Post-Mitarbeiter / edit: Korrektur
Hi Olivia,
deine Angst kann ich verstehen, denn ich habe Freunde mit nichtdeutschen Genen. Sie gehen hier ihrer Arbeit nach und schimpfen selber auf das, was in diesem Land abgeht.
Ich antworte jedoch aus einem anderen Grund: Du schriebst: “Unsere Post wird fast nur noch von Ausländern gebracht. Alles sehr nette, fleißige, tüchtige und freundliche Menschen, über die ich mich freue, wenn ich sie sehe und grüße.â€
Dazu folgendes: Schon jetzt bekommen die neuen Post-Mitarbeiter nur noch ca. 2/3 des Lohnes, den die alten deutschen Mitarbeiter bekommen, die schon viele Jahre dabei sind. Die angeblich nur 20 Prozent weniger Lohn, die durch die Medien geistern, sind Schönfärberei. Die Post wurde in 49 Einzelfirmen unterteilt, was die Arbeit der Postgewerkschaft enorm erschwert. Die Aktionäre wollen schließlich Gewinne sehen. Und wird ein Ziel erreicht, werden die Schrauben gleich weiter angezogen.
http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/Deutsche-Post-hofft-auf-Durchbruch-bei-Tarifve...
Dazu kommt das Problem, dass viele der netten Ausländer zwar gerade so deutsch verstehen, aber mit den strengen Abläufen Vorsortierung und Zustellung selten sehr gut zurecht kommen, so dass die ganze Arbeit dann an den alten Hasen hängen bleibt. Überstunden inklusive. Einige der Überstunden werden von den Mitarbeitern unbezahlt geleistet, weil sonst der Berg der zu bewältigenden Arbeit immer größer wird und sie sich ins eigene Knie schießen, wenn sie sich auf die Regeln verlassen würden. Die betrifft insbesondere die Tätigkeiten der Vorsortierung von Zeitschriften, Werbung etc. Das Aufkommen an Briefen und Paketen ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Dank Internet-Handel herrscht Weihnachten sozusagen das ganze Jahr. Der Laie denkt, die stecken bloß Briefe ein und hätten einen leichten Job. Leute, die bei der Post neu eingestellt werden, werfen diesen Job nicht selten schon nach 14 Tagen wieder hin. Dank HartzIV gibt es ja auch deutsche Bewerber für Hungerlöhne.
Und wenn ich dann hier im Forum von einem, der es angeblich ganz genau weiß und der scheinbar immer Glück im Leben hatte, lesen muss, dass jeder, der sich ausnutzen lässt, selber Schuld an seiner Situation ist, dann kommt mir das Kotzen.
Ich kenne jemanden, der war 5 Jahre in Folge bei der Post beschäftigt. Während dieser Zeit erhielt er 18 befristete (korrigiert) Arbeitsverträge. Seine Kollegin klagte daraufhin erfolgreich auf eine Festanstellung. Er hat inzwischen einen anderen Job gefunden, zu dem er über seinen Nebenjob als 450,00-Euro-Stelle gekommen ist. Bei den Delivery-Firmen werden wohl wieder unbefristete Arbeitsverträge ausgestellt, aber zu den o. g. wesentlich geringeren Löhnen ohne Aussicht auf Lohnerhöhung.
Der vergangene Streik der Postler hatte zum Ziel, dem Lohndumping ein Ende zu setzen. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Der Streik wurde mit einem faulen Kompromiss beendet, sehr zur Unzufriedenheit der Streikenden. An dieser Stelle: “Danke ver.di.†(Ironie aus.).
Grüße aus dem deutschen Leben
Leser