Das Weihnachtsoratorium oder warum Auswandern keine Lösung ist

Plancius, Dienstag, 24.12.2019, 15:10 (vor 1012 Tagen)6199 Views

Meine Frau und ich gehen fast jedes Jahr ins Bach's Weihnachtsoratorium. Ich bin jedes mal zutiefst gerührt von der Musik, dem Chor und der festlichen Atmosphäre in der Kirche. Seit einigen Jahren kommen mir im Konzert immer die Tränen, weil ich mir zu diesem Zeitpunkt immer bewusst werde, dass wir Träger einer wunderbaren Kultur und geistigen Schöpfung sind, unsere Generation den Staffelstab, den uns unsere Vorfahren weitergereicht haben, einfach so ohne äußere Not fallen lässt, um diese wunderbare Kultur auch weiter in die Zukunft zu tragen.

Ich schäme mich dann so vor Johann Sebastian Bach, meinen Großeltern, überhaupt allen Vorfahren, die Deutschland mit ihrem Blut verteidigt haben, so dass ich hier heute überhaupt leben kann. Ich kann es dann einfach nicht fassen, wie unsere Generation so jämmerlich versagt, eine solche Person wie eine dermaßen schwache Kanzlerin und ein derart heruntergekommenes politisches Establishment, die nichts zu bieten haben, als uns unseren Feinden dem Fraß vorzuwerfen, aus ihren Ämtern zu jagen.

Ganz im Gegenteil, wenn ich mir dann die Musiker, den Dirigenten, den Chor anschaue, sind gerade diese Menschen, die wahrhaftige Träger unserer Kultur sind, dann in der Mehrheit doch zutiefst gutmenschlich verseucht und in der Praxis die eifrigsten Verfechter der Abschaffung unserer Kultur sind. Ich, der ihr künstlerisches Wirken zutiefst schätzt, würde dann, wenn es denn nach ihnen gehen würde, mit meine politischen Ansichten auf einem Scheiterhaufen brennen.

Gerade in der Weihnachtszeit spüre ich, dass ich ein nordischer Mensch und zutiefst in diesem Land und seiner Kultur verankert bin. Wahrscheinlich geht es der Mehrheit meiner Landsleute so. Auch wenn die Zeiten härter werden, ist es für die Mehrheit der Menschen hier keine Option, das Land zu verlassen und auszuwandern. Letztes Jahr waren wir in der Adventszeit in Südafrika. Auch wenn es dort weihnachtlich geschmückt ist, sind wir wehmütig geworden und waren froh, Weihnachten doch zu Hause feiern zu können. Das Fehlen der Heimat können Sonne und ein angenehmes Klima nicht aufwiegen. Viele Menschen zerbrechen innerlich in der Ferne, weil ihre Seele einfach hier beheimatet ist.

Auch wenn Andreas Popp entsprechend rationaler Kriterien nach Kanada ausgewandert ist, @NST jetzt in Thailand wohnt und @Cascabel sich seine Burg in Panama aufbaut. Seien wir ehrlich, die Geschichte zeigt, nur den wenigsten Menschen ist es vergönnt, ein Globetrotter zu sein und seine Zelte irgendwo auf der Welt aufzustellen, ohne den Verlust der Heimat zu verschmerzen. Ich würde jedenfalls die weihnachtliche Dunkelheit, die winterliche Kälte, die Konzerte in den Kirchen sehr vermissen. Auswandern ist für die überwiegende Mehrheit keine Option, den Problemen zu entfliehen. Sie holen einen ein oder neue Probleme in derselben oder noch größeren Schwere ergeben sich. Aufgabe unserer Generation ist es, hierzubleiben, zu kämpfen, die Verräter unter uns zum Teufel zu jagen und den Staffelstab an unsere Nachfahren weiterzureichen.

Frohe Weihnachten wünsch Plancius

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Der Königsweg zu neuen Erkenntnissen ist nach wie vor der gesunde Menschenverstand.


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