Ja, das haben wir.
Mit Umlaufgeschwindigkeit (ULG) ist hier nicht gemeint, dass dieselbe Guthabeneinheit schneller im Kreis transferiert wird, ...
Eben, solchen Unsinn behauptet auch Niemand, sondern:
Hier ein Zitat: https://de.wikipedia.org/wiki/Umlaufgeschwindigkeit_(Geld)
"Die Umlaufgeschwindigkeit (auch Umschlagshäufigkeit) des Geldes ist die Häufigkeit, mit der die vorhandene Geldmenge innerhalb eines Jahres durchschnittlich umgesetzt wird ..."
"Da es verschiedene Konzepte der gesamtwirtschaftlichen Geldmenge gibt, unterscheiden sich die verschiedenen Formen der Umlaufgeschwindigkeit auch nach dem benutzten Maß für die Geldmenge. Mit als Abkürzung Y für das nominale Bruttonationalprodukt, M1, M2 und M3 für die verschiedenen Arten der Geldmenge und mit V1, V2 und V3 für die zugeordneten Umlaufgeschwindigkeiten gilt jeweils V(i) = Y geteilt durch M(i)."
Ein weiteres Zitat: https://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Service/Glossar/_functions/glossar.html?lv2=320...
"Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes gibt an, wie oft eine Geldeinheit pro Periode durchschnittlich zur Bezahlung von Gütern eingesetzt wird. Quantitativ beschreibt sie das Verhältnis zwischen dem nominalen Bruttoinlandsprodukt oder einer anderen, den gesamtwirtschaftlichen Güterumsatz messenden Größe und einer Geldmenge – typischerweise M1 oder M3."
sondern dass Guthaben laufend weiter transferiert werden bis sie auf ein Minuskonto/eine Verbindlichkeit treffen aber gleichzeitig laufend neue Guthaben entstehen durch schnellere Neuverschuldung (eventuell staatliches Gelddrucken).
Nix "aber", sondern (siehe oben):
__ 1) Unter ULG wird die ANZAHL der Transfer mit einer beliebigen Geldmenge verstanden, " bis sie auf ein Minuskonto bzw. eine Verbindlichkeit trifft" und getilgt wird. Und noch besser:
__ 2) Die ULG, volkswirtschaftlich betrachtet, bezieht sich immer auf eine bestimmte, sinnvoll gewählte Geldmenge; und das ist die (durchschnittliche) Geldmenge M1, M2 und M3. Wir haben hier also gleich 3 verschiedene ULG'en und sie werden wie folgt berechnet:
BIP geteilt durch (durchschnittliche) M1 bzw. M2 bzw. M3
Wichtig ist weiter folgendes: Die ULG-V1 (d.h. von M1, der vorhandenen Liquidität von Nichtbanken) sank seit 1995 vom Faktor 4,5 auf ca. 2 heute (anno 2015) - wie auch hier (und anderswo) zu sehen ist:
![[image]](http://www.luk-korbmacher.de/Schule/VWL/umlauf.jpg)
Quelle: http://www.luk-korbmacher.de/Schule/VWL/vwl09f.htm
Zwischen 1980 und 1995 lag sie nahezu konstant beim Faktor 4-4,5. In den Boomjahren bis 1980 stieg sie kontinuierlich. Das bedeutet: Die vorhandene Geldmenge (Geldguthaben) wird seit 20 Jahren immer länger zurückgehalten (wo und wie auch immer), bevor sie realwirtschaftlich (BIP-wirksam) ausgegeben wird. Das ist schlecht für die Realwirtschaft, welche diese Geldmenge(n) ja durch Vorfinanzierung ihrer Produktion (Kredite) in Umlauf bringt, und hat selbstverständlich zum steten Absinken der BIP-Wachstumsrate geführt.
