Sometime they'll give a war and nobody will come.
Hallo @Rybezahl
Trotzdem lassen sich Entscheidungsbäume feststellen. Man muss die ja
nicht gleich verteufeln. Faktisch sind Hierarchien vorhanden. Natürlich
kann es keine Ein-Mann-Hierarchie geben, jede Organisation wird von den
Teilnehmern getragen.
Du, ich verteufel da gar nichts. Sehe das überhaupt nicht moralisch. Und nicht jede Organisationsform hat Hierarchien; vielleicht sogar die wenigsten, vielleicht sogar nur die eine.
In sozialen Systemen sind Entscheidungen die Entscheidungen aller im System. Es gibt da keinen Dritten, der für Dich entscheidet. Auch wenn Du meinst, dass es das gibt, dann ist das ebenfalls deine Akzeptanz und Vorstellung, dass ein Dritter für dich entscheiden darf: auch eine Entscheidung, kommuniziert durch Stillhalten und Unterwerfung. Du versklavst dich indem du anderen erlaubst, ja geradezu darauf drängst, dich zu versklaven. Ist das nicht pervers und krank?
Soziale Systeme entstehen übrigens nicht, weil ein paar Menschen räumlich zufällig zusammen sind, sondern durch Kommunikation und Vernetzung zwischen ihnen. Bricht die ab, fällt das System zusammen. Nur durch die Kommunikation ensteht ein Selbstbezug und Abgrenzung zur Umwelt und damit etwas, was sich differenzieren lässt. (Siehe viele Ehen: wo es keine oder nur noch minimale Kommunikation gibt, hat auch das Zusammenleben aufgehört. Man trifft sich nur noch physisch, räumlich, lebt aber keine soziale Gemeinschaft.)
Das heißt aber auch, dass es keine äußerliche Beeinflussung des Systemes gibt. Alles geschieht innerlich, natürlich auch als Reaktion äußerlicher Einflüsse, aber immer von innen heraus. Daher können Menschen natürlich auch die Teilnahme am System verweigern, obwohl sie sich physisch keinen Millimeter bewegt haben. Damit nehmen sie auch nicht mehr an der Kommunikation teil; es prallt alles was mit dem System zu tun hat an ihnen ungehört ab. Wenn es viele Menschen sind, mit kritischer Masse, ist das soziale System in seiner Existenz gefährdet.
Da muss nichts gekämpft werden.
Was bleibt dem alten System dann? Nur noch die dumpfe physische Vernichtung der "Abtrünnigen". Macht das Sinn? Nur wenn es sich dadurch erhalten kann. Kann es das? Durch Waffengewalt? Nein, denn da fehlt die Kommunikation dabei: Das System droht, der Bedrohte fühlt sich aber nicht bedroht, er empfängt die Information nicht. Man wird ihm physische Schmerzen bereiten? Vielleicht. Aber was soll dabei heraus kommen? Er wird sich nicht in das System einordnen. Er wird sterben, vielleicht. Aber er wird kein Systembestandteil, da er nicht mit dem System kommunizieren wird. Für ihn ist das System nicht existent. Er akzeptiert die Gewalt nicht als Kommunikation. Das ist die Freiheit, die Freiheit von einem sozialen System, das nicht mehr das unsrige ist. Es gibt genügend Beispiele von Menschen, die eher aufrecht gestorben sind als sich auf Knien zu unterwerfen.
Außerdem vergisst du ganz die Waffengewalt. Das heißt, es wird nicht
schwärmerisch gewählt, sondern knallhart durchgeführt - solange der
Soldat samt Familie vom Staat getragen werden kann.
Siehe oben.
Auch Soldaten und Polizisten sind nur durch Kommunikation und Rezeption Systembestandteil, mit allen anderen vernetzt. Keine Maschinen oder Roboter. Und selbst diese müssten von Menschen gesteuert werden. Du, als menschliches Element des Systems wählst, bewusst oder unbewusst, diese oder jene Art Organisation. Du trägst sie, machst sie reell, in Deinem Kopf. Du empfängst und gibst Befehle zur gleichen Zeit. Durch Dich existiert der Soldat, Polizist, Verbrecher, Feind, Terrorist, ja der Staat überhaupt.
- Dagegen könnte sich der Schwarm nun wenden, wenn er denn könnte,
Atombomben hätte oder so. Hat er aber nicht. Die Waffengewalt kann nicht
wegdiskutiert werden!
The little girl saw her first troop parade and asked,
"What are those?"
"Soldiers."
"What are soldiers?"
"They are for war. They fight and each tries to kill as many of the other side as he can."
The girl held still and studied.
"Do you know … I know something?"
"Yes, what is it you know?"
"Sometime they'll give a war and nobody will come."
Carl Sandburg
Alle Gedanken, die darüber hinaus einen Schwarm unterstellen, sind
metaphysischer Natur. Lasse mich aber gern vom Gegenteil überzeugen.
Was ist für Dich metaphysisch? Etwas als unumstößlich Gegeben (von Dritten, höheren Mächten, Göttern, Ausserirdischen?) zu erachten, das nur in und durch unsere Köpfe existiert?
@Rybezahl: Trotz Deiner teils guten Analysen und intelligenten Kommentare: Auch Du schimpfst und beschuldigst Deine "Zwingherren" für die Misere und das kommende "Blutsaufen". Ich schätze Dich hier im Forum und Dein Interesse und Bedürfnis nach einem Wandel, und ich weiß, dass es nicht leicht ist, sich vom Staatshasser und Obermachtgläubigen zu lösen und es als das zu sehen was es ist: Eine große Halluzination , unsere Selbst-Projektion. Den Staat schaffen wir selbst, wir organisieren uns in ihm so wie er ist, da ist kein anderer, der das mit uns macht. Wenn das verstanden und verinnerlicht ist, sollte es auch kein Problem sein, ihn zu negieren und außerhalb etwas Neues entstehen zu lassen. (Ich empfehle Lektüren von Luhmann, Greaber, Bott u.a. und viel Rumstöbern im Gelben. Nimm Dir die Zeit.) ...So leicht ist die Versuchung, zum Zyniker zu werden.
Viele Grüsse
--
"Den Staat (oder irgendwas anderes) zu bekämpfen macht ihn nur stärker.
Willst Du den äußeren Staat erschüttern, dann erschüttere den Staat in Dir." (@Konstantin)