Nur fuer Ashitaka (und wenige andere)

Positiv, Dienstag, 21.04.2015, 01:11 (vor 3924 Tagen) @ Ashitaka5435 Views
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 21.04.2015, 01:28

Hi Ashitaka,

danke fuer Deine interessante Antwort. Ich gebe zu, dass ich Dir momentan noch nicht vollumfaenglich folgen kann. Ich werde versuchen, die von Dir verwendeten Begrifflichkeiten in eine mir (und moeglicherweise auch Dir) vertraute Terminologie zu uebersetzen. Bitte betrachte dies nicht als eine Korrektur, sondern als meinen Versuch, mich konstruktiv mit Deinen Darlegungen auseinanderzusetzen. Deine haeufig praktizierte Neuordnung der Worte inspiriert mich dazu, mein Vorstellungsvermoegen zu dehnen. Andererseits sehe ich darin einen Grund, dass Du hier oft miss- oder unverstanden bleibst und ich fragte mich schon oft, warum Du Dir das antust. Bewusstes aussortieren, wer flexibel ist und ausserhalb ausgelatschter Pfade denken kann? Experimentieren, welche Darlegungswege fruchten, ohne kollektiv benutzte Assoziationsketten loszutreten? Doch nun zum Thema.

„Das Erkennen gleicht meiner Erkenntnis nach einer Bewusstwerdung des Beobachters. Nur dieser schafft einen Sinn (braucht keinen Sinn). Insoweit ist Glück für mich keine Frage der Lebensausgestaltung, sondern eine Frage der Perspektive auf das Gestalten, ein beobachten.“

Ich uebersetze: Dein Beobachter ist das Ego, die Persoenlichkeit in ihrer Summe (spaeter mehr dazu). Glueck ist unabhaengig von den Ereignissen in der realen Welt und stattdessen eine Frage der Empfindung / Interpretation selbiger.

„Es geht im Leben nicht darum, etwas willentlich zu tun oder nicht zu tun,nicht darum, dem Leben willentlich einen Sinn zu geben, oder Unsinn zu schenken, nicht um den Willen zur Macht, um den Kampf gegen die Ohnmacht, sondern sich dabei zu beobachten, wie der Sinn und die Sinnlosigkeit einen Beobachter, dich, zwingend voraussetzt. Das verändert auf Schlag. Erkenne den Beobachter als Mittelpunkt und verwechsle ihn nicht mit dem Sinnlichen und Willentlichen deiner Beobachtungen (kein wünsch dir was!). „

Uebersetzung: Wenn die (leidstiftende) Identifizierung mit dem Ego aufhoert, ist Platz fuer das pure Sein. Sein als das Gegenstueck zum Handeln und zum Tun (z.B. wollen, nicht wollen, Sinneswahrnehmungen).

„Wie würdest du reagieren, wenn jemand behauptet, dass du selbst diese Fallen (Ideale) aufgestellt hast, sie nur ein Teil deiner Perspektive sind.“

Ich wuerde nicht widersprechen. Indem ich mich mit diesen Idealen identifiziere, sie mir zueigen machen, gebe ich ihnen erst die Macht ueber mein Ego. Perspektive uebersetze ich mit meinem „Wesen“ als die Summe von allem, was mich ausmacht. (Spaeter mehr dazu.)
Das ist meine Hauptkritik an der Opferrolle. Das Ablehnen der Eigenverantwortung fuer eine selbst (moeglicherweise unbewusst) getroffene Entscheidung.

„Wenn man sich vorstellt, dass es da draußen Gestalten gibt, die unabhängig von deiner Perspektive eine dich informierende Gestalt besitzen, deine Perspektive beeinflussen, dann verkennt man meiner Überzeugung nach den Beobachter, vergißt, dass es nur Vorstellungen sind. Darum geht es doch, zu erkennen, dass es so oder so Vorstellung bedarf. „

Ich lehne mich aus dem Fenster: die Gestalten sind das, was Rupert Sheldrake als morphogenetische Felder beschreibt. Kurzzusammenfassung: Es gibt einen nichtlokalen Informationsspeicher an den alles lebende (alles sich wandelnde) angeschlossen ist. Je oefter etwas bereits passiert ist, umso hoeher die Wahrscheinlichkeit, dass es erneut passiert. U.a. psychologisch, chemisch, physisch, biologisch. (Bei Bedarf mehr dazu.) Konkret: Die Magie eines funktionierenden Mindfucks basiert darauf, dass er schon bei vielen anderen funktioniert hat. Anders ausgedrueckt: Ein (lokaler/globaler) Gruppenprozess, dessen Wirkunsweise und Tragweite unberuecksichtigt bleibt, wenn man „ich will“ denkt oder tut.

"Dein Sinn und Wille wohnt nur in deinen Vorstellungen. Jede Stellung ist sinnvoll und sinnlos zugleich, abhängig vom Beobachter. Jede Sinngebung und -nehmung ist Ausgestaltung in Vergessenheit darüber, dass Du im Grunde nur Wertungen beobachtest."

Wertungen = interne persoenliche Konsequenzen basierend auf der Egostruktur?

„Sich nicht beeinflussen zu lassen, beeinflusst dies nicht zugleich? Was, wenn du das Spiel nur noch beobachten kannst und es dir egal wird, du den Sinn und Unsinn zugleich achtest?“

Gewiss. Jedes willentliche Handeln hat ebenso Konsequenzen, wie jedes willentliche Nichthandeln.
Dein 2. Satz beschreibt einen Zustand, der wohl gemeinhin Erleuchtung genannt wird. Das ausschliessliche Sein. Die wertungsfreie Achtung und kritiklose Anerkennung von ausnamslos allem, was ist. Die Abwesenheit vom Denken. Nichtidentifizierung.

