Gesellschaftliche Entwicklungstrends & mögliche Lösungen ..

Beo2, NRW Witten, Montag, 13.07.2015, 12:06 (vor 3842 Tagen) @ Mephistopheles5359 Views
bearbeitet von unbekannt, Montag, 13.07.2015, 12:18

„Eine Gesellschaft, welche die Fähigkeit oder den Willen, produktiv zu sein, verloren hat, wird verhungern müssen, ...

Ja, denn es kommt zur chronischen Rezession und Massenarbeitslosigkeit sowie zu sinkenden Reallöhnen und Renten. Dies ist die Kehrseite des Sparens in Geld (= Akkumulation von Geldvermögen = stagnierende/sinkende Geldausgaben).

Wachstum der Produktivität kann es nur bei wachsenden realwirtschaftlichen Ausgaben der breiten Bevölkerung und des Staates geben. Es muss ja schließlich vorfinanziert werden.

... mag ihr Vermögen noch so groß sein.

Gemeint ist sicher das (angesparte) Geldvermögen. Denn Sachvermögen behält seinen Wert, sofern es nicht mutwillig, z.B. im Krieg, zerstört wird.

Das ist das zentrale Paradoxon der Vermögensillusion: Niemand kann vom Vermögen leben, wenn niemand mehr produktiv ist [...] GESAMTWIRTSCHAFTLICH IST DER REICHTUM STETS UND IMMER NUR DER GEGENWERT DER ZUKÜNFTIGEN PRODUKTIONSERTRÄGE [...] Wir alle, Arme und Reiche, sind schicksalhaft mit der Produktivität der gesamten Volkswirtschaft vernetzt [...] Was mein Vermögen wert ist, bestimmen immer die anderen.”
Silvio Borner, Neue Zürcher Zeitung, 27.9.1989

Richtig. (Gespartes) Geldvermögen ist nur soviel wert, wieviel es dafür zu kaufen gibt bzw. demnächst geben wird.

Was ist, wenn es keinen Finanzkollaps gibt, das Vermögen (weitgehend) erhalten bleibt, aber niemand, der die Fähigkeiten hat, mehr Lust hat, seine Fähigkeiten einzubringen, und die gerne würden, es nicht können?
In der Industrie ist das weniger schlimm, weil da kann man immer noch rationalisieren, aber was passiert mit der Pflege, wenn keiner mehr Lust hat, zu pflegen? Oder wenn die Bestausgebildeten nach etwa 10 Jahren die Lust verlässt? Ebenso Gastronomie, Sozialberufe, Kassiererin und - vor allem - Handwerksberufe?

Das ist eine Frage der Lohnerhöhung und der Arbeitszeitsverkürzung. Werden die Löhne deutlich real erhöht und die Arbeitszeit verkürzt, natürlich auf Kosten des Unternehmerlohns (Rendite, Dividenden etc.), so wird jeder Unternehmer immer genug motivierte Arbeitskräfte bekommen.

Da hilft dann auch kein Geld mehr.

Doch, eine kräftige reale Lohnerhöhung bei der einkommensschwächeren Hälfte der Bevölkerung (auf Kosten der einkommensstärkeren) hilft immer. Sie erzeugt wieder Lust aufs Arbeiten .. anstatt aufs Rebellieren.
Das Problem liegt anderswo: Die Lohnabhängigen sind nicht (mehr) in der Lage, eine reale Lohnerhöhung und Arbeitszeitverkürzung durchzusetzen. Das bedeutet einen geordneten Abmarsch in die Sklaverei oder eine Revolution.

Einen positiven Ausweg aus dieser Misere und Lethargie kann es nur über die radikale Stärkung der Mitbestimmung in der Betriebswirtschaft, sprich: Demokratisierung der Betriebswirtschaft, geben. Ja, eine Demokratisierung der Wirtschaft und des politischen Systems tut wirklich Not .. und ist die Lösung für das Beenden der Stagnation und der zunehmenden Freiheitsberaubung.

Für jeden Topf gibt es einen passenden Deckel oder es kann ein solcher hergestellt werden.

Mit Gruß, Beo2


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