Abstecher ins Bewusstsein
"...und ist somit entweder ein Vorwand für Nichtstun oder sinnlosen
Aktionismus."
Was ist aber, wenn man einfach drauf losmacht, ohne vorher zu hinterfragen
(nach meiner Auslegung dieses Wortes)? Ist das dann kein sinnloser
Aktionismus?
Frei nach Watzlawick: Es ist nicht möglich nicht zu agieren. Jeder Mensch ist immer und fortwährend in Aktion.
Sinnloser Aktionismus entsteht durch "hinterfragen". Vermutlich hatte die Dame, die Schäuble am Rückenmark verletzte genau das gemacht, nämlich die Rolle Schäubles "hinterfragt".
Wenn ich CrisisMaven
richtig verstanden habe, kommt es überhaupt nicht auf Hinterfragen an, sondern alleine und ausschließlich auf die wirkmächtige Aktion. Die Aktion so durchzuführen, dass sie das Ziel erreicht oder einen zumindest dem Ziel näher bringt.
Und das geht nur über Selbst-Bewusstsein, sich darüber bewusst zu sein, wo stehe ich, und wo will ich hin, und welche Aktionen führen dazu.
meine erste Frage ist:
Provokatives Beispiel:
Der seinerzeitige Anschlag auf Schäuble, der ihn in den Rollstuhl
gebracht hat. Die Frau (die Attentäterin) hatte also - nach Deiner
Interpretation - die Macht, und hat sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten
verhalten. Hab ichs nun richtig verstanden?
Nein. Macht hat nur derjenige, dessen Aktivitäten ihn seiner Zielerreichung näherbringen.
Zu 2. sollte eigentlich selbstverständlich sein, ist es aber nicht
mehr.
Das ist ein Kennzeichen von Dekadenz.
Deswegen finde ich, sollte man gründlich darüber nachdenken, was die
eigenen Interessen sind.Wenn ich das richtig verstanden habe, dann meinst Du, dass viele die
Wahrnehmung ihrer eigenen Interessen aus dem Blickwinkel verloren haben.
Hat natürlich was für sich. Es gibt aber auch den sog.
Interessenskonflikt, - den hast Du nicht angesprochen.
Nein, nicht die Wahrnehmung ihrer Interessen, sondern ihr Selbsbewusstsein. Das Bewusstsein seiner selbst führt zur Auflösung sämtlicher vermeintlicher Interessenkonflikte.
Beispiel: Einer der deutschstämmigen Bauern in unserer Umgebung war der
Anführer der Anti-Fracking-Aktionen in Pungesti (Rumänien).
Weisungsgemäß haben die Gendarmen drauf los geprügelt, - er kam auch mit
gebrochenen Arm etc. ins Krankenhaus.Bewundernswert, - auf den ersten Blick. Ich kenne seinen Bauernhof, auch
die damit verbundenen Arbeitsdimensionen, kenne seine Frau, seine Kinder.
Was glaubst Du, wer die fehlende Arbeitskraft zuhause ausgleichen mußte?
Den Schaden mußte die Familie gemeinsam tragen.Daher können die eigenen Interessen nicht unbedingt von der Seite des
Wünschenswerten bestimmt werden, sondern eventuell auch von einem anderen
Kriterium, das bei mir überm Esstisch in Form eines Gebetes hängt:Herr, gib mir die Kraft, die Dinge zu verändern, die ich verändern
kann.
Herr, gib mir die Geduld, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht verändern
kann.
Herr, gib mir die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.
Wenn ich gläubig wäre, dann würde ich sagen:
"Herr, gib mir den Mut, Dinge zu ändern...", aber ich bin es nicht. Also kann ich das nicht sagen.
Dieses Gebet wurde nämlich schon sehr oft von Menschen gesprochen, die nicht mehr viel Kraft hatten.
Wenn ich mir nicht die Mühe mache, die Dinge zu hinterfragen (im Sinne
des Analysierens), laufe ich Gefahr, mich in blindem Aktionismus zu
verlieren und meine Energie irgendwo zu vergeuden, wo sie keinen Sinn
macht. Genau das kommt mir manchmal in den Sinn, wenn ich mir so manche
Aktionen der extremen Rechten oder Linken ansehe.
Die haben allle "hinterfragt" und wollen die Dinge radikal angehen, ohne zu bedenken, dass ihnen die Kräfte fehlen, die Dinge von der Wurzel her zu lösen. Also bewirken sie nur eine Verhärtung der Gegenseite.
Ich bin auf der Suche nach dem strategisch wichtigen Punkt des Archimedes, der allein mit der Kraft seiner Arme die ganze Erde aus ihren Angeln heben wollte.
(Mathematisch übrigens völlig korrekt, deswegen gilt er auch als eines der Mathegenies der Antike)
Gruß Mephistopheles
Gruß zurück - Helmut
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Wenn wir nicht das Institut des Eigentums wiederherstellen, können wir nicht umhin, das Institut der Sklaverei wiederherzustellen, es gibt keinen dritten Weg. Hillaire Belloc