Sparen vs. Investieren

Nico, Dienstag, 28.04.2015, 04:07 (vor 3915 Tagen) @ CalBaer5484 Views
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 28.04.2015, 04:30

Schönes Hallo in die Runde!

Es wurden zwischenzeitlich schon allerhand Argumente ausgetauscht, und ich hänge meinen Gedanken zu der Frage über das Sparen nun an das vorläufige Ende der laufenden Diskussion.

Die von mir zitierte Aussage von PCM, dass kein Mensch den Sparer braucht, zielt auf die irrige Vermutung, dass Banken bei ihnen angelegtes „Geld“ als Kredite weiterreichen würden. Die genaue Position dieses Zitates kann ich nicht präziser angeben – was aber auch hier keine große Rolle spielen sollte. Ansonsten würde ich behaupten, dass der Begriff des Sparens an sich überhaupt eher eine Rolle in der traditionellen Ökonomik einnimmt, während dieser in der debitistischen Beschreibung der Wirtschaft m.E. keine Bedeutung hat. So würde ich es auch eher mit der alten Börsenweisheit halten, dass man nicht nicht investiert sein kann – es sei denn, man hat auch nichts. Und wer investiert, der spart doch nichts, oder? Aus diesem Grunde habe ich auch zuvor folgende Sichtweise kundgetan:

„Die Verzinsung von Spareinlagen kann nur darin eine Rechtfertigung finden, als dass sie als Investition in das Anlagevermögen des jeweiligen Geldemittenten angesehen werden kann. Dieser Geldemittent muss also ein vom Konkurs bedrohter Betriebswirt sein – allgemein vom Konkurs bedroht (wie alle Betriebswirte - fallibel), und nicht notwendigerweise außerordentlich, wie man hier hätte fälschlich vermuten können. „

In dieser Passage finden wir nun auch eine hauptsächlich für uns Debitisten geläufige Vokabel, lautend: „fallibel“ in Abgrenzung zu „infallibel“, welche wiederum eine zentrale Rolle in der debitistischen Fehler-Diagnose einnimmt.. Nach traditionell debitistischer Sicht regelt sich auf dem Privatsektor in dem hier gegebenen Zusammenhang nämlich alles von allein, weil das Bestehen des Schuldners durch Forderungen beseitigenden Konsum bedingt ist. Kein Privater Schuldner (also auch die Banken und das von ihnen emittierte Giralgeld) kann bestehen, ohne dass durch ihn konsumiert wird. Auf dem Privatsektor stirbt mit dem Schuldner auch das von ihm emittierte „Geld“. Mit präziser Treffsicherheit weißt PCM somit auf den System-inkompatiblen infalliblen/nicht-leistenden Schuldner namens „Staat“ hin.

An dieser Stelle gäbe es noch vieles zu erörtern, aber ich möchte mich hier mit dem Hinweis begnügen, dass ich (so weit ich das sagen kann) das debitistische System für grundsätzlich verschieden halte zu der traditionellen VWL, und dass ich das debitistische Modell wegen seiner ungleich höheren Effektivität für das als zu bevorzugende erachte. Dennoch lehne ich viele der einschlägigen Folgerungen in Richtung Marktfundamentalismus oder Stammesgesellschaft kategorisch ab. Überhaupt scheint es mir in meiner Weltsicht als kaum noch zu bezweifelnde Gewissheit, dass die orthodoxe Ökonomik nur lanciert wurde, um die im Debitismus beschriebene Natur des Wirtschaftens dahinter zu verbergen. Freilich als ein Mittel, um eine demokratische Selbstverwirklichung der Völker damit zu unterbinden. Die Wirkung der globalen Staatsverschuldung konnte unter Anwendung des Debitismus sehr einleuchtend beschrieben werden. Nur war PCM bekanntlich auch ein Schüler von Milton Friedman. So darf man heute vermuten, dass PCM dessen Markt-fundamentalistische Sicht bereits zur Grundlage gemacht hat, ehe er daran ging, nun den Debitismus zu formulieren. Friedman's „Nachtwächterstaat“ ist aber eine gedankliche Fehlleistung von der Sorte, für die nun bevorzugt s.g. Nobelpreise verliehen werden. Für PCM war der Staat von sich aus bereits etwas Schlechtes, und so konnte er nicht erkennen, dass er nur deshalb schlecht ist, weil er sabotiert wird. Den Schlüssel zum Verständnis hielt PCM mit seiner „Goldenen Lösung“ längst in Händen, allerdings passte dieser auch nicht so Recht in das Skript für den seinerzeit zu vermarktenden, aufreizend schaurigen Titel „Staatsbankrott“. Dieser Staatsbankrott hätte nun aber bereits in den 80'er Jahren des vergangenen Jahrhunderts stattfinden sollen. Dass dieser sogar bis heute noch auf sich warten lässt zeigt nur, dass den Notenbankern das Prinzip der Goldenen Lösung auch nicht neu ist – aber auch, dass es zutrifft. Es ist nämlich schon richtig, der Staat ist infallibel. Das gesamte Problem ist nur die durch die „hochgebuchten Zinsen“ (PCM) induzierte „Scheinwirtschaft“ (ebenfalls PCM). Diese Zinsen könnte der Staat aber einfach weglassen indem er seine Papiere über seine eigene Notenbank monetarisiert (zu Schuldendeckungsmitteln macht). Die Goldene Lösung zeigt das selbe Prinzip auf, und würde auch gehen. Allerdings bedeutet sie nur einen inzwischen überflüssigen Umweg, denn die Rolle die Gold in früheren Tagen einmal spielte, hat mit dem Aufkommen der Zentralbanken deren eigenes Notenbankgeld bereits übernommen. Man könnte dieses selbst als eine Art "Virtuelles Gold" betrachten, welches der Staat nach politischem Kalkül erschaffen kann. Ob man nun physisches Gold aufwertet, oder funktionales virtuelles Gold erzeugt, kann zu dem selben Ergebnis führen, so ähnlich wie auch die Rechnung 10 mal 100 oder 100 mal 10 zu den selben Ergebnis führt.

Schöne Grüße

--
... in Wirklichkeit ist ... immer alles ganz anders, als es ... in Wirklichkeit ist ...


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