Ueber den materiellen Luxus

Positiv, Montag, 20.04.2015, 15:06 (vor 3923 Tagen) @ ebbes5927 Views
bearbeitet von unbekannt, Montag, 20.04.2015, 15:56

Diese Darstellung (1000 Jahre, jedes Hotel, jede Bar) halte ich fuer reichlich uebertrieben, aber wer zu lange nur auf Konsum setzt, fuehlt sich natuerlich irgendwann leer bzw. gar nicht mehr.
Und in dieser Liga ist es den Leuten sehr wohl klar, dass nur ihre Kreditkarte geliebt wird, nicht sie selbst. Sie sind sehr misstrauisch - zu Recht. So ziemlich jeder, der unter welchem Vorwand auch immer an diese Menschen herantritt, hofft am Ende nur auf ein paar herunterfallende Kruemel. Das macht einsam.

In Kurzform das Schicksal der 3, die ich kenne: Der eine ist Erbe eines Familienimperiums. Mit seinen Bruedern kommuniziert er nur noch ueber Horden von Anwaelten und von den aktuellen Schachzuegen seiner Blutsverwandten erfaehrt er aus der Presse. Er verbringt unangemessen viel Zeit in Gerichtssaelen und ist ziemlich verbittert.

Nr. 2 ist ein (selfmade) Silicon Valley Star und lebt in permanenter Angst, irgendwann Macht und Prestige an einen Typen zu verlieren, der juenger und dynamischer als er selbst ist. Ein hoffnungsloser Workoholic und manchmal geht er (verblueffend gut) geschminkt in Frauenklamotten auf Partys, um sich ein bisschen unerkannter und dazugehoeriger zu fuehlen.

Zu Nr. 3 (hauptberuflich Sohn und im Nebenjob Topmanager) moechte ich nichts weiter schreiben, als dass sein Alkohol- und Kokainkonsum in einem Bereich liegen, der einen Ungeuebten binnen eines halben Tages umbringen wuerde.

Zurueck zum Thema: In der DDR war das mit dem Luxus eine ueberschaubare Sache. Man vermisst nicht, was man nicht kennt. Ein Lada war das Maximum des erreichbaren, okay, es gab vielleicht auch wenige, die privat einen Tatra oder Wolga fuhren, aber das war es auch schon. Grosse Geldmengen anzuhaeufen machte keinen Sinn, da man damit nichts kaufen konnte, was nicht andere auch hatten. Man konnte auf dem Schwarzmarkt zwischen 1/10 und 1/20 in DM tauschen und sich dann in Berlin zu einem utopischen Preis einen (qualitativ minderwertigen) VW Golf im Intershop kaufen, mehr faellt mir echt nicht ein. Grundstuecke waren billig und es war hauptsaechlich eine Frage des Organistionstalentes, ob und wann das Haus fertig wurde.

Mit anderen Worten: durch den eingeschraenkten Spielraum gab es weniger Platz fuer Missgunst und Neid, soziales Ansehen war mehr an tatsaechliche Kompetenz denn an erworbene Materie geknuepft. Man zog sein Glueck und seinen Stolz aus der Familie, aus einem Campingurlaub, aus selbstgebauten Sachen, aus erfolgreichen Projekten. Auf dieser Ebene waren die Menschen auf jeden Fall zufriedener als heute. Das war so absolut normal, dass niemand ahnte, wie hoch der Preis der vermeintlichen Freiheit sein wuerde.

Gruss,

Positiv.


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