Mesopotamien: (Un)Fakten und aufheulende Machos;-)

Liated mi Lefuet, Mittwoch, 01.04.2015, 12:44 (vor 3940 Tagen) @ trosinette5083 Views
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 01.04.2015, 13:25

Sali Trosinette

Zara schrieb:

Die Vorstellung von einer friedlichen Tempel-HERRSCHAFT
(Tempel-Wirtschaft) ist ein Witz, und zwar ein ziemlich
geschmackloser.

Trosinette schrieb:

Vermutlich haben die Leutchens von der organisierten Gewalt, die sie zur
Tempel-Wirtschaft verführt hat, nichts mitbekommen. Der Prozess war doch
sicherlich eher ein schleichender und keiner, der von heute auf morgen mit
der Brechstange vollzogen wurde.

Kann man so sagen.

Ich habe mich nie besonders darum gekümmert, wieso eigentlich Tempel grosso modo offenbar friedlich waren. Jetzt habe ich es nachgeholt und bei Gerard Bott gestöbert: dieses Dokument mit Stichwort Uruk durchsuchen. Ich zitiere einige Kern-Aussagen daraus (fett gedruckte Wörter stammen von ihm).

Laut Bott: Männliche Tempelpriester hat es offenbar gar nie gegeben. O-Ton Bott, S. 87 ganz unten: Warum war die Tempelwirtschaft den sumerischen Königen ein Dorn im Fleisch ? Die Erklärung ist darin zu sehen, dass die Tempel in sumerischer, ja sogar bis in akkadische Zeit verwaltet und kontrolliert wurden von einer weiblichen Elite. Sprich Priesterinnen.

Ihre Religion wurzelte in der Göttin „Inanna“ (später wurde sie zu Ishtar umbenannt). Statt von HERRschaft zu plappern, wäre wohl den Begriff FRAUschaft angebrachter, passender. Ohne „theologische Legimitation“ durch eine Hohepriesterin (sprich mit ihr das religöse Ritual „heilige Hochzeit“ halten, also auch mit ihr Sex zu haben) konnte niemand König werden. Die Priesterinnen hatten über zig Generationen wirtschaftlich _u_n_d_ politisch das Sagen. Offenbar Jahrhunderte vor dem Städtebau und danach ab 3500 v. Chr bis 2700 v. Chr . Dann versuchte O-Ton Bott …dieser Uruk-König um 2.700 v. Chr. -wenn auch vergeblich- versuchte, den Tempel seiner ökonomischen Funktion (die ja politische Macht verlieh) zu berauben und das produktive Grund- und Vieh-Vermögen zugunsten der Krone zu enteignen. Danach erobert König König Lugalanda 2300 v. Chr. den Tempel von Lagasch (einer von vielen Tempeln) und enteignet ihn zu seinen Gunsten.

