Ich kenne da auch noch ein Märchen...
... scheint
mit
gewissen Risiken verbunden gewesen zu sein.
Hallo Zarathustra,
es ist wirklich spannend wie die Bücher von Castaneda aufgenommen werden.
Die meisten, die ihn als Phantast oder Fälscher abtun, haben nur maximal die ersten zwei oder drei Bücher gelesen.
Darin geht es um Drogen und Indianer-Romantik und geheimnisvolle Sprüche.
Genau wie der Typ, den Du verlinkt hast und der keine Ahnung hat, wovon er spricht - Standardjournalismus aus den typischen Agenturberichten der damaligen Zeit.
Zudem wurde damals bekannt, dass Castaneda nicht wissenschaftlich anthropologisch gearbeitet hat.
Deshalb nenne ich ihn auch Märchenonkel.
Der Doktortitel ist tatsächlich ein Witz und berechtigt natürlich zu einem fetten Fragezeichen bezüglich der Arbeitsqualität der UCLA (Universität L.A.).
Dann wurde das Thema in der öffentlichen Wahrnehmung ad acta gelegt.
Diejenigen, die dann weitere Bücher gelesen haben, konnten eben ein Bewusstseinsmodell erfahren, das unsere Bewusstseinsphänomene bestens 'erklärt' und uns Handwerkszeug an die Hand gibt, im Bewusstseinsraum zu navigieren, wie das Castaneda zum Schluss so nannte.
Das Modell nennt er die 'Erklärung der Zauberer', mit dem man am besten aktiv was anfangen kann, wenn man bestimmte Ersterfahrungen kennt.
Das ist dann auch der Grund, warum ich bestimmte Bücher mehr als 15x gelesen habe.
Allerdings zu einer Zeit, wo ich noch nicht die Märchen aus dem Gelben Forum (einschließlich meiner eigenen Beiträge) mit dem Tablet ins Bett nehmen konnte.
Das war auch die Zeit, in der Castaneda ein Phänomen war.
Das hat sich natürlich in den späten 80er und 90er-Jahren geändert, wo er in Los Angeles öffentlich auftrat und zwei Follower-Gruppen aufgebaut hat.
International wurde erst mit dem Internet ab ca. 1996 bekannt, dass Castaneda Workshops in LA gibt.
Ich kenne praktisch alle Leute aus beiden Gruppen persönlich, auch die sog. Hexen, die teilweise - wie im verlinkten Artikel beschrieben - verschwunden sind.
Meine These ist - und mit dieser Wahrnehmung bin ich unter den Castaneda-Interpreten allein - dass Castaneda diese beiden Gruppen über viele Jahre bewusst gegenseitig extrem eifersüchtig gemacht hat, indem er jeder Gruppe andere Dinge gesagt hat bzw. andere Aufgaben gab und fast niemandem erlaubte die Gruppe zu wechseln.
Vor allem die Leute der älteren und informellen 'Sonntagsgruppe' wollten mit allen Mitteln zu der 'offiziellen' bzw. öffentlichkeitswirksamen, plötzlich aus teilweise Unbekannten etablierten Gruppe Cleargreen, die die Rechte erbten (Bücher und Tensegrity TM) und die lukrativen Workshops ausrichteten.
Dass zwei Leute die Gruppe wechseln durften, hat den Stachel der Rivalität natürlich noch mehr ins Fleisch versenkt.
Für alles gibt es ne Tonne von Dokumenten, neben den vielen Gesprächen, die ich führte.
Castanedas Ziel war, sich selbst als Religionsstifter nach seinem Tod zu demontieren (so meine These).
Tatsächlich haben sich beide Follower-Gruppen sofort nach seinem Tod gegenseitig kaputt gemacht.
Castaneda hatte das Zeug zum weltumspannenden Guru - was man bei seinen Workshops sehr gut erfahren konnte - aber er selbst und seine offizielle Gruppe Cleargreen wurde von den Leuten der Sonntagsgruppe öffentlich aufs Übelste demontiert und umgekehrt, nachdem er nicht mehr selbst die Zügel in der Hand hatte.
Damit ließ sich dann eben kein Staat machen und Cleargreen hat jetzt eben so eine Art kleiner Sektenstatus für eine bestimmte Art von Followern.
In den ganzen Auseinandersetzungen sehe ich auch Gründe für den Freitod von 5 'Hexen'.
Also die Leute, die meinen, ihn aufgrund der 3 genannten Bücher beurteilen zu können bzw. erst nach dem Tod über Cleargreen/Tensegrity zu Castaneda stießen, kann ich nicht ernst nehmen.
Ich arbeite zur Zeit an einer Zusammenfassung der 'Erklärung der Zauberer', bin mir aber nicht sicher, ob sie so verdichtet verstanden werden kann.
Bei Bedarf stelle ich sie mal rein.
Soviel von mir als selbstlegitimierter Märchenonkel.
Danke und Gruß
Hinterbänkler
------------- Bonusmaterial ---------------
"Jetzt an diesem Punkt, sagt der Lehrer normalerweise zu seinem Schüler, daß sie einen letzten Scheideweg erreicht haben. Derlei ist aber irreführend. Meiner Meinung nach gibt es keinen letzten Scheideweg, überhaupt keinen letzten Schritt, wohin auch immer. Und da es keinen solchen letzten Schritt gibt, sollte es eigentlich auch kein Geheimnis um irgendeinen Teil unseres Geschicks als leuchtende Wesen geben. Die persönliche Kraft entscheidet, wer von einer Offenbarung profitieren kann und wer nicht. Meine Erfahrungen mit meinen Mitmenschen haben mir gezeigt, daß nur sehr, sehr wenige bereit sind zuzuhören, und von denen, die zuhören, sind noch weniger bereit, in ihrem Handeln zu befolgen, was sie gehört haben. Und von denjenigen, die bereit sind, entsprechend zu handeln, haben noch weniger genügend persönliche Kraft, um von ihren Handlungen zu profitieren. Das Geheimnis um die Erklärung der Zauberer reduziert sich mithin auf eine Routine - eine Routine, die vielleicht ebenso hohl und leer ist wie alle anderen auch."
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...und es gibt überhaupt gute Gründe dafür, zu mutmassen, daß in einigen Stücken die Götter insgesamt bei uns Menschen in die Schule gehen könnten. Wir Menschen sind - menschlicher ...
Friedrich Nietzsche 'Jenseits von Gut und Böse'