Spekulationen und Experimente
Lieber Ashitaka,
ist Dein Beobachter das, was Andere „Bewusstsein“ nennen? Diese Entitaet, welche so schwer zu beschreiben und lokalisieren ist, gleichzeitig intern und extern praesent, Zeuge von allem, was je passierte, in besonderen Momenten auch noch ausserhalb des Koerpers aktiv, manchmal auf Rosinengroesse geschrumpft und manchmal das Universum beinhaltend?
„Gäbe es den Beobachter nicht, gäbe es keine Perspektivität um jemals eine Welt entstehen zu lassen. Es ist dieser Beobachter, der vergessen wurde. Maßgeblich dadurch, dass die eingeimpfte Vorstellung des Universums Dich (Beobachter) als Mittelpunkt deiner vorgestellten Welt ablehnt.“
Das Bewusstsein als Quelle von allem? Durch das Vergessen seiner wahren Groesse oft faelschlich als Mikrokosmos wahrgenommen. Das Bewusstsein als Kraft hinter meiner Kreation des Universums als das, als was ich es wahrnehme?
„...es diese Erscheinungen nur deshalb gibt, weil man sie gerade beobachtet (die Perspektive schafft).“
Perspektive schaffen im Sinne von auf dem subjektiven Radar haben? Meinst Du, der Apfel existiert nicht mehr, wenn keiner hinschaut? Oder ist es dann der Baum, der die Perspektive schafft?
„Das Ego ist wichtig. Es formt deine Weltvorstellung, ist die Hauptverbindungsstraße deiner Vorstellungswelt. Hinsichtlich der Identifizierung stimme ich insoweit zu, dass man anfangen muss, sich mit dem Beobachter zu identifizieren. Der Beobachter schafft und beobachtet erst das Ego und die vorgestellte Welt. Ohne beobachtete Vorstellung ist da nichts.“
Also sich mit dem Erschaffenden identifizieren und nicht mit dem Erschafftem. Ich sehe das Ego hier als eine meiner operativen Kraefte. Ohne wuerde ich es vermutlich nichtmal auf die Toilette schaffen.
„Diese Ideale kommen aus dir selbst. Es sind nicht "diese Ideale", sondern "deine vorgestellten Ideale". Wenn dir bewusst wird, dass du selbst jeden Gedanken, jede Erscheinung deiner Welt aus deinem Vorstellungsvermögen schaffst, dann spürst du Liebe.“
Wie werden meine vorgestellten Ideale zu dem, was sie sind? Woher kommt die Inspiration oder der Zwang zur Vorstellung? Auch aus mir? Auf welcher Ebene sprechen wir gerade? Ich als Tropfen des Ozeans von Bewusstsein oder ich als der Ozean?
Zum Mindfuck und anderen Lernprozessen - ein Experiment: Es gibt ein definiertes Labyrinthdesign. Ein Eingang, ein Ausgang, viele Sackgassen. Am Eingang eine Ratte, am Ausgang eine Belohnung. Gemessen wird die Zeit, welche die Ratte bis zum Leckerchen braucht, desweiteren wird die Anzahl von Irrwegen (=falsch abgebogen) protokolliert. Das Experiment wird mit vielen Ratten durchgefuehrt.
Ergebnis: ein Mittelwert fuer Loesungszeit und Anzahl der benutzten Irrwege.
Naechster Schritte. Auf einem anderen Kontinent wird mit gleichem Labyrinthdesign aber anderen Ratten (welche keine Nachkommen der Ratten aus dem ersten Versuch sind) der Versuch wiederholt. Ergbnis. Loesungszeit und Fehlversuche sinken.
