Schutzverhältnis (walÄʾ) zu einem der arabischen Stämme oder Clane standen. Der Begriff wird üblicherweise mit „Klienten“ übersetzt.
Durch das Schutzverhältnis, in das der Klient mit einem Patron, der ebenfalls maulÄ genannt wurde, eintrat, wurde eine Beziehung mit dessen Verwandtschaft begründet, die insbesondere strafrechtlich relevant war. So waren der Patron und dessen Agnaten in dem Falle, dass der Klient eine Blutschuld auf sich lud, verpflichtet, das Blutgeld zu entrichten. Umgekehrt hatten sie, wenn der Klient getötet wurde, Anspruch auf Blutgeld gegenüber der Verantwortungsgemeinschaft (Ê¿Äqila) des Täters.[1] Der Klient war zwar in der Regel nicht zur Blutgeldzahlung verpflichtet, doch war er dafür gegenüber seinem Patron im Erbrecht benachteiligt. Während nämlich im Falle seines Todes der Patron sein Vermögen erbte, war er im Falle des Todes seines Patrons nicht erbberechtigt.[2] Auch auf der Ebene der Namen schlug sich das walÄʾ-Verhältnis nieder, denn üblicherweise übernahmen die MawÄlÄ« die Nisba des Stammes bzw. Clans, dem sie durch dieses Verhältnis verbunden waren.[3]..."
https://de.wikipedia.org/wiki/Maw%C4%81l%C4%AB
Das schlägt sich noch heute in arabischen Namen nieder, deren Bestandteil immer auch Stammeszugehörigkeit und "Zuständigen" ausdrücken: https://de.wikipedia.org/wiki/Arabischer_Name
Diese in dem arabischen Namen ausgewiesenen Stammeszusammenhänge, gibt es in Arabischen Welt noch heute: z. B. https://de.wikipedia.org/wiki/Quraisch . Stämmme, die t. w. mehrer Hundertausende groß sind, woraus Effekte rühren, die über Staatsgrenzen hinweg gehen, wie eben auch die Religion.
Erinnert wohl nicht zufälligerweise an: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Biological_classification_de.svg
bzw. https://de.wikipedia.org/wiki/Taxonomie#Grundlagen
Mit der Entwicklung der Religionen und andere System beschäftigt sich in ähnlich anschaulicher und gründlicher Weise, wie Max Weber und Emil Durkheit auch: Ken Wilber - Eine kurze Geschichte des Kosmos (Titel hört sich hochgestochen an, ist es aber nicht - Ken Wilber, ein anerkannt junges Genie wie https://de.wikipedia.org/wiki/Justus_von_Liebig , der schon mit 21 zum Professor berufen wurde, hat wirklich gründlich religiöse und/oder weltanschauliche Systeme systematisiert.
Diese Buch kann man nur herzlich jedem empfehlen, wer sich mit Religion, Glaube usw. und deren Kritik beschäftigt.
Viele freundliche Grüße und allen schon mal schöne Weihnachten
azur
*) dazu passend der Nachtrag: Das als Eigentum gehörende - dominium directum: http://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?index=lemmata&term=obereigentum&...
http://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?term=obereigent%FCmer&index=lemmata
Dort ist das Gegenteil des Obereigentümers nicht einmal Untereigentümer (das gibt es nicht einmal im dem Lehensrecht näher stehenden historischen Rechtwörterbuch), sondern das ledigliche Nutzen, wie auch der lateinische Fachbegriff ausdrückt: dominium utile
Nurzungseigentümer
http://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?index=lemmata&term=nutzungseigen...
Nutzungseigentum
http://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw-cgi/zeige?index=lemmata&term=nutzungeigent...
Also Besitz.
Das zu Nutzende gehört insoweit dem Nutzendem, wie vereinbart, aber nicht als Eigentum, wie es heute Eigentümern gewährleistet wird - mal abgesehen davon, dass es auch damals neben staatlichen oder Lehensbesitz Privateigentum gab: Allod, Kroneigentum (z. B. erwähnt hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Tragik_der_Allmende ) oder https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsgut vs. https://de.wikipedia.org/wiki/Hausgut
Bonus: https://de.wikipedia.org/wiki/Las_Siete_Partidas
Die spanische Siete Partidas gilt als wichtigster Beitrag zur Rechtsgeschichte. Die Partidas hatten eine große Bedeutung in Lateinamerika, wo es über Jahrhunderte bis etwa 1800 Gültigkeit hatte. Obwohl der Code sich auf die rechtlichen Fragen konzentriert, wurde er auch als „humanistische Enzyklopädie“ beschrieben, da er auch philosophische, moralische und theologische Themen einschließlich der griechisch-römischen, jüdisch-christlichen und islamischen Sichtweisen behandelt.
--
ENJOY WEALTH
(Groß-Leucht-Reklame am Gebäude Lehmann-Brothers/NY)
Meide das Destruktive - suche das Konstruktive.