Hortungsgebühr ist Unsinn - staatliches Geldrucken hilft nicht

Robert, Mittwoch, 23.12.2015, 22:35 (vor 3696 Tagen) @ Nico4429 Views
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 23.12.2015, 23:21

Nun konnte ich nicht feststellen, dass dieser Unterschied (Kreditgeld vs.
Staatsgeld) in deinem Aufsatz thematisiert wurde, und du solltest lernen,
lieber Robert, ihn zu berücksichtigen, denn um diesen Unterschied dreht
sich nämlich alles.

Hallo

Dieser Unterschied ist mir wohl bekannt

Auf dem Privatsektor ist jeder für sich selbst verantwortlich, hier kann
jeder Geld gewinnen oder verlieren. In der Marktwirtschaft soll das so
sein, denn hierin besteht ein Regulativ für die Bewirtschaftung der
einzelnen Individuen.

Ja, wir haben aber weitgehend keine reine MaWi mehr.

Die ULG (Umlaufgeschwindigkeit des Geldes) trifft nicht zielsicher den
Kern des Problems.

Richtig, die Kennzahl ist überflüssig, was ich versucht habe @Beo hier klar zu machen

Das Problem besteht in der 'Verrentung' (siehe PCM) –
wenn nämlich Privatiers auf Staatspapieren hocken. Zentralbanken bedeuten
eindeutig Staatsorgane, und die von ihnen emittierten Noten sind
Staatsgeld.

Ja. Noten spielen aber kaum noch eine Rolle

Papiere eines 'infalliblen (nicht-leistenden) Schuldners'
bedeuten somit einen Widerspruch zu den dem Gewinn/Verlust-Prinzip
unterliegenden Kreditgeldern. Dessen Emission unterliegt nicht den
Marktkräften, sondern einer übergeordneten Politik. Diese Politik hätte
dem o.g. Widerspruch unbedingt Rechnung zu tragen, weil dieser Widerspruch
ansonsten durchaus geeignet ist, das Wirtschaftsgefüge zu strangulieren.
Wenn die Politik an der Wohlfahrt der Menschen orientiert ist, dann würde
das Zurückhalten von Banknoten auf jeden Fall entsprechend sanktioniert
werden. Eine 'Hortungsgebühr' wäre effektiv, und leicht umzusetzen.


Unsere Wirtschaft beruht nicht auf Banknotenumlauf. 90% aller Transaktionen finden heute weltweit digital statt (Clearing von ZBGuthaben). Banknoten hortet heute keiner mehr ( vlt. noch ein paar Omas und Opas)
Von daher geht solch eine Gebühr ins Leere. Banknoten werden id.R. sogar recht schnell bewegt für laufende Zahlungen (wozu auch Drogengeschäfte und Schwarmarktgeschäfte gehören)

Mein Vorschlag würde lauten, Banknoten schon zugunsten ihrer
Fälschungssicherheit jährlich neu aufzulegen, und den Umtausch in
aktualisierte Noten einer hierfür festzusetzenden Gebühr zu unterwerfen.
Noch bessere Ergebnisse wären aber zu erwarten, wenn die Regierung ein
durch die Notenbank gedecktes regelmäßiges Haushaltsdefizit kalkuliert.

So würde die Regierung die Banknoten einer Inflation unterwerfen, welche
die Banknoten in Bewegung hielte. Bei beiden Vorgehensweisen ergäbe sich
zumindest auch ein erster Sockel für die ohnehin unumgängliche
Staatsfinanzierung (Seigniorage).

Die Notenbank kann gar nichts decken, sondern nur die private Wirtschaft kann Geld „decken"
Die ZB refinanziert nur und nimmt bereits existierende Schuldtitel entgegen (welche ja schon ein Leistungsversprechen der Privaten beinhalten). Wo soll ein zusätzliche Deckung herkommen?

Dass der Staat nun auch noch darauf verzichtet ohnehin auftretende
Haushaltsdefizite durch seine eigene Notenbank zu finanzieren, und statt
dessen eigens zu verzinsende Staatspapiere auf dem Privatsektor emittiert,
werden zukünftige Generationen wohl mehr ungläubig bestaunen als alles
andere.

