Natürliche Einfachheit und zivilisatorische Komplexität

Nonpopulo, Dienstag, 22.03.2016, 20:36 (vor 3613 Tagen) @ Zarathustra5685 Views
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 22.03.2016, 20:47

Hoi Zara,

> Ich bin zwar auch davon überzeugt, dass ich ein Fragment und eine
[quote]Ausprägung des Ganzen bin, aber mit Ueberhöhung und Gott hat das nichts
zu tun. Bei mir, dem Gottlosen schon gar nicht. Das Ganze hat über seine
Fragmente auch nicht unbedingt einen besseren Ueberblick als die Fragmente
über das Ganze.
[/quote]

Was anderes sollten wir denn sein, als Teile des Ganzen?

> Wer bist Du denn? Du selber bestehst doch aus Millionen Ichs, und
[quote]weder hast Du einen Ueberblick auf diese unzähligen Ichs in Dir selber,
noch haben diese Teil-Ichs einen Ueberblick auf Dein Hirn, das sich ein
einziges Ich vorstellt.
[/quote]

Ja, im Extremfall kann ich jede meiner Körperzellen als eines meiner Ich's vorstellen, aber macht das irgendeinen Sinn? Im Bereich der Seele, des Ich's, des Ego's kann man fast alles hineinprojezieren wonach einem ist. Alles ist möglich, das Leben ist eine unendliche Projektionsfläche.

Für mich ist ein grundlegender Unterschied zwischen natürlichem und zivilisatorischem Sein, dass das natürliche Sein sich selbst einfach und klar wahrnimmt, wogegen das zivilisatorische Sein sich komplex, kompliziert, verworren und verwinkelt wahrnimmt. Ich persönlich versuche mich zum einfachen, klaren Sein hin zu entwickeln. Und weil der Mensch abseits aller Projektionen EIN Schicksal verkörpert, ist er für mich eine Einheit. Die Millionen möglichen Ich's interessieren mich nicht, weil sie a) niemals fassbar sein werden und b) unnötige Komplexitäten und Verwinkelungen schaffen.

> Es gibt in Dir unzählige Wesen mit Trieben, Instinkten, Emotionen und
[quote]Willen.
Nonpopulo selbst ist ein verschachtelter Bau auf verschienenen Ebenen, der
bereits tiefer als bei den Atomen beginnt, und darüber dann aus
Molekülen, Viren, Bakterien, Zellen und Organen; alle mit einem
'individuellen' Willen. Du bist also ein Verbund von Unter-Ichs, und selber
auch bloss wieder ein Fragment eines Gebildes, von dem Du ein Fragment
bist; autopoietisch zwar, wie Deine Teil-Ichs, aber nicht losgelöst,
sondern eingebunden ins grosse Ganze.
[/quote]

Oder einfach EIN Mensch, EIN Schicksal. [[zwinker]]

> Der Zahn ist ein 'Individuum'. Dessen Schmerz spürst 'Du', weil er ein
[quote]Signal ans nächst grössere Ganze aussendet. Wenn ein Fremdkörper in
Deine Blutbahn gerät, dann machen sich unzählige Wesen in Dir auf die
Socken und wollen diesen zur Strecke bringen, ohne dass 'Du' überhaupt
etwas davon mitkriegst.
[/quote]

Genau, und so arbeitet jede meiner Zellen für (oder gegen) mich. xxxx hoch xxxx Milliarden Ich's! Gibts da in deinen Augen eine Grenze, die du nachvollziehbar definieren kannst, wo die Ich's aufhören und ichlose biologische Funktionen ihre Arbeit verrichten?

> Das ist alles nicht so eindeutig. Wenn Deine Tochter Schmerzen hat, dann
[quote]bekommst Du auch welche.
[/quote]

Diese Erfahrung habe ich noch nicht gemacht.

> > Für mich spielt es auch keine Rolle, inwiefern mein Wille aus mir
[quote]selbst[/quote]
[quote][quote]heraus entsteht oder mir von aussen aufgedrückt wurde. In dem Moment,[/quote][/quote]
[quote]in[/quote]
[quote][quote]dem er von mir Besitz ergreift oder ich von ihm Besitz ergreife, ist es
mein Wille. [/quote][/quote]
[quote]
Das sagst Du; was aber noch lange nicht heisst, dass das auch stimmt.
[/quote]

Es ist meine Projektion, die wahrscheinlich genau so richtig oder falsch ist wie deine. Der Unterschied ist nur, dass meine Projektion viel weniger komplex ist als deine.

> Das XXXXX reincarniert ständig. Was immer geboren wird oder verstirbt
[quote]ist immer nur das eine XXXXX - eine persönliche Reincarnation gibt es
allerdings nicht, da es gar keine Individualseele gibt.

So sehe ich das in etwa auch. Dieser vorübergehende Geist-Materie-Verbund
zerfällt beim Tod, das heisst, er verschwindet nicht, sondern formiert
sich neu im grossen Ganzen.
[/quote]

Das sehe ich auch so. Ich denke, dass man durchaus gewisse "Bewusstseinssplitter" Verstorbener abbekommen kann, und dann glaubt dieses oder jenes in vergangenen Leben selber erlebt zu haben.

Aber offenbar in Unterschied zu dir, sehe ich zwischen Geburt und Tod Wesen mit einem Ego, das sich entwickelt und festigt bevor es nach dem Tod wieder vergeht. Und aus den Gründen, die ich weiter oben dargelegt habe, erachte ich es als gefährlich und lebensfeindlich sich vom Ego frei zu fantasieren.

Eine extreme Form von Egolosigkeit erlebst du ¨übrigens mit LSD und wenn du es regelmässig über eine gewisse Zeit nimmst, löst sich auch abseits des Rausches dein Ego langsam auf. Was dann kommt, ist aber leider nicht die Erleuchtung sondern eine Psychose (ein LSD-Trip ist ja auch nichts anderes). Das ist die andere, weitere Gefahr. Die meisten Esoteriker gehören aber nicht zur Risikogruppe, denn ihre Egobefreiung ist reiner Selbstbetrug und kein ernsthaftes Streben. Wer sich aber ernsthaft in diese Richtung begibt, ist gefährdet.

Beste Grüsse Nonpopulo

--
Mich widern alle Ideologien an, egal ob sie von links oder rechts kommen, sie ignorieren die Natur des Menschen. (Claude Cueni, Script Avenue)

Blue Moon Baby


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