Nun sind wir bei 0% Wachstum angekommen und die ULG in DE bzw. in der EU sinkt weiter. Stetes Absinken der ULG über einen langen Zeitraum bedeutet also einen Abmarsch in die Rezession - wie auch hier klar zu sehen ist:
![[image]](https://geldraub.files.wordpress.com/2015/04/kwn-fitzwilson-ii-2-16-2014.jpg?w=620&h=374)
Quelle: https://geldraub.wordpress.com/2015/04/12/inflation-durch-anleihenkaufe-der-ezb/
Dadurch entsteht theoretisch ein verstetigter „Umlauf" von alten/neuen Guthaben bzw. ein ständiger und beschleunigter Ausgleich von Leistungen.
Wodurch? Das Absinken der ULG muss gestoppt und deren Höhe sollte dorthin befördert werden, wo sie in relativ boomenden VoWirtschaften gewöhnlich liegt, nämlich beim Faktor 4-6, falls Wirtschaftswachstum überhaupt gewünscht wird. Die ULG kann allerdings nicht in beliebige Höhe getrieben werden und das wäre auch nicht sinnvoll.
Die These der saldenmechanischen Guthabenhasser war, ...
"saldenmechanische Guthabenhasser" .. sehr schön demagogisch formuliert. Du findest ja wieder zu deiner gewohnten Sprache und zu deinen NLP-Tricks zurück, nun auch in diesem Forum! Wer also eine (variable) Guthabensteuer befürwortet, ist für dich ein Guthabenhasser!? Und wer eine Erhebung von Einkomensteuer für richtig hält, ist dann ein Einkommenhasser?
Und zugleich eine demagogische Assoziation mit der Saldenmechanik! Du bist ein Meister deines Faches, nämlich der Demagogie. Demagogen brauchen auch sehr viele Worte.
Zu Saldenmechanik gleich etwas mehr ...
Bankguthaben kann man generell nicht horten.
Aber sicher kann man Bankguthaben (nicht nur) auf dem Girokonto horten (akkumulieren); z.B. als Spielgeld für die Zockerbörsen. Oder einfach nur, wenn es keine ausreichenden Zinsen auf Geldanlagen gibt usw.. Es gibt viele Gründe dafür.
Gesamtwirtschaftlich sind alle Guthaben bereits irgendwo spiegelbildlich investiert
38,4% auf Bargeld, Spar- und Festgeldkonten (Überlebensnotwendig für ein noch funktionierendes Bankensystem , ZBG etc.)
28,3% Versicherungen (Geld ist investiert)
11,9% Investmentfonds (Geld ist investiert)
7,8% Rentenwerten (Geld ist investiert)
5,8% Pensionsrückstellungen (Geld ist investiert)
3,9% in Aktien (Geld ist investiert)
3,9% in sonstigen Beteiligungen (Geld ist investiert)
So so, "Geld ist investiert"; fragt sich nur wo: Ja, es ist "investiert" an den Zockerbörsen, wo es als Spielgeld dauerhaft verbleibt, weit fernab der Realwirtschaft. Was glaubst Du, mit wessen Geld die gigantischen Tagesumsätze an den Börsen erzeugt werden? Genau dort tummeln sich diese Versicherungen, Renten- und Investmentfonds und genau dort "realisieren" sie ihre Gewinne .. dank der nicht versiegenden Geldschwemme von den Zentralbanken, welche indirekt zur Aufblähung der Privatguthaben (Geldvermögen) führt, neben anderen Faktoren. Dort rotiert das "investierte" Geld mit sehr hoher ULG, d.h. wechselt fast täglich den Besitzer, hin und her, und dann wieder zurück!
Eine Preisfrage: Wenn eine Aktie den Besitzer wechselt, wieviel wird dadurch in der Realwirtschaft investiert? Richtige Antwort: Gar nichts, nämlich per Saldo! Der Käufer übernimmt einfach die Anteile/Beteiligung des Verkäufers. Das Geld hat nun der Verkäufer, der wieder Ausschau nach einer neuen "Investition" hält. Vielleicht kauft er dieselbe Aktie eine Woche später zurück usw.. Dem bezogenen Aktienunternehmen fließt dabei kein Cent zu.
Da haben wir ja wieder die "ach so triviale" Saldenmechanik der Guthabenhasser. Sie ermöglicht erst, die VoWi zu verstehen. Das musst Du noch lernen.
Mit Gruß, Beo2