3.2.1 Grundlagen des Muskelwachstums

CrisisMaven ⌂, Sonntag, 17.05.2015, 23:36 (vor 3897 Tagen) @ CrisisMaven19048 Views
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 19.05.2015, 19:11

Ich erinnere mich noch, als ich mit Leistungssport im Kindesalter anfing, dass sich Trainer, Physiologen, Trainingswissenschaftler und Biologen die Koepfe heissredeten, ob denn nun das Muskel-Dickenwachstum durch Krafttraining daher komme, dass sich die einzelnen Muskelfasern nun verdicken, aber zahlenmaessig gleichblieben, oder ob die Muskelfasern im Wesentlichen gleich dick blieben, ihre Anzahl aber zunaehme. Da wir Kraftsportler uns nicht bei lebendigem Leibe aufschlitzen lassen wollten, um der Wissenschaft einen Dienst zu erweisen (obwohl man uns begehrliche Blicke zuwarf), musste die Beantwortung der Frage immer wieder verschoben werden.

Mittlerweile ist sie geklaert: es gibt auf den einzelnen Muskeln eine Art "Bereitschaftszellen", die bei genuegend hartem Training "aufgeweckt" werden und dann an die Stellen im Muskel wandern, an denen sie gebraucht werden.

Aus Wikipedia "Muskeln - Entwicklung und Wachstum":

"Mit der Reifung zur Muskelfaser wandern die Zellkerne randwaerts und um die Muskelfaser wird die Basalmembran als eigene Umhuellung gebildet, in die auch einige ruhende Myoblasten mit eingeschlossen sind, Satellitenzellen genannt."

"Weil die Zellkerne innerhalb einer reifen Muskelfaser nicht mehr teilungsfaehig sind, werden diese einkernigen Satellitenzellen fuer das spaetere Wachstum von Muskelfasern wichtig, da ueber sie zusaetzliche Zellkerne integriert werden koennen bei staerkerer Laengen- oder Querschnittszunahme. Hierfuer koennen durch Signale verschiedener Wachstumsfaktoren Satellitenzellen zur Zellteilung gebracht werden; eine Tochterzelle verschmilzt dann mit der Muskelfaser, waehrend die andere sich spaeter eventuell nochmal teilt. Zusaetzliche Kerne werden nicht nur gebraucht, wenn sich die Muskelfaser vergroessert, sei es bei normalem Wachstum oder bei einer trainingsbedingten Hypertrophie, sondern auch fuer moegliche Heilungsprozesse innerhalb der Basalmembranhuelle."

Tjaaa … und dann steht da noch: "Wird ein Muskel nicht mehr eingesetzt, kommt es zur Inaktivitaetsatrophie, bei der die Dicke seiner Fasern abnimmt und die Zahl an Satellitenzellen sinkt." (Hervorhebungen CM)

Vgl. auch den Artikel "Muskelhypertrophie".

Es ist allerdings etwas komplizierter (vgl. TU Muenchen, "Uebersicht - Muskelphysiologie":

"Postnatales Muskelwachstum:
• Die Anzahl der Muskelfaserzellen liegt mit der Geburt fest;
• danach findet primaer eine Zunahme der Muskelfaserdurchmesser und -laengen (= Hypertrophie) nicht aber der - Anzahl statt.
• Neue Myonuclei koennen mit den bestehenden Muskelfasern verschmelzen (Kern/Plasma-Relation!); diese stammen aus noch verbliebenen myogenen Zellen (= Satellitenzellen) …"

Die Sache wird aber noch viel besser:

3.2.2 Nicht nur Muskeln wachsen, auch das Gehirn waechst (notgedrungen) mit!

Zu je einer bestimmten Anzahl Muskelfasern gehoert ein sog. Motorneuron, das sie steuert. Nimmt die Zahl der Muskelfasern (deutlich) zu, steigt auch die Anzahl der dafuer bereit zu stellenden Neuronen/Nervenzellen, vgl. "Motorische Einheit", oder diese Vorlesung zu Muskelfasern.

Vgl. auch "Neurowissenschaft: Vom Molekuel zur Kognition", p. 168 f.

Oder "Lehrbuch der Medizinischen Physiologie", p. 57 f.

Vgl. auch "22.6 Grundlagen der Gehirnentwicklung" auf embryology.ch.

Oder "Feldenkrais - Hirntraining - Gehirnentwicklung":

"Bei einem kombinierten Muskel-Hirn-Training verbessert sich z.B. die Gangsicherheit zusaetzlich, weil Gehen nicht so einfach ist und neben Kraft auch Wahrnehmung und Koordination erfordert."

Wir koennen hier nicht die ganze, gerade mal wieder im Fluss befindliche, Hirn- und Muskelphysiologie und –neurologie beleuchten. Wichtig ist, dass Leistungs-Training nicht nur zu verstaerkter Muskelbildung fuehrt, sondern auch die Hirnleistung positiv beeinflusst und den Alternsprozess des Gehirns (das Artefakt eines Alternsprozesses, bitteschoen! Heesters war ja bis zuletzt auch nicht gaga!) anhaelt, ja, komplett stoppt. Da Training zu verbesserter Durchblutung, ebenfalls auch des Hirns, besserer Sauerstoffversorgung usw. fuehrt, duerfte in der Folge auch einleuchten, dass die "altersangepassten" Bewegungseinschraenkungen, die die meisten Menschen fuer "normal" halten, eben (lediglich) die Ursache vieler, auch neurologischer, Einschraenkungen und Ausfaelle sind. Zwangslaeufig ist da nichts. Wenn Heesters jetzt auch noch trainiert haette, tanzte er heute noch Step-Dance …

Natuerlich, was man da an Krankenversicherung spart, geht hinten an Rentenversicherung wieder drauf. Aber: ein Kranker kann schlechter auf eine Kranken- als ein Gesunder auf eine Rentenversicherung verzichten! Rente bis siebzig reicht, den Rest regelt das vorliegende Traininsprogramm …

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Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
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