Weswegen das Recht von ihren realen Unterschieden absehen muß
Dazu zwei Gedanken:
"Recht" besteht aus allgemeinen Gesetzen, die natürlich abstrakt sein und von allen Unterschieden, derjenigen, auf die sie angewendet werden, absehen müssen.
Gleichheit wird im Westen für Gerechtigkeit gehalten.
"Das Recht kann seiner Natur nach nur in Anwendung von gleichem Maßstab bestehn; aber die ungleichen Individuen (und sie wären nicht verschiedne Individuen, wenn sie nicht ungleiche wären) sind nur an gleichem Maßstab meßbar, soweit man sie unter einen gleichen Gesichtspunkt bringt, sie nur von einer bestimmten Seite faßt, z.B. im gegebnen Fall sie nur als Arbeiter betrachtet und weiter nichts in ihnen sieht, von allem andern absieht. Ferner: Ein Arbeiter ist verheiratet, der andre nicht; einer hat mehr Kinder als der andre etc. etc. Bei gleicher Arbeitsleistung und daher gleichem Anteil an dem gesellschaftlichen Konsumtionsfonds erhält also der eine faktisch mehr als der andre, ist der eine reicher als der andre etc. Um alle diese Mißstände zu vermeiden, müßte das Recht, statt gleich, vielmehr ungleich sein." (K. Marx)
"Der Gleichheitssatz steht in fundamentalem Widerspruch zur realen Beschaffenheit der Welt. In der Wirklichkeit gibt es keine völlig gleichen Fälle, jeder Fall liegt anders. Daß heißt aber, daß eine Gleichbehandlung nur dann möglich ist, wenn man über bestimmte Unterschiede hinweggeht. In der Wirklichkeit führt die Gleichbehandlung des Gleichen daher ausnahmslos auch zu einer Gleichbehandlung des Ungleichen. Mag auch die Ungleichheit, gemessen an der Gleichheit nur als gering erscheinen . in der Sache führt kein Weg daran vorbei, daß der Gleichheitssatz nur um den Preis einer gleichzeitigen Ungleichbehandlung zu realisieren ist."
Daher ... "wohnt dem Gleichheitssatz eine eigentümliche Dialektik inne, derzufolge alle Gleichbehandlung in Ungleichbehandlung und damit alle Gerechtigkeit in Ungerechtigkeit umschlägt." (schreibt Johann Braun: Einführung in die ReWi, S. 75)
Real bedeutet Gleichheit also das, was sie angeblich beseitigt: Vorfahrt für die Mächtigen, und Freiheit heißt: Freiheit für die Mächtigen.
Frei nach Mr. Vogl:
"Mächtig/frei ist, wer eigene Risiken in Gefahren für andere zu verwandeln vermag und sich als ÂGläubiger letzter Instanz platziert."
Wenn der "rassistische Professor" den "starken Individualismus" der Westler für "genetisch bedingt" hält ("aufgrund klimatischer Bedingungen entwickelt"), ist das natürlich Bullshit. Der Individualismus ist kulturell hergestellt, über ein auf Freiheit und Gleichheit beruhendes Recht.
Die Sicht des "rassistischen Professors" (Ausgangsposting) ist einfach die aus der Kolonialzeit, als die Europäer versuchten, ihre kulturellen Institutionen für "genetische Überlegenheit" auszugeben und damit ihren Herrschaftsanspruch über die Kolonien zu rechtfertigen.
Die Sicht von Feministinnen, PClern etc. beruft sich ebenfalls begriffslos auf das für "Naturecht" gehaltene westlichen Heiligtum "Freiheit und Gleichheit".
Hallelujah.