Die vielen Ichs in Dir

Zarathustra, Montag, 21.03.2016, 23:34 (vor 3616 Tagen) @ Nonpopulo6331 Views
bearbeitet von Zarathustra, Montag, 21.03.2016, 23:41


Deine allfällige Annahme, dass Oneness-Gläubige egofrei(er) agieren,
erachte ich als falsch. Sie suggerieren sich bloss Egolosigkeit, was eher
auf ein besonders überhöhtes Ego schliessen lässt. ICH bin eins mit
allem, ICH bin Gott, ICH kann erleuchtet werden, ICH kann mich selbst (und
sogar andere) heilen, ICH stehe mit meinem Wissen über anderen, ICH, ICH,
ICH.

Ich bin zwar auch davon überzeugt, dass ich ein Fragment und eine Ausprägung des Ganzen bin, aber mit Ueberhöhung und Gott hat das nichts zu tun. Bei mir, dem Gottlosen schon gar nicht. Das Ganze hat über seine Fragmente auch nicht unbedingt einen besseren Ueberblick als die Fragmente über das Ganze.

Wer bist Du denn? Du selber bestehst doch aus Millionen Ichs, und weder hast Du einen Ueberblick auf diese unzähligen Ichs in Dir selber, noch haben diese Teil-Ichs einen Ueberblick auf Dein Hirn, das sich ein einziges Ich vorstellt.

> Welche Wahrheit?

Schlicht das interpretationslose Erleben und Erfahren der Realität.
Natürlich gelingt es mir auch meistens nicht, Interpretationen
zurückzuhalten (kulturell bedingt halten wir das ja für absolut normal),
aber immerhin weiss ich inzwischen, dass die Interpretationen genau der
falsche Ort sind, Wahrheit zu finden.

Der Prophet - einer der bodenständigsten und

unesoterischsten Schreiber in diesem Forum - kann diesem Text offenbar
einiges abgewinnen. Ich auch. Es ist doch gerade auch aus der

Perspektive

der Physik plausibel, dass Materie/Energie/Wille nicht vernichtet

werden

kann. Es ändert sich immer nur die Zusammensetzung. Deine
Zellen/Moleküle/Atome/Elektronen streben ewig weiter, bloss in anderer
Zusammensetzung. "Die
Würmer krallen Dir ins Hirn - und sie diniern"
.[/i]


Das kann ich mir gut vorstellen, aber das passiert NACH dem Tod. VOR dem
Tod sind wir Wesen mit Trieben, Instinkten, Emotionen und Willen - Ego's
eben.

Es gibt in Dir unzählige Wesen mit Trieben, Instinkten, Emotionen und Willen.
Nonpopulo selbst ist ein verschachtelter Bau auf verschienenen Ebenen, der bereits tiefer als bei den Atomen beginnt, und darüber dann aus Molekülen, Viren, Bakterien, Zellen und Organen; alle mit einem 'individuellen' Willen. Du bist also ein Verbund von Unter-Ichs, und selber auch bloss wieder ein Fragment eines Gebildes, von dem Du ein Fragment bist; autopoietisch zwar, wie Deine Teil-Ichs, aber nicht losgelöst, sondern eingebunden ins grosse Ganze.

> Die Welt als Wille und Vorstellung


Das Ich, und damit der Wille in all dessen Fragmenten, das sich sowieso
nie genau abgrenzen lässt, fragmentiert wieder und verschmelzt im

Ganzen.

Verschwinden tut da nichts. [/i]


Genau, eben: NACH dem Tod. Vor dem Tod sind wir klar abgegrenzte,
individuelle Wesen, auch wenn wir uns natürlicherweise gegenseitig
beeinflussen. Aber wenn du Zahnscherzen hast, spüre ich diese nicht, auch
wenn ich noch so nahe neben dir stehe. Vielleicht leide ich mit dir mit,
aber einen schmerzenden Zahn spürst in diesem Fall nur DU und nicht ICH.

Der Zahn ist ein 'Individuum'. Dessen Schmerz spürst 'Du', weil er ein Signal ans nächst grössere Ganze aussendet. Wenn ein Fremdkörper in Deine Blutbahn gerät, dann machen sich unzählige Wesen in Dir auf die Socken und wollen diesen zur Strecke bringen, ohne dass 'Du' überhaupt etwas davon mitkriegst.

Und vielleicht schmerzt dich der Zahn bis an die Zehenspitze oder an den
Scheitel, aber weiter nicht. Diese einfachen und eindeutigen Umstände
sollten wir uns nicht mit esoterischen Träumereien schöndenken.

Das ist alles nicht so eindeutig. Wenn Deine Tochter Schmerzen hat, dann bekommst Du auch welche.

Für mich spielt es auch keine Rolle, inwiefern mein Wille aus mir selbst
heraus entsteht oder mir von aussen aufgedrückt wurde. In dem Moment, in
dem er von mir Besitz ergreift oder ich von ihm Besitz ergreife, ist es
mein Wille.

Das sagst Du; was aber noch lange nicht heisst, dass das auch stimmt.

Auch da sehe ich keine Entgrenzung des Ego's.

> Falkenauges Text erscheint mir wesentlich esoterischer und
weltfremder als

jener Sohams.[/i]


Bei Falkenauge lebt das Ego nach dem Tod weiter, bei soham existiert es
gar nicht erst. Vom Grad der Weltfremdheit und Esoterik her ist für mich
soham's Oneness extremer, da die Suggestion der Egolosigkeit in meinen
Augen zwangsläufig mehr Kontaktlosigkeit und Unlebendigkeit zur Folge
haben muss. Mit der Egolosigkeits-Suggestion "liebt" man die Allerfernsten
genau so wie seine Nächsten (sind ja alles dasselbe) und das ist eine
fatale geistige Verkrüppelung der biologischen Tatsache, dass Liebe des
Kontaktes und der Nähe bedarf.

Na ja, er schreibt:

Das XXXXX reincarniert ständig. Was immer geboren wird oder verstirbt ist immer nur das eine XXXXX - eine persönliche Reincarnation gibt es allerdings nicht, da es gar keine Individualseele gibt.

So sehe ich das in etwa auch. Dieser vorübergehende Geist-Materie-Verbund zerfällt beim Tod, das heisst, er verschwindet nicht, sondern formiert sich neu im grossen Ganzen. Was er Traum beschreibt, würde ich allerdings auch etwas anders formulieren. Die lebenden Fragmente des Ganzen sehe ich nicht als Traum dieses Ganzen.

Grüsse, Zara


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