Richtig, niemand kann sich jemals ausruhen
Des weiteren ist dieses "Blockieren der Liquidität", egal ob auf Konten
der "Zocker" oder auf
jenen der "Sparer" per se schädlich. Unternehmen müssen sich nun
anstrengen und dem Konsumenten
etwas besseres bieten.
Diese Aussage ist zu einfach. Das kann so sein, muss aber per se
nicht so sein.Unternehmer müssen sich generell mehr anstrengen, je größer
die Konkurrenz ist.
Auch bei steigenden Umsätzen finden ja Bruttoanlageinvestitionen statt,
da kaum jemand sich „ausruhen" kann.Hingegen gibt es auch Unternehmen, die langjährige Kredite nehmen und
dennoch schlecht wirtschaften (sich also nicht richtig „anstrengen").
Um richtig verstanden zu werden: Mit "schädlich" für das Unternehmen meine ich
einfach, dass es eher in Gefahr läuft, auszuscheiden. Das hast Du aber auch so
verstanden, denke ich.
Dass die Anstrengung durch Konkurrenz steigt, stimmt. Gerade dies ist aber der
von mir beschriebene Effekt. Dadurch, dass dem Unternehmen die Guthaben nicht
über den Markt wegen Verkauf ihrer Produkte zu fliesst, muss es sich anders um
diese Guthaben bemühen, z.B.:
- bessere (Preis resp. Innovation) Produkte ("mehr anstrengen")
- Bankkredit
- Emission von Anleihen/Aktien
(Da auch erfolgreiche Unternehmen, also jene, die die Vorfinanzierungskosten durch
Verkauf von Produkten finanzieren können, die Konkurrenz im Nacken spüren, werden
auch sie investieren - möglicherweise aus "eigenen Mitteln".)
Ich bin immer vorsichtig mit pauschalen Aussagen, die plötzlich ein
komplexes System erklären wollen.
Das System ist komplex, die Mechanismen, die es antreiben, sind es hingegen nicht.
Hier kannst Du im Prinzip alles durchspielen und simulieren:
http://econviz.org/macroeconomic-balance-sheet-visualizer/
Auch die Fristen /Fälligkeitstermine spielen eine Rolle.
Unternehmerkredite werden, wie schon beschrieben, nach und nach
armortisiert, d.h. die Guthaben „haben Zeit".
Das ist es, was den Druck verursacht. Unternehmen haben auch Termin zu leisten, die
Sparer müssen aber Guthaben nicht auf solche Termine herausgeben. Unternehmen gehen
dann zwangsweise Pleite, ausser sie können sich refinanzieren. Haben sie Sicherheiten,
geht es über Bankkredite und diese Kredite schaffen dann zusätzliche Guthaben.
Haben die Unternehmen keine Sicherheiten, müssen sie es über den Kapitalmarkt versuchen,
wo sie jene überzeugen müssen, die als Kunden streikten, nun aber möglicherweise an den
"Renditeversprechen" mehr als an den Produkten interessiert sind und emittierte Anleihen/Aktien des
Unternehmens kaufen und so Guthaben von ihrem auf das Konto des Unternehmens überweisen.
(Auch diese Operation im Visualizer oben möglich, aber nur als Anleihen nicht Aktien)
Die Frage ist, wie lange Guthaben „blockiert" werden müssen, damit
diese Blockade deflationär/rezessiv wirkt. Vielleicht dann, wenn es für
die Sparguthaben global nicht mehr genug Nachfrage gibt für Investitionen
??
Genau so lange, bis die Kredite, aber dann später auch die Anleihen fällig werden. Dann
laufen Unternehmen in Gefahr, Pleite zu gehen. Sie werden dann Gläubigerschutz beantragen
und möglicherweise werden Gläubiger zu stimmen, ihre Anleihen oder sonstigen Forderungen
im Tausch gegen neue Aktien fallen zu lassen. Oder dann das Unternehmen liquidieren.
Und nochmal: Ein Auflösen von blockierten Guthaben bedeutet noch lange
nicht, dass die Guthaben zu den „richtigen Schuldner" kommen.
Richtig. In der Praxis wird dies nie geschehen, sondern die einen Unternehmen werden
immer erfolgreicher sein als andere. Das ist auch der Sinn des ganzen.
Es kann auch ganz anders sein. Griechenlands Banken hätte es zum Beispiel
gut getan, wenn die heimischen Sparer dort mehr gespart hätten. (Seit 2000
hatten die negative Sparquoten). Dann wären die Banken dort liquider.
Wie dies? Das Problem ist doch eher eine Kapitalflucht, die wegen der gemeinsamen
Währung nicht durch den Wechselkurs widergespiegelt werden konnte.
Die Ersparnis der privaten Haushalte ist die wichtigste inländische
Geldquelle zur Finanzierung der Anlageinvestitionen, von denen bedeutende
Impulse auf das langfristige Wirtschaftswachstum ausgehen.
Ja, siehe oben. Die privaten Haushalte sollten einen Teil des Einkommens dazu verwenden,
Anleihen und Aktien von Unternehmen zu kaufen, dadurch steigt die Verschuldung der Unternehmen
an, einen Effekt, den wir "Kapitalbildung" nennen, die Unternehmen kommen unter noch stärkeren
Druck und müssen produktiver und innovativer werden.
Dies ist eine Verschuldung, ohne die Bankbilanzen zu verlängern. Kapitalmarkt.
Die Frage ist also, welche Salden betrachtet man? Die innereuropäischen
oder die globalen etc.
Genau. Griechenland ist hybrides Aus-/Inland. Ein gemeinsamer Boden dank der Währung aber kein
gemeinsames fiskalisches Dach. Da stösst auch die Saldentechnik an Grenzen.
Ich bezweifle, dass durch Entsparen in Konsum ein globaler Saldenausgleich
stattfindet und sich die Guthabenströme optimal „pulverisieren".
Durch die Wechselkurse.
Ganz im
Gegenteil, wenn die Umsätze gut sind, verleitet das zu Optimismus und
Investitionsboom, was die Salden wieder erhöht ??
Genau, was es braucht. Umsätze sind gut und Vorfinanzierungen können einfach aufgelöst
werden. Stellen werden geschaffen und Löhne gezahlt.
Hauptproblem wird dann der Immobiliensektor: irgendwann wird jede neugebaute Einheit dafür
sorgen, dass der Wert aller anderen sinkt.
Damit kommt der Punkt, wo die Hypotheken nicht mehr ausreichend besichert sind. Und dann
haben wir die Krise.
Also weder Schulden- noch Guthabenkrise sondern eine "kreditbesichernde Pfandwertkrise".
Ich schließe mich @Calbaer an: „[...]Das einzige was man dem Sparer
vorwerfen kann, ist, dass er zu faul oder feige ist, mit mehr Risiko zu
sparen, also zu "investieren" und dieses Risiko der Bank aufhalst[...]"
Ich würde dem Sparer gar keinen Vorwurf machen, denn er ist völlig dem Zins der Bank ausgeliefert
und der kann auch negativ werden.
Dem Rest stimme ich zu
Das ist gut!