3.2 Warum funktioniert Muskeltraining ueberhaupt? (Die "Ueberkompensation")

CrisisMaven ⌂, Sonntag, 17.05.2015, 23:04 (vor 3897 Tagen) @ CrisisMaven19283 Views

Jede(r) weiss aus lebenslanger Erfahrung, dass normale Durchschnittsanstrengungen, ueber den Tag verteilt, keine Veraenderungen an der Muskulatur ausloesen. "Alles bleibt, wie es ist". Bzw., leider, der Koerper versucht sich dann mit zunehmendem Alter noch ein bisschen davonzustehlen … Damit das nicht so prosaisch daherkommt, nennt man dieses Artefakt Sarkopenie (Wikipedia):

"Der altersbedingte Muskelschwund kann schon im Alter von 50 Jahren beginnen, aber ab dem 70. Lebensjahr beschleunigt sich der Prozess. Ab einem Alter von etwa 50 Jahren nimmt die Muskelmasse jaehrlich um etwa 1-2 Prozent ab. Der Verlust an Muskelkraft betraegt zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr etwa 1,5 % pro Jahr, danach sogar etwa 3 % pro Jahr. Als Ursachen fuer den zunehmenden Muskelabbau werden die altersbedingte Verringerung der anabolen (muskelaufbauenden) und ein Ueberwiegen kataboler (muskelabbauender) Prozesse sowie Fehlfunktionen zellulaerer Prozesse in den Muskelfasern angenommen."

"Ueberwiegen muskelabbauender Prozesse" …

Wer es also noch nicht wusste: die Armut kommt eben doch von der Powerteh.

Die obige Aussage ist absolut richtig. So richtig wie "wer nicht geuegend isst, verhungert irgendwann".

Das Gegenstueck zum richtig Essen gegen Verhungern ist richtig Trainieren gegen "Sarkopenie"! Wer kommt aber auch auf so was?

Warum funktioniert nun dieses? Weil Muskeln, die ordentlich ueber ihre Normalbelastung hinaus gefordert werden, ueberkompensieren.

Wie sagt ein Buchtitel: "Die Banalitaet der Kraft: schonen wir uns zu Tode?":

"Nehmen wir an, Sie sind faehig, 100 Pfund mittels irgendeines Muskels mehrfach zu heben. Nach der Uebung sind Sie noch in der Lage, maximal 80 Pfund zu bewaeltigen. … Aber: nach einer gewissen Regenerationszeit werden Sie in der Lage sein, 104 Pfund mehrfach zu heben, …"

(Marco Caimi: "Schonen wir uns zu Tode?", p.84)

Dies ist eines der fundamentalsten Trainingsprinzipien, die sog. Ueberkompensation.

Man muss also mit zunehmendem Alter einfach weiter trainieren (und zwar "hart", d.h. eben, von der Willensanstrengung her, als Leistungs- nicht als Freizeitsportler!) Der Menschenaffe im Urwald muss, um in seinem Habitat fortzukommen, ja auch in vorgeruecktem Alter immer noch den einarmigen Klimmzug beherrschen.

Der Gorilla-Silberruecken haelt immer noch 'locker' mit den Jungtieren in seiner Herde mit! Er kommt einfach gar nicht auf die Idee, es anders zu machen, z.B. sich stattdessen einen Rollator anzuschaffen. Wuerde er darueberhinaus noch trainieren, d.h. ab und zu ein paar Klimmzuege mehr machen als noetig, dann wuerde er ebenfalls wesentlich langsamer altern als in freier Wildbahn ueblich. Lebte er im Zoo und haette eine Krankenversicherung, wuerde er ebenfalls alt, aber …

Setze den Affen in einen bequemen Fernsehsessel und spaetestens seine Kinder werden Gerontologen!

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Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
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