Weil die Arb.zeitverkürzung gestoppt wurde (seit Ende der 70er).

Beo2, NRW Witten, Mittwoch, 15.07.2015, 12:47 (vor 3840 Tagen) @ Morpheus3885 Views

Am Ende der Aufwärtsspirale fallen enorm viele gut bezahlte Jobs weg, die im Rahmen der !einmaligen! Infrastruktur-Erstellung gebraucht wurden. Dieser nachhaltige Wegfall an Arbeitsplätzen zieht die nachfolgenden Änderungen einfach nach sich. Es gibt ein Problem: drastisch weniger Arbeitsplätze. Darauf folgt die Lösung: Neoliberale Wende. Das sind klassische Wirtschaftszyklen.

Deine Schlussfolgerung ist barer Unsinn. Wenn es tatsächlich weniger zu tun gäbe, dann muss die gesetzliche Arbeitszeit verkürzt werden .. wie es zur Zeit des Wirtschaftswunders auch mehrmals geschah:
https://de.wikipedia.org/wiki/40-Stunden-Woche

Überstunden, Samstags- und Sonntagsarbeit wurden durch Aufschläge verteuert (um 25-50%). Das war die Politik in der Zeit der Sozialen Marktwirtschaft. Bereits Ende der 70er Jahre hatten wir großflächig Arbeitszeiten von unter 40 Stunden/Woche. Und was ist danach passiert?

Die Arbeitsproduktivität ist doch stets gestiegen. Statt die gesetzliche Arbeitszeit weiterhin an den sinkenden Bedarf anzupassen, begann man ab ca. 1980 immer mehr Menschen aus dem Boot zu werfen und deren Arbeitszeit auf Null zu setzen. Dies markiert die "neoliberale Wende". Es wurde beabsichtigt, einen dicken Sockel an menschlichem Elend zu schaffen, um die Ansprüche der Werktätigen einzudämmen und diese zu disziplinieren. Diese Strategie wurde inzwischen durch zahlreiche präkere Jobvarianten perfektioniert.

Die Löhne (und spätere Altersrenten) wurden dadurch flächendeckend gesenkt; die Rendite erhöht (und ins Ausland verschoben). Damit brachen auch die Steuereinnahmen und die Einnahmen der Sozialkassen ein. Die Staatsverschuldung begann zu explodieren. Da besteht ein klarer Zusammenhang.

Während der Aufwärtsspirale gab es sehr viel neue Kredite, aus denen die vielen Arbeitskräfte gut bezahlt werden konnten. Es gab reichlich Inflation, deshalb.

Ja, es gab die sich aufwärtsdrehende Lohn-Preis-Spirale .. den sich drehenden Motor jedes Wirtschaftswachstums. Die Finanzelite hatte aber was gegen die Geldentwertung, die für die Real(binnen)wirtschaft aber überlebenswichtig ist. Nun haben wir keine Inflation und kein Wachstum.

Es war gar nicht notwendig, "sich etwas Neues einfallen zu lassen". Das Konzept und Ideologie der Sozialen Marktwirtschaft von 1950-1980, mit der starken Wirtschaftsregulierung und deutlich höherer Steuer- bzw. Abgabenlast (in %) im Vergleich zu Heute, hatte sich bewährt.

Du willst mir doch nicht erklären, dass die Abgabenquote 1950/1960/1970 höher lag als heute?

Doch, das will ich.

Das mag ja vielleicht auf den Spitzensteuersatz der Einkommensteuer und die Kapitalertrags- sowie die Körperschaftssteuer zutreffen. Insgesamt ist die Abgabenlast heute deutlich größer als damals. Sie wurde nur verlagert ...
Die Unternehmen zahlen ihre Abgaben heute verknüpft mit der Arbeit.

Die Steuer- und Sozialabgaben wurden m.W.n. seit 1980 mehrmals gesenkt. Viele neumodische Jobvarianten wurden davon teilweise oder ganz befreit. Wie war es mit der Besteuerung der Kapitalerträge? Für die Neoliberalen ist doch Wirtschaftspolitik gleichbedeutend mit Steuer- und Abgabensenkungen!

Deine These ist: "ich wünsche mir die guten alten Zeiten zurück".

Das ist völlig falsch. Ich lerne aus der Entwicklung der letzten 75 Jahre und ziehe daraus meine Schlüsse und Konzepte. Ich vertrete längst etwas ganz Neues.

Nur wollen die eben genau nicht wieder kommen, weil einfach keine Nachfrage nach Arbeitskräften da ist, die gut bezahlt werden können, aus neuen Krediten.