Derartige Experimente sind in unzaehligen Varianten beschrieben, zuerst mit direkten Nachkommen, spaeter mit unabhaengigen Entwicklungslinien. Mit Menschen wurde natuerlich auch experimentiert, z.B. so:
„Sheldrake selbst führte folgendes Experiment durch: Theorie: Ein japanischer Vers, den Generationen japanischer Kinder kennen, sollte für englischsprachige Versuchspersonen besser zu behalten sein, als ein ähnlicher japanischer erfundener Vers, da für den ersten Vers bereits ein starkes morphisches Feld existiert, mit dem die Engländer beim Lernen in Resonaz treten können, während für den erfundenen Vers kein solches Feld existiert. Experiment: Sheldrake ließ sich von einem japanischen Lyriker drei Verse zukommen einen echten Vers, den Generationen japanischer Kinder kennen und zwei weitere von ganz ähnlichem Aufbau, die eigens für diesen Zweck verfaßt worden waren. Einer der Verse besaß einen Sinn, der andere nicht. In England und Amerika wurden Experimentalgruppen gebildet, die diese Reime (ohne zu wissen, welcher welcher war) durch eine festgelegte Zahl lauter Rezitationen auswendig lernten. 62% der Vpn konnten sich eine halbe Stunde später am besten an den echten Vers erinnern (bei annähernd gleichem Schwierigkeitsgrad aller Reime wären 33% zu erwarten gewesen). Auch bei stummen schriftlichen auswendiglernen konnten sich 52% den echten Reim am besten einprägen. Interessant: Bei den beiden neu verfaßten Versen ließ sich zwischen sinnvollem und sinnlosem Vers kein signifikanter Unterschied erkennen.“
Zurueck zum Dialog. „Anders gefragt: Kannst du dir die Richtungslosigkeit eines Universums vorstellen?“
Nein in Ermangelung eines Bezugssystems um eine Richtung zu bestimmen.
„Du meinst, frei von dem Zwang, Vorstellungen zu beobachten?!“
Ich meine Herzstillstand. Weiter unten nennst Du den Beobachter Geist. Das irritiert mich, da ich Geist mit Gedanken assoziiere. Wie Du ihn beschreibst, erinnert mich wieder an das, was ich Bewusstsein nenne.
Ich bin gerade ziemlich frustriert. Gibt es denn in unserer schoenen deutschen Sprache keine klar definierten und allgemein benannten Begrifflichkeiten, um so ein voellig normales Gespraech zu fuehren, ohne bei Worten zu enden, welche von Religionen und Esogruppen so umfangreich missbraucht wurden, dass sie bis zur Bedeutungslosigkeit sinnentleert sind, weil mittlerweile jeder eine andere Vorstellung davon hat?
„Ich weiß nicht, ob es Beobachter gibt, die Kräfte besitzen, um ihre Vorstellungen soweit zu beeinflussen. Gibt es eine Erstausstattung an Kognitionen? Denn schließlich ist jede Tätigkeit nur als Vorstellung vorhanden. Eine Tat, die nicht vorstellbar ist, existiert nicht.“
Hattest Du schonmal ein intesives Déjà -vu? Ich meine nicht diese diffuse „kenne ich irgendwie“ Gefuehl, sondern praezise. Ich erlebte mal folgendes: Ich gehe in eine Region, wo ich noch nie vorher war, eine uralte Steintreppe hoch und erinnere mich daran, beim naechsten Schritt aufpassen zu muessen, schaue runter und sehe, dass die naechste Stufe extrem rundgetreten ist. Ich halte verwundert inne, schaue mich um und weiss, dass am Ende der Treppe nach einer Linkskurve ein Natursteinhaus steht, 4 Fenster, ein markant grosser Eckstein. Ich gehe um die Kurve und sehe zu meinem Erstaunen eine Ruine mit ebendiesem Eckstein.
Die Hypothese des morpischen Feldes macht soetwas fuer mich begreiflich und erspart es mir, ueber die Seele als Informationstraeger nachzudenken. Ich betrachte sie als Schuessel, als Passwort. Gibt es eine Erstaustattung an Kognitionen? Keine Ahnung, ich stelle es mir so vor, dass es eine Datenbank gibt, wo alles je Vorgestellte, Erlebte, Getane, Gefuehlte drinsteht.
Darauf zuzugreifen braucht keine Kraefte, sondern nur ein bisschen Offenheit. Ist natuerlich alles nur eine Vorstellung von mir und wird sich ggf. als Mindfuck herausstellen. Aber bis jetzt funktioniert er.
Zu Deinem letzte Absatz kann ich nichts sagen, es liegt komplett ausserhalb meines Vorstellungsvermoegens.
Herzliche Gruesse,
Positiv.