Wir sind Kämpfer, die sich vergessen haben, das ist die wahre Tragödie der Zivilisation
Hoi Zara,
> Das siehst Du nicht falsch, bloss unvollständig. Die Ursache unserer
[quote]Tragödie ist die Ausübung von Gewalt einerseits (Sadismus) und die
Akzeptanz von Gewalt (Masochismus) andererseits.
Ein sadomasochistisches System (Kollektivismus) konstituiert sich nicht
aus Sadisten allein, sondern noch weit mehr durch die Masse an Masochisten.[/quote]
Sadismus ist die sexuelle Lust am Quälen, Masochismus die sexuelle Freude am Gequältwerden. Ausübung von Gewalt dient der Verteidigung oder Ausdehnung von Macht. Ich hätte nicht gedacht, dass du das nicht unterscheiden kannst.
Machtstreben ist natürlich. Jedes Lernen dient der Ausdehnung von Macht durch Beherrschung, egal ob das Schnürsenkel binden oder die Erfindung der Atombombe betrifft. Der Wille dahinter ist derselbe: die Beherrschung und Bemächtigung.
Der Übergang vom Willen zur Beherrschung von Techniken, die dem Überleben dienen zur Beherrschung von Techniken, die das Leben angenehmer machen ist fliessend. Am Angenehmsten ist selbstverständlich ein Leben mit Macht, weil es am meisten Gestaltungsfreiheit bietet.
Dabei leitet sich aller Kampf und alles Machtstreben aus dem Ur-Willen ab, dem Tod weniger ausgeliefert zu sein.
Wahrscheinlich liegt es an deiner Konditionierung in einem Staat, der dir den persönlichen Überlebenskampf zu weiten Teilen abgenommen hat, dass du dieses urnatürliche Prinzip der Macht verneinst und es stattdessen als widernatürlich deklarierst.
Was dich in meinen Augen im dunklen Tappen lässt, ist einerseits dein mitfühlendes Herz den leidenden Kreaturen gegenüber und andererseits deine Hoffnung auf Erlösung von diesen Qualen, was allerdings die vollständige Auslöschung des Lebens bedeuten muss, denn wie du selber - dem Buddhismus entsprechend - sagst, heisst Leben für dich Leiden.
Mit dieser Einstellung bringst du aber paradoxerweise noch mehr Leiden in die Welt, denn du wirst sie nicht erlösen, sprich zum Untergehen bringen. Das Einzige was du schaffen kannst, ist noch mehr Trübsal - dein Trübsal - in die Welt zu bringen. Dabei fühlst du dich natürlich im Recht, denn im Gegensatz zu all den widerlichen "Cheerleadern" der Grausamkeit, glaubst du für das Gesunde und Gute einzustehen. Unterm Strich aber machst du die Welt mit deinen zerstörerischen Gedanken noch leidvoller als sie so schon ist.
Erschwerend kommt dazu, dass du wie jeder dahergelaufene Esoteriker glaubst, mit geistiger Erkenntnis liesse sich etwas am Zustand der Welt ändern, wo es doch so augenscheinlich ist, dass die Vernunft ein laues Windchen ist, verglichen mit dem Tornado der Emotionen. Sieh doch all die guten Gedanken und Absichten und was aus ihnen wird, wenn der Mensch bedroht ist oder sich bedroht fühlt.
Wir sind Kämpfer, die sich vergessen haben, und das ist die wahre Tragödie der Zivilisation. Wir sind zu zahnlosen Mitleidern und moralistischen Hoffern auf ein wie auch immer geartetes Golden Age geworden, das wir Kraft unseres Geistes herbei phantasieren. Wir verleugnen unsere Natur, unterdrücken und verdrängen sie, und was daraus entsteht, sind verpanzerte, nichtpulsierende Körper, die ihre ganze Lebenskraft in den Kopf verlagert haben, von wo aus dann der Geist eine künstliche Schein-Lebendigkeit erzeugt. Und damit schaffen wir mehr Leid (Sadismus und Masochismus eingeschlossen) als wir es im Gewahrsein des Willens zum Kampf jemals können.
Beste Grüsse Nonpopulo
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Mich widern alle Ideologien an, egal ob sie von links oder rechts kommen, sie ignorieren die Natur des Menschen. (Claude Cueni, Script Avenue)
Blue Moon Baby