Kritik an Leschs semantikfreier Universumsgrammatik

nvf33, Dienstag, 22.03.2016, 14:18 (vor 3613 Tagen) @ Leserzuschrift5796 Views

Hallo Mark,
danke für Deinen Hinweis auf Leschs "Kann die Physik die Welt erklären?"
Ich möchte seinen Ansatz jedoch kritisieren. Denn Leschs säuberliche Trennung in "grammatikalische Regeln" und "Semantik" bzw. Bedeutungsinhalt, ist meiner Meinung nach vordergründig und nicht ehrlich.
Lesch projiziert eine Fiktion in die Natur, indem er behauptet, dass Bedeutung und Beschreibung trennbar seien. Es ist zugegebenermaßen praktisch, "so zu tun, als ob" dies verlustfrei möglich sei. es verbessert unsere Handlungsfähigkeit, indem es Vollständigkeit suggeriert, wo in Wahrheit Konvention und gezielte Ignoranz offene Grundfragen verschleiern.

Es "gibt" z.B. keine Elektronen oder schwarze Löcher in der Natur. Es sind vielmehr unserer Projektionen in Phänomenkomplexe, um uns zu bemächtigen, die Natur nach unserem Willen zu formen. Dagegen ist auch überhaupt nichts einzuwenden, weil es die Entwicklung von Techniken vereinfacht, d.h. von unbewußten Schemata zur Bewältigung unseres Alltags.

Allerdings geschieht dies eben auf unsere Verantwortung. Die Idee eines schwarzen Loches oder eines uferlosen, leeren und öden Kosmos hat eben nicht nur die Wirkung, Messungen zu ordnen, sondern sie transportiert auch ein Lebensgefühl. Und dieses Lebensgefühl wirkt in uns fort, es mündet in Handlungen, und diese Handlungen wirken auf uns zurück. Konkret: Ein physikalisches Modell macht Techniken denkbar, diese Techniken machen Handlungen machbar, und die Handlungen wirken auf unsere Umwelt, und diese dann wieder auf uns.

Soweit so gut. Aber Herr Lesch beachtet diesen aktiven Anteil seiner physikalischen "Mission" nicht. Er tut so, als sei die Physik alternativlos. Und das ist schlicht falsch und/oder gelogen. Die akademische Physik, wie sie heute vor uns steht, ist eine Variante, mit der Ungewissheit in der Natur umzugehen: Nämlich durch systematische Bekämpfung der Ungewissheit auf allen Ebenen, kraft unseres Willens, d.h. als "Machtergreifung".

Jede/r, der/dem die Kabbalah mehr oder minder geläufig ist, mag erkennen, wie sehr die okkulte Bewußtseinsmechanik diesem physikalischen Ansatz entspricht.

Die Möglichkeit, unseren Willen zu transzendieren, oder in ihm ein höheres Wirken zu erkennen ist mit diesem Ansatz allerdings erschwert.

Und wenn es einen wie auch immer gearteten Sinn unseres oder meinetwegen dieses Erdenlebens gibt, dann liegt er auf der Ebene der Beziehung zwischen Wollen, Sollen und Vollbringen.
Das Sollen zur Illusion oder Willensschwäche zu erklären, halte ich für verfehlt, und ich meine, dass man das am Vollbringen der entsprechenden "Propheten" wie Lesch & Co. erkennen kann.

Viele Grüße
nvf33


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