European switzerland under construction.

BillHicks ⌂, Wien, Donnerstag, 25.02.2016, 19:23 (vor 3636 Tagen) @ Silke3058 Views

@pigbonds

Lieber Amos,

Liebe Silke,

bin zwar nicht @Amos, aber ich erlaube mir dennoch einen Antwortversuch.

und da gilt:
"Debitismus ist eine Variante des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik"
@Kurt,@Zara
gilt auch:
"Im weitesten Sinne beschreibt der Debitismus, dass alles Geschaffene
vorfinanziert ist.“
Also auch Du und ich.
q.e.d.

Das ist in meinen Augen eine Projektion des eigenen täglichen Erlebens, das INNERHALB der Ökonomie statt findet auf die gesamte Geschichte, in der die Ökonomie nur ein Teilkapitel ist. Übrigens ein ziemlich kurzes.

Das ist eine Schwäche, die sich so auch in der Neoklassik finden lässt, die ja glaubt ihre Ahistorizität, die Universalerklärung, wäre ihre Stärke, dabei ist es eine der größten Schwächen.

„Jede Macht MUSS (konkret: ihre Machteinsatzmittel MÜSSEN)
vorfinanziert sein!“
„Vorfinanzierung ist kein monetäres Phänomen.“

@dottore

Vorfinanzierung ist ein monetärer Begriff.
Das Phänomen, das @dottore beschreibt ist aber kein monetäres.
Warum also einen so missverständlichen Begriff überhaupt nutzen?

Eine Vorfinanzierung ist m.E. in unserem Lebensumfeld nicht notwendig.
Als der Planet noch ziemlich leer war, hat diese Vorfinanzierung die

Natur

für uns übernommen und den Tisch reich gedeckt!


Ehrlich gesagt...selbst der Planet ist vorfinanziert, da ist viel Energie
umgewandelt worden, bevor die Erde das Leben aufblühen lies...das führt
jetzt aber zu weit.

Das ist diese Rückprojektion aus der Ökonomie auf die Geschichte. MEn kein wirklich sinnstiftender Ansatz.

Du und ich sind aber auf jeden Fall vorfinanziert und betreiben diese
Vorfinanzierung erstaunlicherweise noch heute.

INNERHALB der Ökonomie kann man durchaus von Vorfinanzierung sprechen.

Den Augenblick nach Jetzt muss ich Davor vorfinanziert
haben, sonst wird es für mich kein Danach mehr geben.

Jetzt wird es aus meiner Sicht universalistisch.
Den Universalismus des Gütertauschs durch den Universalismus der Vorfinanzierung zu ersetzen ist für mich heute nicht mehr sinnvoll. Das erlaubt den mEn nötigen Differenzierungsgrad nicht.

Und so "vorfinanzieren" wir uns ununterbrochen mehr schlecht als recht
durch das Leben, denn wehe ich versage im Davor - dann folgt im
Danach mein Bankrott.

Bankrott ist ein juristisches Phänomen. Das muss also durchgesetzt werden. Das ist kein Naturphänomen.

Deshalb ist der Mensch natürlich als über
Zeit und Raum verteiltes Hordenwesen konzipiert um die ständig nötige
Vorfinanzierungzu überhaupt puffern zu können.
Bis ich mein erstes Futter selbst erwirtschaftet hatte (sammeln von
Walderdbeeren mit Opa zusammen) wurde sehr, sehr viel Kredit gegeben, in
mich investiert - ich wurde von meiner Familie und der Gesellschaft
vorfinanziert.

Es gibt Gemeinsamkeiten zwischen einer Vorfinanzierung und dem von Dir beschriebenen Phänomen. Aber es gibt auch Unterschiede, die man verpasst, wenn man diese Phänomene gleichsetzt.

Wenn du dich gleich nach der Geburt (oder sogar schon im Mutterbauch)
selbst versorgt hast, mag das Vorfinanzierungsphänomen für dich nicht
zugetroffen haben...[[zwinker]]

Dito. Hier von Vorfinanzierung zu sprechen blendet entscheidende Unterschiede aus.

Der Mensch braucht sich nur zu bedienen und die Regale zu leeren.


Macht er ja auch - er leert die Regale.
Blöd nur, dass sie zu langsam wieder aufgefüllt werden von der Sonne und
den anderen Lebewesen in ihren Nahrungsketten.
Das kann nicht gut gehen.

