ohne Titel
Hi Nonpopulo!
Es ist faszinierend, wie verschieden Positiv hier verstanden wird. Ich kann momentan leider nur Worte bieten, nicht meine persoenliche Praesenz, keine Gestik und Mimik, ich kann Dir nicht in die Augen schauen. Das ist ungewohnt fuer mich und ich werde das Beste daraus machen. Jedenfalls schon mal danke fuer weitere Inspiration, was in den Gluecksthread alles noch reingehoert.
„Das ist bereits ein Buddha. Töte ihn, wie auch @Dragonfly rät.
Ein geistiges Konzept zu verfolgen (Sinn erkennen, sein was man längst ist, Kern entwickeln etc.) ist eine Anhaftung, die Glück zwar suggeriert, letztlich aber verhindert, weil jede Vorstellung wie Glück zu sein hat oder zu erreichen ist, ihr natürliches Fliessen bremst.“
Es ist der momentane Stand meiner Selbsterforschung, tut mit leid, wenn es Parallelen zu bekannten und von Dir abgelehnten Konzepten gibt. Glueck ist fuer mich direkt erfuehl- und erlebbar. Mich machen andere Dinge gluecklich, als z.B. meine Partnerin gluecklich machen. Wir haben verschiedene Schicksale, Bestimmungen, sind zu etwas Verschiedenem determiniert. In Einklang mit unserem individuell festgelegtem Lebensweg, machen uns verschiedene Sachen gluecklich. Ich sehe gefuehltes Glueck und Lebensfreude als Indikator, inwieweit man auf der fuer sich persoenlich richtigen Spur unterwegs ist. Hypothetisches Beispiel: Manche Menschen haben eine starke Verbindung zur Natur. Ein Sonnenaufgang kann ihnen Freudentraenen in die Augen treiben. Andere koennen dem weniger abgewinnen und erleben Gluecksgefuehle, wenn es ihnen gelingt, einen Gedanken in kurzer Form in perfekte Worte zu kleiden oder wenn sie selbiges lesen – ein potentieller Autor?
„Glück kommt aus der Tiefe deines emotionalen Kerns und besteht aus reiner Lust und Freude. Wenn diese sich ausdrücken will, besser gesagt ausdrücken kann, bahnt sie sich ihren Weg automatisch. Da brauchst du keine Erkenntnis dazu - die Erkenntnis entsteht ganz natürlicherweise in eben diesem Ausdruck von Lust und Freude.“
Ja. Allerdings braucht es auch Umstaende, die den richtigen Knopf druecken. Wenn der Naturmensch den ganzen Tag vor dem Rechner sitzt, hat er tendenziell weniger Gluecksmomente, als wenn er den Tag am See im Wald verbracht haette.
„Das Hinderlichste um Glück zu finden ist also, danach zu suchen.“
Volle Zustimmung.
„ Frag dich nicht: Was macht mich glücklich? Frag dich nur: Was ist zu tun? Unabhängig davon, ob es dich glücklich macht oder nicht. Denn warum sollte es überhaupt um das Glück gehen?“
Weil es in einem Mindestmass lebensnotwendig ist und dem freien Fliessen von Lust und Freude dienlich. Egal, ob Huhn oder Ei zuerst kommt. Wenn man einen Scheissjob macht, der ueberhaupt nicht zum eigenen Weg passt, ist es eine Sackgasse, stoisch zu tun, was zu tun ist. Es bleibt unerfuellend und die Frage, was zufriedener und damit gluecklicher macht, ist legitim und angebracht.
„Glück kann in unserer Zeit nur das egoistische Streben nach Selbstverwirklichung bedeuten und letztlich lässt uns das ein Leben lang im Kreise drehen oder wir verhalten uns entsprechend unserer geistigen Konzepte, meinen dann, glücklich und zufrieden zu sein und stellen uns entsprechend dar (wie z.B. die buddhistischen Sandmaler).“
Was Du beschreibst, wuerde ich falsches Glueck nennen. Viele sind zufrieden und happy damit, sich Freitagabend ordentlich vollaufen zu lassen und die Scheisswoche endlich zu vergessen. Sie nennen es Glueck. Davon spreche ich nicht. Deiner Verallgemeinerung widerspreche ich energisch. Konsum in jeder Form (und da zaehle ich von Dir genanntes Streben dazu) ist natuerlich ein Holzweg.
„Die Frage, was zu tun ist, ist indessen im Hinblick auf die Verzerrung durch ideologische Haltungen genau so gefährlich wie die Frage, wie wir glücklich werden. Der einzige Vorteil bei der Tun-Frage ist, dass wir nicht nach der "Glücksfee" suchen, sondern nach einer Aufgabe, die uns wichtiger als dieses kleine, persönliche Glücksgefühl ist.“
Das Ausmass der ideologischen Verzerrung ist hoechst verschieden. Auch hier bitte nicht verallgemeinern.