Wenn man es versteht, dann nicht.
Ich verstehe es so:

Der Staat kann gar nicht anders, da er keine zusätzliche Leistung versprechen kann durch sein Gelddrucken über die Notenbank.
Es gibt immer nur ein gesamtwirtschaftliches Leistungsverprechen, welches sich in den makro-ökonomischen Schulden/Guthaben-Salden wiederspiegelt. Sämtliches privates Leistungspotential (auch zukünftige Leistung) ist hier also schon verausgabt. Wenn der Staat keine oder weniger Anleihen verkaufen würde, würden die Guthabenhalter halt anders investieren (mit mehr Risiko). Die Geldvermögensstruktur würde sich verändern (Mehr verzinste Forderungen an private Unternehmen oder Banken anstatt an den Staat). Die Zinsbelastung durch staatliche Schulden wären also nicht weg.

Wenn der Staat nun über die Notenbank Geld „druckt" (Forderungen an Steuerzahler), weil er politisch nicht fähig ist, seine Ausgaben vollständig und rechtzeitig über Steuern zu decken, ist das Jacke wie Hose. Er muss das Geld nachträglich ebenso wieder aus der Vowi herausbuchen wie bei den Anleihen, die er ja tilgen muss (rollieren). Genauso wie auch die ZB ihr Geld regelmäßig wieder herauszieht über Repogeschäfte Der Staat zahlt zwar dann keine Zinsen für das gedruckte Geld aber dafür verlagern sich die Zinsforderungen nun in den privaten Bereich. Die VoWi wird also nicht entlastet. Entweder zahlen sie Zinsen über Steuern an den Staat oder über die Preise an die privaten Gläubiger.

Sowohl Gelddrucken als auch der Verkauf von Staatsanleihen sind nur Mittel für den Zeitgewinn, um später an Steuern und Abgaben (z.B. Rentenbeiträge) zu kommen. Das Zinsargument zieht also nicht, wie wir sehen, zumal die Zinsen für Staatsanleihen historisch niedrig sind. Ansonsten würden die Schulden in den privaten Bereich verlagert werden, was eher noch teurer wird (Risikoprämien).

Sowohl durch den Verkauf von Staatsanleihen wie durch Gelddrucken entstehen zwar Guthabenströme, bzw. die Guthaben werden umgebucht durch staatliche Ausgaben und die Gläubiger oder ZB haben Forderungen an den Staat. Irgendwann werden die Guthaben wieder ausgebucht aus der Vowi und den Gläubigern/ZB zugebucht. Das funktioniert aber beides nur, wenn laufend Nachschuldner da sind, da die staatlichen Ausgaben ja a) auch zu Tilgungen führen (Guthaben verschwinden) oder b) sich ebenfalls wieder irgendwo akkumulieren auf dem globalen Markt

Das Dilemma ist das gleiche. Der Staat muss im Grunde genommen entweder seine Steuern erhöhen oder seine staatliche Ausgaben zurückfahren.
Letzteres ist kaum möglich und ersteres ist schwierig, weil Geldströme der Vermögenden imho heute global schwer zu kontrollieren sind. Es müssten also die Sparer beschnitten werden, doch das bräuchten sie gar nicht, denn der Markt würde das regeln, wenn Staatsanleihen wegfallen.
Zudem haben wir internationalen Steuerwettbewerb. Die Steuerumgehungslücken müssten also alle geschlossen werden.

Zudem ist es fraglich, dass staatliches Geldrucken die alten („gesättigten") Volkswirtschaften langfristig inflationär ankurbeln kann. Das sind doch nur Strohfeuer. Irgendwo akkumulieren sich die Guthaben dann wieder. Und es verhindert zudem eine notwendige „Bereinigung", wenn zu viele Unternehmen auf dem Markt sind, die alle Gewinne machen wollen. Es ist ja gerade sinnvoll, dass ein Teil verschwindet und eine Überproduktion zurückgeht.
Wir haben ja in Griechenland gesehen, was passiert, wenn der Staat zu viel Geld in die Hand nimmt.
Das Land ist nicht wettbewerbsfähiger geworden.