„Wer bist du selbst? Der Beobachter kann sich nicht selbst beobachten, sondern nur Gedanken des Beobachters.“

In meiner momentanen Vorstellung bin ich die Summe von meinem Koerper, meinem Geist und meiner Seele. Oben nannte ich diese Summe "mein Wesen". Alle 3 funktionieren als wechselwirkende Informationsspeicher. Den Beobachter wuerde ich im Geist verorten. Seine Gedanken ebenso. Wird haeufig mit dem „ich“ verwechselt = Identifizierung mit nur einem Teil vom Ganzen.

„ Anzunehmen, man könne sich irgendwie kennenlernen, das glaubte ich auch lange Zeit. Und dann lernt man doch immer wieder wen neues kennen, beobachtet die Vorstellungen des Erschaffenen. Mal ist man Top, mal ist man Flop, bis man derjenige ist, der Floptop erfunden hat.“

Mit diesem Dilemma habe ich mich lange gequaelt. Zu meiner (bzw. unserer) Erkenntnis trugen die Arbeit und persoenliche Begegnungen mit Artho Wittemann bei. Kurzzusammenfassung: Auf der Ebene der Persoenlichkeit, gibt es kein ich, sondern nur ein wir. Wir im Sinne von eine Crew, eine Horde sich bekriegender Wilder oder im Idealfall eine kooperierende Armee. Persoenlichkeitsanteile mit voellig verschiedenen (und widerstreitenden) Idealen, Gefuehlen, Erinnerungen, Traumas, Talenten, Zielen, Handlungsstrategien. Spezialisten fuer verschiedene Fachgebiete. Dominante Despoten und hochsensible kleine Maedchen. Rauflustige Draufgaenger und autistische Typen, die einfach nur die Wand anstarren wollen. Hochinteressantes Thema und genial einfache Techniken, dieses Crew bewusst kennenzulernen. Bei Interesse mehr.
Derjenige der Floptop erfunden / wieder mitgebracht hat ist die Seele.

„Du als Beobachter lernst immer nur Vorstellungen kennen, die zu beobachtende Ausgestaltung (Ob Positiv oder Ashitaka, das ist beides deine Perspektive). Und du bist weder mehr Positiv, noch Ashitaka, noch Negativ.“

Zustimmung. Ich erlebe die Realitaet aus der Perspektive von dem, der eben gerade am Druecker sitzt. Konkretisierung: Ich bin mindestens alle Mitglieder meiner Armee. (Zuzueglich Seele und Koerper, ist aber momentan nicht relevant.) Einen Ashitaka habe ich in mir noch nicht kennengelernt. Oh, Korrektur: Als Deine Darlegungen bezueglich Kaese zum dran Riechen versiegten (und ich mir vor Lachen fast in die Hose gemacht hatte), habe ich Euren Dialog zu meiner weiteren Erbauung in meinem Kopf fortgesetzt. Ok, einen Ashitaka habe ich wohl auch in meiner operativen Gang.

„Im Grunde ist alles nur selbst(beobachtet). Stell dir einen Apfel ohne Perspektive und ohne Kognitionen (ohne Zeitablauf) vor. Ohne dich als Beobachter (Perspektive) ist weder ein Raum, noch die Zeit dafür vorhanden.“

Hier kann ich leider nicht folgen.

„Stell dir vor zu stirbst eines Tages. Geht es danach hier weiter? Oder geht es nur so weit, wie du es dir gerade vorstellen kannst (dir als Vorstellung einen äußeren Beobachter installierst, der deinen Tod beobachtet)?! Geht es hier danach ohne dich weiter, weil du es schon bei anderen Begräbnissen (als Vorstellungen) beobachtet hast?„

Das ist in sehr spezielles Thema fuer mich, da ich in diesem konkreten Koerper, der hier gerade den Computer bedient, bereits einmal tot war. Zu Deinen Fragen: Ob es beim naechsten Mal fuer mich (meine Seele) hier weitergeht, weiss ich nicht. Dass es fuer mich weitergeht, halte ich fuer sehr wahrscheinlich. Jedenfalls waere es das erste Mal seit Aeonen, dass es fuer mich nicht weitergeht. Ich bin schon unzaehlige Male gestorben, u.a. auch oft als Erdenmensch. Dabei habe ich Erfahrungen und Fertigkeiten gesammelt, welche mir bei meinem jetzigem Auftritt als Talente zur Verfuegung stehen und es mir ermoeglichen, mich in verschiedene (groesstenteils handwerkliche) Taetigkeiten sehr schnell einzuarbeiten. „Ich erinnere mich“ waere etwas zu salopp formuliert, weil es einen ewigen Beobachter voraussetzt. So sage ich lieber, ich weiss bei Bedarf, wo ich mir das jeweils benoetigte Upgrade downloaden kann. Natuerlich kann ich nicht ausschliessen, dass auch diese Vorstellung wieder nur eine Projektion meiner Erkenntnisfragmente ist, aber gegen die Gegenthese, dass ich mich einfach an das morphogenetische Feld der gesamten Menschheit anschliesse, spricht die Erfahrung, dass ich nicht auf beliebige Skillpacks zugreifen kann, sondern eben nur auf die, die ich Talente nenne.

„Ist der Tod vielleicht deshalb nicht erklärbar, weil wir ein Problem damit haben, von äußeren Beobachtern, die in Vorstellung Raum und Zeit überdauern, loszulassen?
Es geht nur mit dir weiter, indem du beobachtest und damit deinem Universum eine Perspektive auf Zeit erschaffst (ausgestaltest).“

Zum letzten Satz finde ich keinen Zugang. Koenntest Du den bitte nochmal umformulieren?


Herzliche Gruesse zurueck

Deine Erinnerung


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