Preise, Handel und Verrechnen in Mesopotamien

Liated mi Lefuet, Dienstag, 24.03.2015, 19:56 (vor 3948 Tagen) @ politicaleconomy5377 Views
bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 26.03.2015, 15:52

Sali PE

Die Tempel trieben via ihre Handelsagenten auch Tauschhandel mit andern
Tempeln. Aber nicht auf der Basis von Edelmetall als angebliches
Tauschmittel, sondern schlicht mittels unbarem Verrechnen (aka:

Clearing).

- Weißt Du etwas darüber, ob die Tempel nur bilateral oder auch
multilateral verrechnet haben?

Nur bilateral (aka: denzentral, also ohne Zentrale).

- Was passierte mit den Restsalden nach Verrechnung? Wurden sie
stehengelassen und ggf. die Fälligkeit verlängert?
- Gab es konkrete Fälligkeitstermine? t

M.W. nicht. Auf den jährlichen Abrechnungen (-->könnte man "Fibu-Beleg" nennen) der Handelagenten wurde der Saldo simpel aufs nächste Jahr übertragen: Sprich stehen gelassen, für weiteres Verrechnen (Clearing).

- gab es eine allgemeine Recheneinheit?

I.d. R. war es beim Tauschhandel _unter_ den Tempeln (später Palästen) die abstrakte Recheneinheit "Silber".

In dem von mir gebrachten Beispiel aus dem 2040 v. Chr, waren es drei Sorten Wolle unterschiedlicher Qualität sowie Datteln, die mit der Floskel <<ihr Silber (Wert)>> (auf sumerisch kù) verrechnet wurden mit dem "kù" von erhandelten Gütern wie u.a diverse Öle, aromatische Harze, Pflanzensamen für Parfüm, Salz, Alkali, Bitumen, Gips, alkalhaltige Pflanzen, Kupfer.

- Konnten sie ausschließlich in Handlsgütern oder auch in einem
"Zahlungsmittel" beglichen werden? Vermutlich nicht!

Richtig, es gab damals kein Standard-Zahlungsmittel.

- Ist etwas über die "Preisbildung" bzw. das Zustandekommen der relativen
Tauschraten bekannt?

Der Handelsagent war ja ein Gesandeter des Herrscher-Haushaltes (H-H), das den kù-Wert der Wolle und Datteln festsetzte, das der Handelsagent bei andern H-H umtauschen sollte, die ihrerseits dem eigen Handelagenten Preis ebenfalls vorschrieben.

Auch intern im Stadt-Staat, setzte jeweils der Herrscher die Relationen unter den abstrakten Rechen-Einheiten fest: Das erwähnte kù konnte man beispielsweise in "weibliche Arbeitszeit" oder "Gerste" bzw. vice versa umrechnen. "Gute" solche Preis-Relationen, wurde als gutes Regieren empfunden. Ich würde meinen, solche Preisrelation waren inter-regional üblich und eingespielt. Schachern und Feilschen passen gar nicht zur damaligem Handelsmentalität, und wären (vermute ich) ein Affront gegen das Herrscher-Haus gewesen.

Freundlicher Gruss
Liated


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