Uralt, das Bancor-Problem
Sali PE
- Was passierte mit den Restsalden nach Verrechnung? Wurden sie
stehengelassen und ggf. die Fälligkeit verlängert?
- Gab es konkrete Fälligkeitstermine? t
M.W. nicht. Auf den jährlichen Abrechnungen (-->könnte man
"Fibu-Beleg"nennen) der Handelagenten wurde derSaldo simpel
aufs nächste Jahrübertragen: Sprich stehen gelassen, für
weiteres Verrechnen Clearing).
Wobei aber, wenn Forderungssalden stehengelassen wurden, reales Silber gar
nicht als Zahlungsmittel gebraucht wurde, sondern nur als Wertstandard -
als "money of account". Korrekt?
Ja.
- Ist etwas über die "Preisbildung" bzw. das Zustandekommen der
relativen Tauschraten bekannt?
Melde mich dazu später.
Nur bilateral (aka: denzentral, also ohne Zentrale).
Hatte ich so schon vermutet. Also konnte der jeweilige Gläubiger seine
Forderung nicht zu "Zahlungszwecken" an Dritte weiterreichen (korrekt?) -
also war auch keine spekulative Blasenbildung (Herdenverhalten) möglich,
würde ich sagen.
Richtig: Der Gläubiger konnte seine Forderung nicht zedieren. Auf diese Blitzidee kamen nach meinem momentanen Wissenstand erst Private Unternehmer im 1800 v. Chr. Ich befürchte der „Random Walker“, von dem ich immer fasle, hatte von 3400 - 1800 v.Chr. viel Zeit die Verrechnungsalden (Zuerst unter den Tempeln, dann unter Palästen) schleichend langsam hoch zu schaukeln und für Streit, Hader und Chaos zu sorgen. (Neben andern langfristigen Effekten, die ich vermute: ausgelaugte und via Bewässern versalzene Böden, klimatisch sich verschlechternde Bedingungen. Sprichwörtlich: Ein Unglück kommt selten allein).
M.W. nicht. Auf den jährlichen Abrechnungen (-->könnte man
"Fi bu-Beleg" nennen) der Handelsagenten wurde der Saldo
simpel aufs nächste Jahr übertragen: Sprich stehen gelassen,
für weiteres Verrechnen (Clearing).
Ok. Da wäre die Frage, inwieweit Gläubiger und Schuldner hier
Vereinbarungen fürs weitere Vorgehen getroffen haben. Wenn man das
sinnvoll untersuchen will, bräuchte man genauere Informationen über den
Inhalt der Transaktionen, das geltende "Recht", usw.
Trotz intensiver Suche: Zum geltenden Recht habeich nichts gefundenen. Der Inhalt der Transaktionen ist fein bis ins Detail dokumentiert. Was genau möchtest Du wissen?
In diesem Fall wäre die Forderungssumme auch nicht begrenzt durch
vorhandene Silbervorräte - sondern eine solche Begrenzung wäre von
vornherein unsinnig, da ja ausschließlich verrechnet wird, d.h. die
Forderungen selbst als "Zahlungsmittel" genutzt werden: A kauft bei B
Gerste im Wert von 100 Silbereinheiten, B hat nun eine Forderung gegen den
A über 100 Silbereinheiten. Nun kauft A bei B Wolle im Wert von 100
Silbereinheiten und "bezahlt", indem er dem B die gegen diesen gerichtete
Forderung zurückreicht, die damit vernichtet wird. Erfüllt wurde sie in
Gütern im Wert des Forderungsbetrags.
Völlig richtig. Könnte man so ergänzen: Erfüllt wurde sie in Gütern im Wert des Forderungsbetrags: Was den Erfüller entschuldete und den Erfüllten entguthabte.
Da dieses wegen des Clearing nicht benötigt wurden, sondern Silber nur als
Wertstandard gebraucht und genutzt wurde?
Ja. Silber in specie spielte nur eine marginalste Rolle wegen des allgegenwärtigen Clearings.
Mh, verstehe. Hier wäre die Frage, wie genau und aufgrund wecher Motive
dann Preisänderungen festgesetzt wurden.
Melde mich dazu später.
Auch intern im Stadt-Staat, setzte jeweils der Herrscher die Relationen
unter den abstrakten Rechen-Einheiten fest: Das erwähnte kù konnte
man beispielsweise in "weibliche Arbeitszeit" oder "Gerste" bzw. vice
versa umrechnen. "Gute" solche Preis-Relationen, wurde als gutes
Regieren empfunden.
Interessant.
Ja und das Paradebeispiel, das angebliche Schwierigkeiten Tausch-Partner zu finden, so locker vom Hocker umgangen wurden. Ohne dass es ein angebliches Standard-Tauschmittel gebraucht hätte.
Ich würde meinen, solche Preisrelation waren inter-regional
üblich und eingespielt. Schachern und Feilschen passen gar nicht zur
damaligem Handelsmentalität, und wären (vermute ich) ein Affront
gegen das Herrscher-Haus gewesen.
Ja, würde ich auch vermuten. Die Frage wäre also, wie kommt es zur
Zession unter "Privaten", und damit der Möglichkeit von "Credit Bubbles"
mit spekulativen Preisinflationen.
Und aus dieser Zession (Gläubigerwechsel) als
Grundform multilateraler Clearing-Beziehungen dürften dann Banken
entstanden sein - waren das zuerst private Banken? Oder "öffentliche" (dem
Herrscherhaus unterstellte)?
Tempel (später Paläste) übten keinerlei Bankfunktionen aus. Das weist Renger klipp und klar nach.
Die seinerzeit wohl im 18.Jh. v. Chr. aufkeimenden Proto-Banker konnten mit ihrem Kundenkreis zentral (aka: multilateral) verrechnen.
Aber die Proto-Banker u n t e r e i n a n d er im inter-regionalen Rahmen konnten allerhöchstens wiederum nur dezentral (aka: bilateral) verrechnen, weil Ihnen eine zentrale Abrechnungsstelle à la Bancor fehlte. Du siehst: Das Problem das u.a. Keynes entdeckte, ist Jahrausende alt und wird eben solange nicht (an)erkannt, ignoriert. Leider:- (
Freundlicher Gruss
Liated