Aggression gegen Artgenossen vs. Organisierte Gewalt...
Zarathustra behauptet ja, dass es damals noch keine gewaltsamen
menschlichen Konflikte gab, weil in den Höhlenmalereien keine dargestellt
werden"
Hallo in die gelbe Runde...
Sind wir uns einig, dass es Eigentum an Grund und Boden erst mit der Neolithischen Revolution gab?
Aufgrund dieser Tatsache ist der zivilisierte Mensch an die Scholle gebunden worden.
Davor war er unabhängig und nicht notwendigerweise an eine konkrete Scholle gebunden.
Er hat wohl größtenteils als Nomade gelebt, aber es gibt auch Funde, wonach er vor ca. 23.000 Jahren bereits phasenweise sesshaft war (Ohalo II).
Nomadisierende und auch siedelnde Gruppen ließen sich anfangs nicht unterdrücken oder versklaven, da sie einfach dem Aggressionsdruck ausweichen konnten.
Z. B. wichen die Buschmänner in Afrika dem Druck aus, indem sie sich immer mehr in die unwirtlichen Gegenden der Kalahari-Wüste zurückzogen.
Mit der technologischen Entwicklung, dem Bevölkerungszuwachs und dem Bodenbedarf der dominierenden Völker sind jedoch auch der Rückzugsbewegung der wilden Stämme in die Wüste Grenzen gesetzt, was mittlerweile zur Ausrottung oder Reservatsbildung geführt hat.
Mit der Verbindung von Scholle und Mensch begann die Erpressbarkeit der Menschen, was zunächst durch die Priester des eigenen Stammes/Volkes vorgenommen wurde.
Später konnten stärkere (besser wohl: kriegerisch organisierte) Stämme das vorhandene Meme-Klima zur Unterwerfung nutzen.
In diesem Klima lässt sich der Mensch einfach versklaven und ausbeuten, vorausgesetzt er hat zudem die dafür 'richtigen Meme' internalisiert.
Zu solchen Memen gehörten beispielsweise:
- Ich kann nur auf meinem Feld eine ausreichende Nahrungsgrundlage erarbeiten.
- Mein individuelles Leben ist wichtig oder bedeutungsvoll.
- Es gibt ein laaaanges Leben nach dem Tod (Wiedergeburt, Leben im Jenseits...).
- Die Qualität des künftigen Lebens ist abhängig von meinem Verhalten jetzt.
- Es ist für mich wichtig möglichst lange zu leben, z. B. um durch lange und gute Führung diesseits sicherzustellen, dass ich nach dem Tod bessere Lebensbedingungen im Jenseits habe und vor allem sicher 'in den Himmel komme').
Für die Implementierung der Meme sorgte die sich entwickelnde Priesterklasse.
Gerhard Bott hat sehr gut beschrieben, wie die Entwicklung der mythologisch-religiösen Vorstellungen dem Zeitgeist vorweg lief. Diese entwickelten sich also nicht 'von selbst', sondern wurden politisch, d. h . bewusst gestaltend eingeführt bis sie dann jeweils vom Volk internalisiert wurden, worauf sofort die nächste Entwicklungs- und Domestifizierungsstufe umgesetzt wurde.
Eine Versklavung von noch-nicht-zivilisierten Menschen ist praktisch unmöglich (Aborigines, Buschmänner...), bestenfalls kann man sie alkoholisiert ruhigstellen.
Zur erfolgreichen Versklavung oder Ausbeutung müssen also zwei zivilisatorische Entwicklungslinien parallel laufen:
1. Wie oben beschrieben die Verhaftung der Menschen an Scholle und entsprechende Meme.
2. Das umgekehrte Bedürfnis der Priester nach Machtausübung, politischem Gestaltungswille und materiellen Vorteilen.
Wie sich dieser zweite Aspekt entwickelt hat, lohnt es sich nochmals tiefer zu vergewissern bzw. darzustellen und kommt evtl. bei Bott zu kurz.
Aggression ist als Verhalten beim homo immer vorhanden gewesen und hat sich auch - eher im Affekt - gegen die Artgenossen gerichtet.
Von mir aus mit der Faust.
Ich sehe gigantische Unterschiede zwischen affektgesteuerter Aggression, sportlicher Aggression und struktureller Gewaltausübung.
Von mir aus ist die strukturelle Gewaltausübung eine logische evolutionäre Weiterentwicklung aufgrund dem Vorhandensein von Aggression.
Die Aggression gegen Menschen des benachbarten Clans des gemeinsamen Stamms hatte meiner Meinung nach eher sowas wie sportlich-vergleichenden Charakter.
Es ging mehrheitlich um die Clan-Identifikation bzw. Clanbildung.
Eine Abgrenzung konnte nicht durch geografische Grenzen vollzogen werden - es gab sie noch nicht.
Es musste eine kulturelle Abgrenzung vorgenommen werden und diese durch eine Art sportlicher Vergleich in der Art 'Ihr seid nicht so gut wie wir...' bzw. 'lasst uns vergleichen wer besser ist' durchgeführt werden. Dass diese in aggressive Vergleiche oder auch langanhaltende bzw. jahrelange Konflikte abgleitet, ist für mich verständlich, weil ja beide Seiten die besseren sein wollen.
Das Ganze hat aber nichts mit Dominanz, Unterwerfung oder Versklavung (also Organisierte Gewalt) zu tun.
Und beide rivalisierenden Gruppen haben selbstverständlich und bewusst im anderen Genpool gebadet.
Ganz schön ist dieses Denken und Fühlen am Beispiel der Auseinandersetzungen und Sammelbewegungen der Dakota im 18. und 19 Jhd. in Ruth Beebe Hills überragenden Indianer-Roman 'Hanta Yo' dargestellt worden.
Besten Dank und freundlichen Gruß
Hinterbänkler
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...und es gibt überhaupt gute Gründe dafür, zu mutmassen, daß in einigen Stücken die Götter insgesamt bei uns Menschen in die Schule gehen könnten. Wir Menschen sind - menschlicher ...
Friedrich Nietzsche 'Jenseits von Gut und Böse'