„Wenn sich jetzt jemand sagt, ok, dann suche ich halt nicht mein Glück, sondern eine Aufgabe, um glücklich zu werden, dann sucht er natürlich genau so im Grunde nur nach Glück.“
Ja.
„Persönliches Glück ist die Verheissung des Modernismus, der gemeinsame Konsens, an dem sich alle Welt trifft und um dieses kämpft. Der Wohlstand hat das Märchen erschaffen, es gäbe einen Weg zum Glück und dieser sei das Wichtigste der Welt.“
Das klingt ziemlich ideologisch. Bitte die Verschiedenartigkeit der Menschen nicht vergessen.
„Nicht das Glück ist wichtig, sondern die Aufgabe. Diese muss allerdings keineswegs in irgendeiner Weise altruistisch sein, und es ist auch nicht Aufgabe der Aufgabe, dich glücklich zu machen. Was sie aber ganz sicher macht - sie macht dich wahr.“
Ja. Ich wuerde es „authentisch“ nennen. In meiner Realitaet eine wichtige Voraussetzung fuer Glueck. Was ist authentisch? Das was man im Kern ist. Der, der man wirklich ist, nachdem alle Masken abgeschaelt wurden. (Ein lebenslanger Prozess.) Das Bejahen des eigenen Schicksals. Das Erkennen der goldenen Linie im eigenen Leben. Das Aufgeben von Opferhaltungen und Schuldzuweisungen und das Anerkennen von ausnahmslos allem, was passiert ist, als noetige und unumgaengliche Zwischenschritte zu dem, der man heute, jetzt und hier ist. Das Aufgeben von „waere dies und das nicht passiert, waere es jetzt leichter“. Kann schon sein, ist aber voellig irrelevant, weil es eben passiert ist.
Primaer will ich darauf hinaus, dass ich die Ausrede der diktierenden
Obrigkeit nicht gelten lasse. Entwicklung ist ein interner Prozess, der
durch auessere Umstaende beguenstigt oder erschwert werden kann, aber im
Grunde ein absolut selbstverantwortlicher Vorgang ist.
„Es ist selbstverständlich ungemein schwieriger bis unmöglich als misshandeltes, missbrauchtes oder ungeliebtes Kind im Leben glücklich zu sein (oder seine Aufgabe zu finden). Von daher empfinde ich dieses Statement als sehr sehr graue Theorie.“
Wir sprachen von Obrigkeit im Sinne von einschraenkendem Staat, bitte nicht mit Missbrauch eines Kindes verwechseln.
Ich stimme zu, dass es fuer Menschen mit derartiger Geschichte schwierig ist. Aber: Ich arbeite mit sochen Leuten oefters und oft ist es gerade das grosse durchlebte Leid, welches ueberhaupt erst motiviert, sich naeher mit sich und seiner Geschichte und Zukunft aueinanderzusetzen. Essentielle Fragen zu stellen. Menschen, die mir sehr nahe stehen, haben so etwas hinter sich und heute sind sie authentischer, aufrichtiger, lebendiger, freudiger und fuer mich persoenlich viel interessanter, weil vielschichtiger und gepruefter als Leute, bei denen immer alles glatt lief. Wohl ueberfluessig zu erwaehen, dass ich selbst als Kind auch gute Gruende hatte, aufzugeben, weil es absolut hoffnungs- und aussichtslos war. Sonst haette ich mich niemals mit so vielen verschiedenen Therapieformen beschaeftigt. Und wuerde heute nicht tun, was ich tue und waere nicht der, der ich bin. Bin ich noch wuetend ueber meine Geschichte? Nein. Hat es sauweh getan? Ja. Hat es Narben hinterlassen? Natuerlich! Aber es ist meine Geschichte und es ist nun Geschichte. Es darf vorbei sein. Ich erkenne mein Schicksal an – genau so, wie es war und ist. Mein Weg zur Authentizitaet. Und damit komme ich zurueck in die Selbstverantwortung und in meine Kraft. Vielleicht musste es genau so geschehen, damit ich, nachdem ich es er- und ueberlebt habe, heute Menschen auf dem Weg aus so etwas raus begleiten kann. Ganz praktisch und in allen Farben.
Nachtrag: Damit es nicht so abstrakt im Raum haengt: ich habe direkt nach meiner Geburt die ersten 2 Jahre meines Lebens durchgehend auf einer Isolierstation im Krankenhaus verbracht. Allein. Die Krankenschwestern hatten natuerlich auch keinen Bock auf ein durchgehend verzweifelnd schreiendes kleines Wesen. Wenn es mal kurz Menschenkontakt gab, dann in der Regel nur, um mir neue Kanuelen in den Koerper zu schieben. Magensonde und Medikamente, wissen schon. Weitere Details erspare ich Dir. Will nur sagen: ich habe erfahren, wie brutal sich von Dir beschriebenes Szenario anfuehlt, was es mit einem macht; und es brauchte viel Kraft (und vielleicht auch Glueck
" />, irgendwann ein halbwegs normales Leben zu fuehren.
Hochachtungsvolle Gruesse
Positiv.