vergiss bitte "die Stämme"!
... kann gar nichts anderes sein als Stammesliberalismus, weil man nicht
freiwillig Fremden Tribut zollt.
ja, und hier ein gutes Beispiel: die germanischen Stämme zur Zeit Christi Geburt. Von den Römern in ihrer Freiheit bedroht, wählen (!!) sie frei den Ermin aus dem Hirsch-Clan zu ihrem Anführer. Der kennt die Römer seit Jugend an (Vater dort in Diensten), bringt es bis zum Re(i)t(t)er und nun - charakterlos!! - verrät er sie und hilft seinen Stammesbrüdern. Ein entsetztlicher Kampf, über fünfzehn Jahre hinweg, nicht nur eine "Schlacht im Teutoburger Wald". Ja, und dann, als die Römer aufgeben und von dannen ziehen, bekommt er Lust, selbst ein König in Germanien zu werden. Was machen seine Stammesführerkollegen mit ihm? Sie bringen ihn um. Weil die Freiheit ja so wichtig ist für sie ...
Vermutlich passen solche lieben Stammesgeschichten gut in Dein Weltbild, werter Zara. Es gibt aber noch viele andere, ganz und gar nicht liebe Stammesgeschichten, die komplett gegenteilig ausgegangen sind. Und diese Geschichten sind in der Mehrzahl.
Beispielsweise der Stamm der Salfranken. Die waren auch frei. Und stark. Und hatten sich eine Anführerfamilie ausgesucht mit offensichtlich guten Genen, nämlich die Merowechs. Und was haben die gemacht. Kanpp fünfhundert Jahre nach Arminius, als die Römer aus dem letzten Loch pfiffen (gemäß dem Gesetzt der Zyklen), sind sie nach Gallien einmarschiert und haben die Gallorömer sich allesamt unterworfen und - dadurch gestärkt - hinterher die germanischen Stämme rechts des Rheins außerdem (etliche Blutbäder unter den Alamannen etc.). Aha, sagt da der Liberalist: frei von anderen zu sein, schließt nicht aus, anderen die Freiheit zu nehmen. Stammesdenken eben.
Ich kann leider aus Zeitgründen nicht in die Diskussion mit Dir gehen (hab auch noch Antwortschulden bei anderen Foristen hier!), aber darf eben mal meinen Senf zu Deinen monotonen Einwürfen geben, die mir aus verschiedenen Gründen durchaus gefallen. Tatsache aber ist, geschichtliche Tatsache, dass die Staats-UNTERDRÜCKUNGS-systeme der letzten 5000 Jahre zu etwa 80% von Stämmen angestoßen wurden (wir leben quasi immer noch in deren Erbsünde).
Als interessante Wochenendlektüre empfehle ich Dir mal, die Geschichte von Temüdschin und seinen Nachfahren zu lesen, der auch von einer Hirschkuh abstammte (totemmäßig), aber zum Klan der Wildenten-Leute gehörte, die wiederum dem Stamm der Mongghol angehörten. Der hat am eigenen Leib erfahren, was Gefangenschaft und Sklaverei ist, ist ausgerissen und hat dann den Spieß umgedreht. Ich möchte nicht wissen - und niemand kann zählen -, wie viele Menschen (und sogar Staaten!) durch ihn ihr Leben lassen mußten.
Interessant dabei ist, wie Stämme wiederum entstehen. Aber der Frage kann ich hier leider nicht nachgehen. Nur so zum Nachdenken (Entschuldigung bitte, ich weiß, Du weißt auch viel und denkst immerzu nach): könnte es sein, dass über Washington (und von dort aus über die halbe Welt) vielleicht auch ein Stamm herrscht? Das ist eine beschränkte Anzahl von Familien, sagen wir 300 an der Zahl, und die überlegen sich genau, wen sie bei sich aufnehmen. Na ja, ist nicht wichtig ...
Jedenfalls eines ist sicher. Das Unglück des Staates haben Stämme über uns gebracht, die intern zwar nicht riesen Freiheiten hatten, jedoch eine gewisse freie Balance kannten. Extern aber haben sie anderen, nämlich den Schwächeren, nicht die geringste Freiheit gegönnt. Und das ist heute noch so, und wird so lange andauern, bis die Schwachen sich organisieren. Das wäre nicht schwer, aber dazu sind sie ganz offensichtlich doch zu blöde. So glaube ich, dass Organisationsfähigkeit eigentlich das entscheidende Kriterium ist. Denn auch die Starken müssen organisieren können (etwa um schlagkräftige Stammeskoalitionen zu schmieden). Möglicherweise ist es allerdings so, dass umfangreichere Formen von Organisation automatisch in hierarchische und gewalttätige Modelle hineinführen. Wie Du siehst: auch ich denke noch nach. Aber Deine Stämme überzeugen mich total nicht.
Beste Grüße,
Weiner