Ich habe hier schon mehrmals von der dringenden Notwendigkeit einer deutlichen Arbeitszeitverkürzung geredet. Das ist seit 40 Jahren ausgeblieben. Es wäre ein Segen für die Familie, für die Kinder und Eltern, und für Jedermensch. Auch für das Aus-/Bildungs- und Kulturniveau im Lande. Wir kämen mit einer durchschnittlichen Arbeitszeit von 5 Stunden/Tag locker aus. Überstunden sollten drastisch besteuert oder durch Freizeit ausgeglichen werden.

Pflegekräfte, die wir immer mehr brauchen, werden leider aus den Ersparnissen vergangener Zeiten bezahlt, wenn wir diese denn hätten. Da wir keine haben, müssen die Abgaben ständig weiter klettern. Was du doch begrüßen müsstest.

Der Pflegenotstand und die kaputte Gesundheit (nicht nur) alter Menschen ist zum großen Teil Ergebnis falscher Politik, falscher Machtverhältnisse und ungesunder Wirtschaftsabläufe. In diesem System ist doch gar nichts mehr gesund und sozial verträglich.

Diese Zyklen unterschreibe ich dir sofort. Guck dir die Hochkulturen an. Die hatten alle so einen finalen Aufschwung vor dem Kollaps, wie wir ihn hier auch gerade bei uns erlebt haben. Genau so laufen die Zyklen, die du ja selber beschreibst. Ich habe in meiner These nur genauer die Ursachen und die Wirkungen beschrieben. Warum gibt es genau diese Zyklen und wie bilden sie sich heraus? Ich verstehe dich nicht so recht. Einerseits betonst du die Zyklen und dann willst du mit dem zyklisch bedingten Abstieg aber nichts mehr zu tun haben. Der liegt dann nach deiner Aussage an: Ich zitiere daraus:

"Zur Zeit dominiert der blinde Egoismus (Selbstliebe und Habgier). Es ist ein vorübergehendes Zeitalter der geistig-moralischen Dunkelheit, des kompromisslosen Egoismus und der Gefühls- bzw. Geistlosigkeit, der zum (vorübergehenden) Verfall und Dekadenz führt. Ein beängstigender Mangel an Einsicht (Vernunft), Kooperation, Rücksichtnahme und Solidarität ..."

Richtig. Man nennt das auch die "spätrömische Dekadenz". Sie kommt diesmal allerdings ziemlich schnell daher.

Ja, weil der Zyklus genau das von den Menschen erfordert. Das ist keine zufällige oder gesteuerte Entwicklung. Sie ergibt sich zwingen aus den Zyklen des Wirtschaftens. Die Menschen sind doch nicht dumm. Die passen sich an, alle: Machthaber, Angestellte, Arbeiter, Arbeitslose, Rentner.
Wenn du jetzt erklären würdest, was bitte genau besser gemacht werden sollte von den Machthabern, dann könnten wir weiter reden.

Wir brauchen keine "Machthaber". Es reicht vollkommen, wenn Jeder von uns ein (Teil-) Machthaber ist und täglich seine bürgerlichen Mitbestimungsrechte ausüben kann. Es reicht, wenn wir an der Spitze eine weisungsabhängige Geschäftsführung haben.

Aber denke bitte daran. Die Machthaber wollen ihre Macht nur möglichst lange behalten. Das Wohlergehen von den Beherrschten gehört da niemals wirklich dazu. Es ist immer nur Mittel zum Zweck des Machterhalts.

Ich halte gar nichts von "Machthabern". Wir brauchen eine Direkte Demokratie: Jeder bekommt ein kleines Stück der Macht und legt es regelmäßig in eine der Waagschalen.

Und Zyklen haben eine Aufwärts-Phase und wenn die beendet ist, beginnt der Abstieg. Das ist die Definition von Zyklus. Warum weigerst du dich, genau dies auf unsere Gegenwart anzuwenden?

Ich weigere mich doch gar nicht, sondern beschreibe es doch ausführlich .. sowie die Ursachen dafür.

Geht es dem Esel einmal gut ... was macht er dann?

Wenn es nur so wäre, lieber Beo2. Dann würden wir ihn jetzt einfach runter führen vom Eis und all unsere Probleme wären sofort gelöst.

Der Esel hat aber etwas dagegen.

Nichts würde ich mir sehnlicher wünschen als genau das. Nur meine ich, im Detail dargelegt zu haben, warum genau dies nicht mehr gelingen kann. Aber du wirst mir jetzt sicher gleich erklären, wie es ab sofort alles besser laufen könnte. Ich freue mich drauf!

Nichts kann "ab sofort besser laufen". Alles Positive muss man sich hart erarbeiten. Schlechter wird alles ganz von alleine. Das ist ein universelles Gesetz.

Mit Gruß, Beo2


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