VOR und NACH dem Tod

Nonpopulo, Montag, 21.03.2016, 22:26 (vor 3614 Tagen) @ Zarathustra6710 Views
bearbeitet von unbekannt, Montag, 21.03.2016, 22:47

Hoi Zara

> Individualismus à la "Du kannst, Du kannst, Du kannst, Du Du Du, bzw. ich
[quote]ich ich" scheint mir noch wesentlich zeitgeistiger.
[/quote]

Das ist kein Gegenpol zur Oneness-Esoterik. Im Gegenteil, die gesamte Esoterik und Spiritualität können nur auf dem Boden des Individualismus gedeihen. Esoterik bedeutet in ungefähr "inneres, geheimes Wissen" und demgegenüber bedeutet Exoterik "äusseres, *massentaugliches* Wissen" (=Religion). Esoterik ist Individualismus in höchster Ausprägung.

Deine allfällige Annahme, dass Oneness-Gläubige egofrei(er) agieren, erachte ich als falsch. Sie suggerieren sich bloss Egolosigkeit, was eher auf ein besonders überhöhtes Ego schliessen lässt. ICH bin eins mit allem, ICH bin Gott, ICH kann erleuchtet werden, ICH kann mich selbst (und sogar andere) heilen, ICH stehe mit meinem Wissen über anderen, ICH, ICH, ICH.

> Welche Wahrheit?

Schlicht das interpretationslose Erleben und Erfahren der Realität. Natürlich gelingt es mir auch meistens nicht, Interpretationen zurückzuhalten (kulturell bedingt halten wir das ja für absolut normal), aber immerhin weiss ich inzwischen, dass die Interpretationen genau der falsche Ort sind, Wahrheit zu finden.

Der Prophet - einer der bodenständigsten und
[quote]unesoterischsten Schreiber in diesem Forum - kann diesem Text offenbar
einiges abgewinnen. Ich auch. Es ist doch gerade auch aus der Perspektive
der Physik plausibel, dass Materie/Energie/Wille nicht vernichtet werden
kann. Es ändert sich immer nur die Zusammensetzung. Deine
Zellen/Moleküle/Atome/Elektronen streben ewig weiter, bloss in anderer
Zusammensetzung. "Die
Würmer krallen Dir ins Hirn - und sie diniern"
.
[/quote]

Das kann ich mir gut vorstellen, aber das passiert NACH dem Tod. VOR dem Tod sind wir Wesen mit Trieben, Instinkten, Emotionen und Willen - Ego's eben.

> Die Welt als Wille und Vorstellung
[quote]
Das Ich, und damit der Wille in all dessen Fragmenten, das sich sowieso
nie genau abgrenzen lässt, fragmentiert wieder und verschmelzt im Ganzen.
Verschwinden tut da nichts.
[/quote]

Genau, eben: NACH dem Tod. Vor dem Tod sind wir klar abgegrenzte, individuelle Wesen, auch wenn wir uns natürlicherweise gegenseitig beeinflussen. Aber wenn du Zahnscherzen hast, spüre ich diese nicht, auch wenn ich noch so nahe neben dir stehe. Vielleicht leide ich mit dir mit, aber einen schmerzenden Zahn spürst in diesem Fall nur DU und nicht ICH. Und vielleicht schmerzt dich der Zahn bis an die Zehenspitze oder an den Scheitel, aber weiter nicht. Diese einfachen und eindeutigen Umstände sollten wir uns nicht mit esoterischen Träumereien schöndenken.

Für mich spielt es auch keine Rolle, inwiefern mein Wille aus mir selbst heraus entsteht oder mir von aussen aufgedrückt wurde. In dem Moment, in dem er von mir Besitz ergreift oder ich von ihm Besitz ergreife, ist es mein Wille. Auch da sehe ich keine Entgrenzung des Ego's.

> Falkenauges Text erscheint mir wesentlich esoterischer und weltfremder als
[quote]jener Sohams.
[/quote]

Bei Falkenauge lebt das Ego nach dem Tod weiter, bei soham existiert es gar nicht erst. Vom Grad der Weltfremdheit und Esoterik her ist für mich soham's Oneness extremer, da die Suggestion der Egolosigkeit in meinen Augen zwangsläufig mehr Kontaktlosigkeit und Unlebendigkeit zur Folge haben muss. Mit der Egolosigkeits-Suggestion "liebt" man die Allerfernsten genau so wie seine Nächsten (sind ja alles dasselbe) und das ist eine fatale geistige Verkrüppelung der biologischen Tatsache, dass Liebe des Kontaktes und der Nähe bedarf.


Beste Grüsse Nonpopulo

--
Mich widern alle Ideologien an, egal ob sie von links oder rechts kommen, sie ignorieren die Natur des Menschen. (Claude Cueni, Script Avenue)

Blue Moon Baby


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