Ergänzend kurz zur mykenischen Palastkultur bzw. Palastwirtschaft
Guten Tag,
danke!
Mal so ganz platt ins unreine gesprochen soll die Palastwirtschaft wohl das Übergangsstadium von der Tempel- zur Privatwirtschaft darstellen. Und im Palast hatten dann vermutlich schon wir Männer die Hosen an.
Was die mykenischen Palastkultur angeht, so habe ich hier ein kleines Fundstück: „Abgaben an den Kult und ‘symbolisches Kapital’ in der mykenischen Palastkultur“
Darin findet sich ein randständiges debitistisches bon mot:
"Ich würde sogar vermuten, dass der Mobilität dieser Prestigeobjekte klare Grenzen gesetzt waren: solche Preziosen, bei denen der symbolische Wert weitaus wichtiger als der materielle war, zirkulierten offensichtlich nur innerhalb eines zeremoniellen Kreislaufes und flossen nie in kommerzielle Bahnen: die Könige beschenkten ihre Partner, Beamte und Götter, die Beamten weihten ihrerseits ebenfalls Kostbarkeiten an die Götter usw. Dieses symbolische Kapitel konnte offensichtlich nur zu bestimmten Anlässen aktiviert werden: bei einer königlichen Audienz, einer Hofzeremonie, einem religiösen Fest oder einem Bestattungsritual, wo die Kostbarkeiten getragen, gezeigt und – im zeremoniellen Höhepunkt – abgegeben oder abgelegt wurden. Etwas problematisch ist allerdings die Tatsache, dass der kultische Bereich offensichtlich ein dead end dieses Kreislaufes darstellte – denn die kostbaren Weihungen wurden nicht weitergegeben. Durch die periodische Wiederholung der Darbringungen vermehrte sich die Zahl der Preziosen ständig. Dieser ‘Stau’ von zahlreichen Prunkgegenständen in den Heiligtümer dürfte sicherlich unter Umständen Auslöser wirtschaftlicher Krisen oder sozialer Spannungen gewesen sein. In dieser Hinsicht lassen uns allerdings unsere Quellen im Stich."
Das erinnert mich ein wenig an die Freiwirte: Die Kohle muss nur fleißig im Umlauf gehalten werden und alles wird gut.
Sofern es dich nicht stört, dass es einer theologischen Fakultät entspringt, wo bekanntlich nur die ahnungslosen Prediger des Wahnsinns beheimatet sind, kann ich noch auf die Dokumentation eines Seminars an der UNI Basel verweisen:
TempelwirtschaftGliederung.pdf
TempelwirtschaftTeil1.pdf
TempelwirtschaftTeil2.pdf
TempelwirtschaftTeil3.pdf
[link=http://eva.unibas.ch/download/79363-Quelle_01-9_zu_'Tempelwirtschaft'.pdf]Quelle_01-9_zu_'Tempelwirtschaft'.pdf[/link]
[link=http://eva.unibas.ch/download/79364-Quelle_10-16_zu_'Tempelwirtschaft'.pdf]Quelle_10-16_zu_'Tempelwirtschaft'.pdf
[/link]
Mir scheint es plausibel, die Frauen –eben die Priesterinnen der Tempel-
haben das Schreiben von Wörtern und Zahlen erfunden und damit _d_e_n_
Grundstein für die Zivilisation gelegt.
In mir kursiert zusätzlich die Idee, dass die Frauen, aus lauter Langerweile beim Sammeln und Abhängen mit ihren Kindern, die Sprache entwickelt haben, während die Männer bei der gemeinsamen Jagd genug Action hatten und sich mit ein paar Uka-Uka-Ruflauten hinreichend gut unterhalten fühlten. Belege für meine Idee finden sich noch heute in den Hausfluren dieser Republik. Wenn meine Frau verkündet, sie geht mal kurz zur Nachbarin hoch, um ihr ein Buch zurück zu geben, geht dies nie ohne ein mindestens halbstündiges Palaver an der Wohnungstür über die Bühne. Männer fassen sich dagegen tendenziell eher kurz. Sprache mussten die Männer nur lernen, damit sie die klaren Ansagen des starken Geschlechts im familiären Oikos kapierten. Es ist aber auch möglich, dass ich an dieser Stelle leichtfertig von meiner persönlichen prekären häuslichen Situation auf das Allgemeine schließe.
Mit freundlichen Grüßen
Schneider