Nach-matrifokale Stammesgesellschaften...
Noch kurz zu @Hinterbänkler’s Ansichten: Sehe ich grosso modo auch so.
Ja, Matriarchate leb(t)en offensichtlich viel friedlicher und sanftmütiger
als Patriarchate. Aber dabei sollten wir nicht vergessen, bspw. für die
friedlichen Urvölker der Hazda (Ostafrika) oder Piraha (im Urwald an einem
Seitenarm des Amazonas) trifft weder das eine noch das andere zu, sondern
schlicht „gleichberechtigt“ (ähnlich wie es Mann/Frau bei den
Indianern waren). Besonders faszinierend: Weder Piraha noch Hazda sind
religiös. Was sie wohl vom indianischen "Uakan-Tanka"
(auch "Wakan-Tanka"
genannt) dächten, der keine Frau, kein Mann sei, sondern etwas
Geheimnisvolles, das der gesamten Natur „innewohne“?
Hallo Liated,
Bott hat meiner Meinung nach gut aufgezeigt, dass in den Stammesgemeinschaften vor 10.000+ Jahren noch kein Bewusstsein über die Befruchtung der Frau durch den Mann gab. Daher hatte die Frau noch die überragende Fähigkeit aus sich selbst heraus zu gebären. Entsprechend ihr Selbstbewusstsein bzw. das Selbstbewusstsein der Männer. Das ist keine Frage der Gleichberechtigung, da derartige Rechtsvorstellungen nicht existierten. Man hat möglicherweise hie und da die Große Göttin 'angebetet'. Ob man sich dies als religiöse Handlung vorstellen sollte oder nur ein Idolisieren kann man meiner Meinung nach aus den Artefakten wohl (noch) nicht schliessen.
Die Stämme im Amazonas Gebiet leben zeitlich ca. 9.000 Jahre nach der Erkenntnis der Zeugung durch die Männer. Inwiefern und wann sich das Wissen bis dorthin durchgeschlagen hat, kann ich nicht sagen. Jedenfalls glaube ich, das das u. a. wesentlich ist für nach-matrifokale d. h. für patriarchalische Strukturen innerhalb eines Stammes.
Auf dem amerikanischen Kontinent gab/gibt es wohl viele Stämme, bei denen es neben Mann und Frau auch ein drittes Geschlecht gibt. Dieses hat oftmals einen höheren gesellschaftlichen Wert. Dass es "etwas Geheimnisvolles, das der gesamten Natur innewohne" ist, ist möglicherweise eine spezielle Färbung einer oder mehrerer Gruppen.
Danke und Gruß
Hinterbänkler
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...und es gibt überhaupt gute Gründe dafür, zu mutmassen, daß in einigen Stücken die Götter insgesamt bei uns Menschen in die Schule gehen könnten. Wir Menschen sind - menschlicher ...
Friedrich Nietzsche 'Jenseits von Gut und Böse'