Religion und Wissenschaft haben das gleiche Wesen?

SUCRAM, VLC, España, Donnerstag, 05.11.2015, 15:16 (vor 3739 Tagen) @ MausS4206 Views
bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 05.11.2015, 15:37

Der Unterschied ist, dass die Wissenschaft "wissen", aufdecken und darstellen kann. Sie muss sich rationaler Kritik, Gegenargumenten und -beweisen stellen. Die Religion aber ist absolut, verdeckt und verschleiert. Man kann sie nur als Institution kritisieren, aber nicht widerlegen. Deswegen klammert ja der Staat, trotz Wissenschaft, so an ihr.

Deswegen ist der Islam auch so wissenschaftsfeindlich. Weil die Religion nicht belegbare Argumente für alle möglichen Schandtaten liefern kann. Seien es Vertreibungen, Kriege, Genozide, sexuelle Unterdrückung oder die Begründung der Existenz ganzer Machtapparate wie Kirche, Rechtssysteme, Monarchien oder Diktatoren. Ja bis hin zur Institution der Ehe. Unsere Herrschaftsreligion ist systemoriginär, sie kam Hand in Hand mit Krieg, Unterwerfung, Patriarchat und Machtinstitution. Die Wissenschaft hat sich als Gegenpol entwickelt, ebenso aus dem System heraus, und es gibt genug Versuche des Systems, sie zu kompromittieren, zu vereinnahmen, zur Religion zu erklären, oder zu unterbinden.

Wissenschaft ist aber sicher kein Machtderivat (was ist das eigentlich?). Es ist unbtrennbarer Bestandteil unserer sozialen Ordnung, sicher, als Institution sicherlich auch vom Herrschaftsystem vereinnahmt. Aber Wissenschaft als Denksystem, als Ziel, als sozialer Bestandteil ist Religion und Machtsystemen diametral entgegengesetzt. Es ist ein Gegenpol. Auf der anderen Seite macht es für den Herrschaftsapparat natürlich auch Sinn, die Ergebnisse, Dogmen und Vorgehensweise zu nutzen, und natürlich zu allererst als Waffe. Dann in immer mehr Feldern: Gesundheit, Industrie, Landwirtschaft. Sie haben halt auch erkannt, dass Gottvertrauen allein keine Kriege gewinnt, keine Epidemien eindämmt, die Wirtschaft nicht anfeuert, usw. Sogar der rigorose Islam, der ja vehement die Wissenschaft verteufelt, hat gemerkt, dass mit zu Pferd reitend und dazu Säbel schwingend "Allau Akbar!" rufend, heute kein Krieg mehr zu gewinnen ist. Dann macht man sich dann doch schon mal die Dinge der Kuffar zu eigen und drückt ein (religiöses) Auge zu.

Aber auf der anderen Seite sind Wissenschaftler von Natur aus kritisch, geben rationale Erklärungen für Dinge, die zuvor gottgegeben waren. Sie hat das Potenzial, die Köpfe der Menschen zu verwirren und nicht mehr aufnahmefähig zu machen für die Kommunikation des Systems. Das macht sie so gefährlich. Aber das eine gibt es nicht ohne das andere. Deshalb: Die Pille, die dem Herrschaftssystem ebenso geholfen hat, zur absoluten Blüte zu gelangen, wird auch dessen Untergang beschleunigen.

Sie sind schon grauenhaft die Versuche hier so vieler Systemapologeten, ständig Esoterik und Religion ins Spiel zu bringen. Denn dann kann man ihre "Argumente" auch nicht widerlegen und schon gar nicht müssen sie so auf die wissenschaftlichen wirklich eingehen. Wahre Atheisten können eben nicht gleichzeitig systemgläubig sein und umgekehrt.
Aber ich sehe es als das letzte Aufbäumen des System an, mit Hilfe der Religion, Esoterik oder "Spiritualität" doch noch die Kurve zu kriegen. Leider zu spät.

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"Den Staat (oder irgendwas anderes) zu bekämpfen macht ihn nur stärker.
Willst Du den äußeren Staat erschüttern, dann erschüttere den Staat in Dir." (@Konstantin)


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