Abstecher in die Philologie
Schon irgendwie kurios, mit welchem Thema wir uns hier befassen, - zumal ich vermute, dass wir uns gedanklich auf einer ähnlichen Schiene bewegen. Denke, dass der Unterschied irgendwie in der unterschiedlichen Auslegung der Begriffe zu suchen ist.
Wobei ich jetzt nicht darauf herumhacke, um unbedingt recht zu haben, sondern einfach nur, um klarzustellen.
"...und ist somit entweder ein Vorwand für Nichtstun oder sinnlosen Aktionismus."
Was ist aber, wenn man einfach drauf losmacht, ohne vorher zu hinterfragen (nach meiner Auslegung dieses Wortes)? Ist das dann kein sinnloser Aktionismus?
meine erste Frage ist:
1. Habe ich die Machtposition, die Dinge nach meinem Willen zu gestalten
und
2. Was sind meine Interessen
Zu 1. ist zu sagen, jeder Mensch hat eine gewisse Macht, er muss sich nur
im Rahmen seiner Möglichkeiten verhalten.
Mit dieser Antwort entfernen wir uns von der Philologie und bewegen uns in Richtung Philosophie. Stellt sich nämlich die Frage, was ist "Macht" und wie interpretiere ich das im jeweiligen Kontext?
Provokatives Beispiel:
Der seinerzeitige Anschlag auf Schäuble, der ihn in den Rollstuhl gebracht hat. Die Frau (die Attentäterin) hatte also - nach Deiner Interpretation - die Macht, und hat sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten verhalten. Hab ichs nun richtig verstanden?
Zu 2. sollte eigentlich selbstverständlich sein, ist es aber nicht mehr.
Das ist ein Kennzeichen von Dekadenz.
Deswegen finde ich, sollte man gründlich darüber nachdenken, was die
eigenen Interessen sind.
Wenn ich das richtig verstanden habe, dann meinst Du, dass viele die Wahrnehmung ihrer eigenen Interessen aus dem Blickwinkel verloren haben.
Hat natürlich was für sich. Es gibt aber auch den sog. Interessenskonflikt, - den hast Du nicht angesprochen.
Beispiel: Einer der deutschstämmigen Bauern in unserer Umgebung war der Anführer der Anti-Fracking-Aktionen in Pungesti (Rumänien). Weisungsgemäß haben die Gendarmen drauf los geprügelt, - er kam auch mit gebrochenen Arm etc. ins Krankenhaus.
Bewundernswert, - auf den ersten Blick. Ich kenne seinen Bauernhof, auch die damit verbundenen Arbeitsdimensionen, kenne seine Frau, seine Kinder.
Was glaubst Du, wer die fehlende Arbeitskraft zuhause ausgleichen mußte? Den Schaden mußte die Familie gemeinsam tragen.
Daher können die eigenen Interessen nicht unbedingt von der Seite des Wünschenswerten bestimmt werden, sondern eventuell auch von einem anderen Kriterium, das bei mir überm Esstisch in Form eines Gebetes hängt:
Herr, gib mir die Kraft, die Dinge zu verändern, die ich verändern kann.
Herr, gib mir die Geduld, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht verändern kann.
Herr, gib mir die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.
Wenn ich mir nicht die Mühe mache, die Dinge zu hinterfragen (im Sinne des Analysierens), laufe ich Gefahr, mich in blindem Aktionismus zu verlieren und meine Energie irgendwo zu vergeuden, wo sie keinen Sinn macht. Genau das kommt mir manchmal in den Sinn, wenn ich mir so manche Aktionen der extremen Rechten oder Linken ansehe.
Gruß zurück - Helmut