zum Olivenöl (unserem)
Hallo Dirk-MV,
zufällig bin ich seit knapp 10 Jahren Mitglied einer landw. Cooperative, um meine Oliven dort verwerten zu können. Unsere eigenen Bäume/Oliven reichen im Mittel zwar nur von der Menge her für den eigenen Bedarf und der Familie (30-50 Liter/Jahr je nach Ertrag), aber ich kann beschreiben, wie das Öl (frei verkäuflich am Ort) und Bäume in der Cooperative gehandhabt werden:
Es ist kein Bio-Öl, wir spritzen unsere Bäume zwar nicht (deshalb auch sehr unterschiedl. Ertragsmengen pro Jahr), aber die meisten Nachbarn bzw. im Ort machen es. Geerntet wird grundsätzlich von Hand Ende Okt/Anf.-Mitte Nov. in einem Stadium, in dem die Oliven von grün auf schwarz übergehen. Dieser Zeitpunkt soll angeblich auch am meisten Inhaltsstoffe beinhalten, allerdings weniger Öl als bei späteren Zeitpunkten.
Die Olivenbäume in der Region sind meist alte kleinfruchtige Sorten, die auch mit den teilweise recht kargen Böden zurechtkommen. Auf fetten Böden liegt der Ölanteil an der Frucht übrigens ca. 1-2 % höher.
Es werden zwar auch alte Olivenhaine gerodet und durch neue Sorten ersetzt, die sehr ertragreich sind, teilweise sogar genutzt für die Biospriterzeugung, aber diese Flächen gehören Großbetrieben, die ohnehin ihre eigenen Pressen und eigene Vermarktung haben. Dort sieht man auch, daß jede Pflanze am Tropf hängt und mit Wasser, Dünger und sonst. Chemikalien versorgt wird.
In der Cooperative sind die Kleinbauern, Nebenerwerbslandwirte und Privatpersonen, die z.T. auch nur 10 Olivenbäume haben, zusammengeschlossen.
Die Olivenpresse ist schon in die Jahre gekommen, es wird nur die 1. Pressung kalt durchgeführt. Die Reste aus der Pressung werden verkauft, meist nach Italien, die dort weiter pressen/verarbeiten.
Es gibt auch freie gewerbliche Pressen in der Gegend. Meine portug. Nachbarn finden aber das Öl aus der Cooperative besser (bei identischen Oliven). Nach meinen pers. Beobachtungen unterscheiden sich die Arbeitsabläufe bei den Pressen dadurch, daß bei der alten Presse der Cooperative mehr vertrocknete Oliven mit verwertet werden, also die Sortierung nicht so gründlich erfolgt.
(Einer sagte mir mal: Das beste Öl hatten immer die ganz armen Leute, die keine Bäume hatten, denen wurde erlaubt, die trockenen Oliven, die vom Baum gefallen waren und fast nur aus Kern bestanden, zu sammeln und daraus Öl zu machen.)
Persönlich kann ich es nicht beurteilen. Da fehlt mir der Vergleich. Ich bin auch kein Experte, was Geschmack betrifft.
Wir haben unser Öl, es schmeckt uns, wir kennen derer Herkunft. Es ist nicht neutral, sondern hat einen fruchtigen Geschmack. Der Geschmack variiert natürlich leicht von Jahr zu Jahr je nach Witterungsverlauf, da nichts verschnitten wird. Es ist wie bei Weinen. Es gibt gute Jahrgänge und schlechtere.
Einen Nachteil gibt es: Die Cooperative gibt das Öl nur in 5 l-Kunsstoffbehältern aus. Wir füllen diese sofort um in einen Edelstahlbehälter mit Zapfhahn. Es gehen natürlich auch Rotweinflaschen oder ähnliches.
Ansonsten ist anzumerken, daß die Region Alentejo Öle herstellt und vermarktet, die von Kennern und Institutionen zu den besten der Welt bewertet werden. Der Export des Öls geht meines Wissens hauptsächlich nach Asien/China.
Also im Okt/Nov bin ich auf jeden Fall wieder unten, um die jährliche Ernte durchzuführen. Bei Interesse mal melden.
Gruß Dieter