Die Tragödie ist kein Zufall
Hoi Zara,
Hallo Nonpopulo
> Das siehst Du nicht falsch, bloss unvollständig. Die Ursache
unserer
Tragödie ist die Ausübung von Gewalt einerseits (Sadismus) und die
Akzeptanz von Gewalt (Masochismus) andererseits.
Ein sadomasochistisches System (Kollektivismus) konstituiert sich nicht
aus Sadisten allein, sondern noch weit mehr durch die Masse an
Masochisten.[/i]
Sadismus ist die sexuelle Lust am Quälen, Masochismus die sexuelle Freude
am Gequältwerden.
Nein, nicht nur sexuell. Ich hätte nicht gedacht, dass Du das nicht weisst.
Ausübung von Gewalt dient der Verteidigung oder
Ausdehnung von Macht. Ich hätte nicht gedacht, dass du das nicht
unterscheiden kannst.
Da gibt's nichts zu unterscheiden. Das Prinzip ist das selbe.
Machtstreben ist natürlich.
Nein. Machtstreben über die natürliche Gemeinschaft hinaus ist wider die menschliche Natur und führte folgerichtigerweise zu exakt jenen pandemischen Zuständen, die hier hoffentlich niemand mehr ernsthaft bestreiten will. Es gibt immer Grenzen, und zu behaupten, ein bestimmtes natürliches Streben sei nicht krank, egal welche Grenzen überschritten werden, ist undifferenziertes Denken.
Dabei leitet sich aller Kampf und alles Machtstreben aus dem Ur-Willen ab,
dem Tod weniger ausgeliefert zu sein.
Aber nicht um jeden Preis. Das ist auch der Grund, weshalb in widernatürlicher Umgebung (Kollektivismus/Paternalismus/Idiotismus) der Lebens- und Arbeitswille abhanden kommt. Unzählige entfernen sich aus dem Arbeitsprozess und viele auch aus dem Lebensprozess.
Wahrscheinlich liegt es an deiner Konditionierung in einem Staat, der dir
den persönlichen Überlebenskampf zu weiten Teilen abgenommen hat, dass du
dieses urnatürliche Prinzip der Macht verneinst und es stattdessen als
widernatürlich deklarierst.
Ich lasse mich nicht vom Staat aushalten. Es gibt aber sehr viele, die dies tun, mangels Arbeits-/Lebenswille.
Was dich in meinen Augen im dunklen Tappen lässt, ist einerseits dein
mitfühlendes Herz den leidenden Kreaturen gegenüber und andererseits
deine Hoffnung auf Erlösung von diesen Qualen, was allerdings die
vollständige Auslöschung des Lebens bedeuten muss, denn wie du selber -
dem Buddhismus entsprechend - sagst, heisst Leben für dich Leiden.
Ein einzelnes Leben basiert auf dem Leid und dem Tod tausend anderer Leben. Dass Leben folgedessen überwiegend Leiden ist, ist eindeutig.
Mit dieser Einstellung bringst du aber paradoxerweise noch mehr Leiden in
die Welt, denn du wirst sie nicht erlösen, sprich zum Untergehen bringen.
Eine Tatsache ist keine Einstellung, sondern eine Tatsache. Mehr Leiden kommt nicht dadurch in die Welt, dass den Tatsachen ins Auge geblickt wird, sondern durch Verdrängung der Tatsachen.
Das Einzige was du schaffen kannst, ist noch mehr Trübsal - dein Trübsal
- in die Welt zu bringen.
Nein, Du.
Dabei fühlst du dich natürlich im Recht, denn
im Gegensatz zu all den widerlichen "Cheerleadern" der Grausamkeit, glaubst
du für das Gesunde und Gute einzustehen.
Ja, sonst würde ich es nicht tun und mich stattdessen ebenfalls für Drogensucht, Paternalismus, Sadomasochismus und Kollektivismus (Idiotismus) ins Zeug legen.
Unterm Strich aber machst du die
Welt mit deinen zerstörerischen Gedanken noch leidvoller als sie so schon
ist.
Ja ja, Deine orwellsche Logik, die kenne ich mittlerweile. Vernichtung ist Leben, Krankheit Gesundheit und die Widernatur ist die eigentliche Natur.
Erschwerend kommt dazu, dass du wie jeder dahergelaufene Esoteriker
glaubst, mit geistiger Erkenntnis liesse sich etwas am Zustand der Welt
ändern, wo es doch so augenscheinlich ist, dass die Vernunft ein laues
Windchen ist, verglichen mit dem Tornado der Emotionen. Sieh doch all die
guten Gedanken und Absichten und was aus ihnen wird, wenn der Mensch
bedroht ist oder sich bedroht fühlt.Wir sind Kämpfer, die sich vergessen haben, und das ist die wahre
Tragödie der Zivilisation.
Surprise! Tragödie der Zivilisation! Wer hätte das gedacht!
Wir sind zu zahnlosen Mitleidern und
moralistischen Hoffern auf ein wie auch immer geartetes Golden Age
geworden, das wir Kraft unseres Geistes herbei phantasieren.
Komisch, gell!
Wir verleugnen
unsere Natur, unterdrücken und verdrängen sie, und was daraus entsteht,
sind verpanzerte, nichtpulsierende Körper, die ihre ganze Lebenskraft in
den Kopf verlagert haben, von wo aus dann der Geist eine künstliche
Schein-Lebendigkeit erzeugt.
Und damit schaffen wir mehr Leid (Sadismus und
Masochismus eingeschlossen) als wir es im Gewahrsein des Willens zum Kampf
jemals können.
Ja, wie konnte das bloss geschehen in einer gesunden, natürlichen Umgebung. Das ist sicher nur ein dummer Zufall.
Danke jedenfalls für die (unfreiwillige) Bestätigung.
Beste Grüsse Nonpopulo
Beste Grüsse, Zara