Ich stolperte gestern bei Pascal in seinen Pensées über einen Aphorismus
Guten Tag,
der Aphorismus ließt sich wie folgt:
"Wenn ihr euch keine Sorgen darum macht, die Wahrheit zu erkennen, dann ist genug Wahrheit vorhanden, damit ihr in Frieden leben könnt. Wenn euch aber aus ganzem Herzen danach verlangt, sie zu erkennen, dann wird es nie genug davon geben.“
Ich gehör natürlich zu Typ 1. Für mich ist genug Wahrheit vorhanden, als dass ich getrost glauben kann, dass es sich um einen stinknormalen Unfall unter besonderen Umständen handelt, so wie jeder Unfall seine besonderen Umstände hat, die sich mir nie gänzlich offenbaren. Mir ist auch genug Wahrheit vorhanden, um an den Debitismus zu glauben, ohne seine letzten Abgründe jemals erkennen oder gar überprüfen zu können, bzw. es überhaupt zu wollen. Ich gönne mir den Luxus, schlicht auf diejenigen zu vertrauen, die hier über den Debitismus Zeugnis abgelegt haben.
Da Glauben im Zeitalter der Kritik total out ist, erlaube ich mir dazu noch eine generelle Anmerkung, die mir bei einem andern Autor über den Weg gelaufen ist: Das „kritisch sein“ richtet sich auf die Sorge, dass ja kein Element der Realität zugedeckt, übersehen, vergessen oder unterschlagen wird, was sehr wohl auch geschehen könnte, durch die Selbstbeschränkung des Geistes auf das, was man exakt nachprüfen und belegen kann.
Mit freundlichen Grüßen
Schneider