Ca. 2250 eroberte König Sargon und seine Truppen das erste Mal in der Geschichte Mesopotamiens alle Tempel. Aber selbst Sargon kam nicht um die Religion und die Tempel herum. O-Ton Bott, S. 88 unten, S. 89 : Auch ein patriarchalischer Equiden-Krieger und Militarist wie Sargon konnte noch nicht umhin, eine Frau als Hohepriesterin an die Spitze des gesamten Tempelwesens seines Reiches zu berufen. Er übertrug das Amt seiner Tochter EN.KHEDUANNA. Als Hohepriesterin des Inanna-Tempels in Uruk übte sie zugleich die pontifikale Oberhoheit über alle Inanna-Tempel aus, die es in jeder Stadt gab, und spätestens ab 2.250 v.. Chr. auch über das gesamte Tempelwesen des Reiches. Sie war damit Inhaberin eines königlichen Amtes…(.)…
...Auch wenn die politisch, wie ökonomisch mächtige Hohepriesterin in den meisten Fällen die Ehefrau oder Tochter des Stadt-Königs war, so dass de facto der König die Kontrolle über den Tempel-Reichtum ausübte, so blieben diesen aristokratischen Priesterinnen doch grosse politische Mitwirkungsrechte und durch die Tempel-Wirtschaft auch ökonomische Unabhängigkeit erhalten: Die Ernten, die auf dem , von Knechten gepflügten, beackerten und abgeernteten Grossgrundbesitz produziert und im Tempel auf Vorrat gehalten wurden, die Öl- und Bier-Poduktion, die Milch- und Fleischprodukte der Herdenbewirtschaftung, all dieser Reichtum blieb unter der Kontrolle und Verfügungsmacht der Tempel-Hierarchie, wenn auch in Absprache mit dem König. Bei Bedarf konnte der Tempel als eine Art "Sozialamt" Güter auch an Bedürftige verteilen, d.h. der Tempel blieb , ein halb-öffentlicher , noch nicht privatisierter , Sektor , ein Relikt des vormaligen Gemeinschafts-Eigentums; ein "Ministerium" für Religion , Soziales, Gesundheit und Kultur.
(unterstrichene Wörter von mir).

In Wikipedia (Stichwort: Sumerer) steht nachzulesen, Ein wichtiger Punkt in der Geschichte der Sumerer stellt die Wirtschaft dar und ganz speziell die Tempelwirtschaft. So arbeitete nicht jeder für sich alleine auf seinem Feld, sondern er tat es für die Allgemeinheit bzw. für den Tempel, der die Ernte sammelte und verwaltete

Und zur Herkunft der Sumerer, die Bott (fälschlicherweise?) als Invasoren verortet, meint Wikipedia:Die Herkunft der Sumerer ist bis heute nicht endgültig geklärt. Es gibt in der Wissenschaft zwei Thesen zur Herkunft der Sumerer. Die eine geht davon aus, dass die Sumerer eingewandert sind; dies wird an einer entfernten Ähnlichkeit zu agglutinierenden Sprachen wie Ungarisch, Finnisch und Türkisch festgemacht, deren Ursprung in den Uralsteppen gesehen wird und damit auch die Heimat der Sumerer wäre. Es zeigen sich jedoch außer dem ähnlichen Vorgehen, die Wörter zu bilden, keine weiteren Gemeinsamkeiten weder in der Sprache noch in den Kulturhinterlassenschaften, weswegen mittlerweile viele Forscher eher zu der These tendieren, dass die Sumerer eine lokal ansässige Kultur waren. (Unterstrichene Wörter von mir)


Nota bene: Am spannendsten bleibt aber etwas Fundamentales übrig (die Machos weltweit werden aufheulen;- ). Mir scheint es plausibel, die Frauen –eben die Priesterinnen der Tempel- haben das Schreiben von Wörtern und Zahlen erfunden und damit _d_e_n_ Grundstein für die Zivilisation gelegt. Nicht wir Männer *autsch* :- ), die m.E. sowieso zu einfach gestrickt sind und bekanntlich nur das Eine wollen;- ) Woher die Frauen diese geniale Erfindung herhaben könnten? Lass mich spekulieren: Vermutlich aus dem Schoss der Göttin Inanna, von der eine Legende berichtet: Nachdem im Tempel von Uruk die Krönung Inannas erfolgt war, begab sie sich in ihren heiligen Garten und lehnte sich an einen Apfelbaum. Kritisch betrachtete sich Inanna; ihr Hauptaugenmerk legte sie auf ihren Schoß. Nach einer Weile bejubelte sich Inanna selbst: „Ich bin die Königin aller Sterne. Die Weisheit des Lebens kommt aus meinem Schoß, der wunderbar ist..“

Fazit: Penisneid sei Dank! Uns männlichen Dumpfbacken verbleibt immerhin der Trost, die Frauen sind neidisch auf unsern Schniedelwutz :- )

Kontemplative Grüße
Liated


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