Der Begriff Hortungsgebühr ist imho Unsinn. Zumal das vorübergehende „Liegenlassen von einem Teil der Guthaben" auf den Sichtkonten marktwirtschaftlich auch einen Sinn hat und nicht sofort deflationär wirkt. Deflationär wirken nur Bilanzbereinigungen, wenn ex ante zu viele „schlechte Schulden" gemacht wurden.
(Blasen platzen) bzw. wenn die Wirtschaft keine neuen Innovationen mehr hervorbringt (ROI sinkt insgesamt). Nach langjährigen hohen Wachstumsraten in jungen Volkswirtschaften ist es normal, dass diese in alternden Volkswirtschaften zurückgehen müssen und Überkapazitäten abgebaut werden.

Es ist das Privileg des Staates Geld zu drucken.

Es ist kein Privileg. ZB ist nicht gleich Staat (Finanzministerium, Länder, Kommunen etc.)

Auch wenn der Einzelne für
solches Geld Arbeitsleistung abrufen kann, so ersetzt dieses Geld
natürlich nicht die zu leistende Arbeit. Der Staat hilft mit zusätzlichem
Geld lediglich, dass potentielles Angebot und potentielle Nachfrage erst
ineinander aufgehen können – nichts anderes wird behauptet.

Siehe oben. Das kann er auch mit Steuern machen oder mit Staatsanleihenverkauf.


> Der Staat

'zaubert' keine Werte herbei, wenn er Geld druckt


Richtig

> vielmehr erhebt er damit eine Steuer.

Bezahlt er mit dieser Steuern dann die schlechten Schuldner aus Griechenland? :-)

Diese bezahlt der Bürger durch inflationär erhöhte
Preise.

Wer sagt dir, dass das inflationär wirkt? Es braucht so oder so Nachschuldner.
Das Drucken kann die Nachschuldner nicht ersetzen.
Und wenn keine neuen Wachstumsmärkte auftauchen, kann er drucken, bis ihm schwindelig wird.

> Eine Leistung für die Bewirtschaftung des Staates ist vom

Staatsbürger ohnehin zwingend zu erbringen.

Ja über Steuern, wie oben beschrieben. Die Leistung ist aber in den zahlreichen Schuldtiteln schon versprochen (bis zum Erfüllungstermin). Es hat einen Sinn, warum Repos bei der ZB Erfüllungstermine haben.

Letztlich muss der Staat nicht
mit Geld, sondern mit Arbeitsleistung versorgt werden. Der Staat bezahlt
die von ihm benötigte Arbeitsleistung teilweise mit selbst erzeugten
Zahlungsmitteln

Die Leistung (-sverprechen) ist wie gesagt gesamtwirtschaftlich schon aufgeteilt, welche sich in den privat erzeugten Schulden/Guthaben widerspiegeln. Der Staat kann hier die Leistung über Steuern nur umlenken. Er kann zwar neue Arbeit schaffen, die niemand braucht, und lenkt damit die Einkommen bzw. Guthaben von A nach B. Doch Deine vom Staat selbst erzeugten Guthaben haben doch auch Termin, er muss das Geld also wieder später rausnehmen. Ist wie oben beschrieben, Jacke wie Hose. Das muss er bei Schulden auch machen.
Eine Deflation zeigt doch über den Markt an, dass ZUviele Leistungsverprechen gemacht worden sind. Wie kann der Staat nun wieder neue dazu fügen indem er Geld druckt?

Geld zeigt dabei immer nur Relationen auf z.B. Einnahmen zu Ausgaben.

Geld zeigt Leistungssalden an

Durch die Notenbank finanzierte staatliche Haushaltsdefizite bedeuten
automatisch zins- und tilgungsfreie Kredite, und damit quasi staatliche
Notenpresse. Auch bei der Notenbank werden dabei lediglich die Zahlen
größer, während sich auch dort die Relationen nicht notwendigerweise
verändern.

Nein

Gruß


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