Danke + noch paar Fragen (für mich zum Weiterdenken)
Hi Liated,
vielen Dank für die Infos!
Die Tempel trieben via ihre Handelsagenten auch Tauschhandel mit
andern
Tempeln. Aber nicht auf der Basis von Edelmetall als angebliches
Tauschmittel, sondern schlicht mittels unbarem Verrechnen (aka:
Clearing).
- Weißt Du etwas darüber, ob die Tempel nur bilateral oder auch
multilateral verrechnet haben?
Nur bilateral (aka: denzentral, also ohne Zentrale).
Hatte ich so schon vermutet. Also konnte der jeweilige Gläubiger seine Forderung nicht zu "Zahlungszwecken" an Dritte weiterreichen (korrekt?) - also war auch keine spekulative Blasenbildung (Herdenverhalten) möglich, würde ich sagen.
- Was passierte mit den Restsalden nach Verrechnung? Wurden sie
stehengelassen und ggf. die Fälligkeit verlängert?
- Gab es konkrete Fälligkeitstermine? t
M.W. nicht. Auf den jährlichen Abrechnungen (-->könnte man "Fibu-Beleg"
nennen) der Handelagenten wurde der Saldo simpel aufs nächste Jahr
übertragen: Sprich stehen gelassen, für weiteres Verrechnen (Clearing).
Ok. Da wäre die Frage, inwieweit Gläubiger und Schuldner hier Vereinbarungen fürs weitere Vorgehen getroffen haben. Wenn man das sinnvoll untersuchen will, bräuchte man genauere Informationen über den Inhalt der Transaktionen, das geltende "Recht", usw.
- gab es eine allgemeine Recheneinheit?
I.d. R. war es beim Tauschhandel _unter_ den Tempeln (später Palästen)
die abstrakte Recheneinheit "Silber".
Wobei aber, wenn Forderungssalden stehengelassen wurden, reales Silber gar nicht als Zahlungsmittel gebraucht wurde, sondern nur als Wertstandard - als "money of account". Korrekt?
In diesem Fall wäre die Forderungssumme auch nicht begrenzt durch vorhandene Silbervorräte - sondern eine solche Begrenzung wäre von vornherein unsinnig, da ja ausschließlich verrechnet wird, d.h. die Forderungen selbst als "Zahlungsmittel" genutzt werden: A kauft bei B Gerste im Wert von 100 Silbereinheiten, B hat nun eine Forderung gegen den A über 100 Silbereinheiten. Nun kauft A bei B Wolle im Wert von 100 Silbereinheiten und "bezahlt", indem er dem B die gegen diesen gerichtete Forderung zurückreicht, die damit vernichtet wird. Erfüllt wurde sie in Gütern im Wert des Forderungsbetrags.
In dem von mir gebrachten Beispiel aus dem 2040 v. Chr, waren es drei
Sorten Wolle unterschiedlicher Qualität sowie Datteln, die mit der Floskel
<<ihr Silber (Wert)>> (auf sumerisch kù) verrechnet wurden mit dem "kù"
von erhandelten Gütern wie u.a diverse Öle, aromatische Harze,
Pflanzensamen für Parfüm, Salz, Alkali, Bitumen, Gips, alkalhaltige
Pflanzen, Kupfer.
- Konnten sie ausschließlich in Handlsgütern oder auch in einem
"Zahlungsmittel" beglichen werden? Vermutlich nicht!
Richtig, es gab damals kein Standard-Zahlungsmittel.
Da diese wegen des Clearing nicht benötigt wurden, sondern Silber nur als Wertstandard gebraucht und genutzt wurde?
- Ist etwas über die "Preisbildung" bzw. das Zustandekommen der
relativen
Tauschraten bekannt?
Der Handelsagent war ja ein Gesandter des Herrscher-Haushaltes (H-H), das
den kù-Wert der Wolle und Datteln festsetzte, das der Handelsagent bei
andern H-H umtauschen sollte, die ihrerseits dem eigen Handelagenten Preis
ebenfalls vorschrieben.
Mh, verstehe. Hier wäre die Frage, wie genau und aufgrund wecher Motive dann Preisänderungen festgesetzt wurden.
Auch intern im Stadt-Staat, setzte jeweils der Herrscher die Relationen
unter den abstrakten Rechen-Einheiten fest: Das erwähnte kù konnte man
beispielsweise in "weibliche Arbeitszeit" oder "Gerste" bzw. vice versa
umrechnen. "Gute" solche Preis-Relationen, wurde als gutes Regieren
empfunden.
Interessant.
Ich würde meinen, solche Preisrelation waren inter-regional
üblich und eingespielt. Schachern und Feilschen passen gar nicht zur
damaligem Handelsmentalität, und wären (vermute ich) ein Affront gegen
das Herrscher-Haus gewesen.
Ja, würde ich auch vermuten. Die Frage wäre also, wie kommt es zur Zession unter "Privaten", und damit der Möglichkeit von "Credit Bubbles" mit spekulativen Preisinflationen. Eine Voraussetzung wäre auch freie Preisbildung am Markt. Und aus dieser Zession (Gläubigerwechsel) als Grundform multilateraler Clearing-Beziehungen dürften dann Banken entstanden sein - waren das zuerst private Banken? Oder "öffentliche" (dem Herrscherhaus unterstellte)?
Alles spannende Fragen!
Gruß
PE