Das ist richtig, ist aber ein weiteres Phänomen.
So lange wir Stoffkreisläufe bloß so nennen und eigentlich Stofflinien etabliert haben (von Ressource zu Müll), so lange wird auf lange Sicht ausschließlich das Endprodukt der Stofflinie übrig bleiben: Müll.

Ich möchte sogar behaupten, die fossilen Brennstoffe eines Planeten
stellen den natürlichen Regulator im Kohlenstoff-Regelkreis dar.


Schwankungen im Kohlenstoffkreislauf bescherten uns Eiszeiten und
Warmzeiten.
Er greift tief in andere Kreisläufe ein.
Pfuschen wird damit herum, werden wir auch das fragile Gleichgewicht
zerstört bekommen.

Das ganze Leben ist ein Eingriff und langfristig sind wir alle tot.
Wir sind - aus meiner Sicht - hier um bewusstes Eingreifen zu lernen.
Erwachsen werden.

Der
Mensch kann sie innerhalb von 300 Jahren verfeuern, damit er es schön

warm

hat und muss dann halt bis zum nächsten Versuch wieder ein paar

Millionen

Jahre warten.


Schwer vorstellbar, wie die Menschheit die Klimaerwärmung überstehen
soll wenn den Pflanzen zwar genug Kohlenstoff als Dioxid zur Verfügung
gestellt wird, aber ein Treibhauseffekt wie

beim größten Massenaussterben
in die Gänge kommt.

Diese Klimaerwärmungstheorie ist für mich eine der faszinierendsten Trivialisierungen.
Man meint "Umweltschutz" und adressiert das Phänomen auch zu Recht (Stoffkreisläufe vs. Stofflinien s.o.) und sagt dann aber "Klimaschutz".

"Durchschnittswetterschutz" durch Reduzierung des Ausstoßes eines einzigen Gases. Das noch dazu Pflanzennährstoff und völlig ungiftig ist.
Und bis in die 90er hat man völlig legal Atommüll im Meer versenkt.
Ne, is klar.

Das sollte für unsere Nachkommen genug Zeit zum Nachdenken und

Basteln

sein, ob man nicht auch mit weniger Energie leben kann.


Das ist aus meiner Sicht der einzige sinnvolle Denkansatz -> viel viel
weniger Energie verbrauchen (nur Energie in der Größenordnung der
Sonnenkonstante kommt täglich rein und muss täglich raus - klappt
das nicht bekommen wir einen weltweiten Schneeball oder eine
Planetenumspannende Wüste).
Der Rückbau widerspricht aber dem debitistischen Zwang der menschlichen
Gesellschaft zur Nachschuldnerstellung um Vorfinanzierung der Vergangenheit
wieder reinzuholen und die Urschulden im Jetzt bedienbar zu halten.

Das klingt plausibel, verwechselt allerdings das Vermögensphänomen "Wachstum", das nötig ist um die Schuldnerketten nicht reißen zu lassen mit den "Stoffkreisläufen", die heute Stofflinien sind.
Vermögen ist etwas Nichtstoffliches.
Vermögen sind bewertete Rechte. Eigentumsrechte und Forderungen.
Diese müssen tatsächlich in ihrer Bewertung "wachsen", wenn in toto Gewinne (= Nettovermögenszuwächse) erzielt werden sollen.
Das hat aber mit der Stofflichkeit nicht unmittelbar etwas zu tun.
Ich sag' mal: zum Glück.

Um das mal klar zu sagen: JEDE echte "Wirtschaftskrise" ist ein rein juristisches Phänomen.
Die Staatlichkeit muss sich dazu entscheiden diejenigen a priori geschlossenen privaten Verträge auch dann noch hart durchzusetzen, wenn sie sich ex post als unerfüllbar herausstellen.
Tut man das nicht, bleibt auch die harte Wirtschaftskrise aus.
Es stellt sich dann - natürlich - die Frage: für WEN wurde das Recht elastischer gemacht?

Es müsste ein gigantisches weltumspannendes Ausbuchen von angehäuften
Schulden erfolgen.

Das kann man ohnehin machen.
Das hat aber freilich Nettovermögenseffekte, die derzeit (noch) nicht gewollt sind von denjenigen, die dadurch Nettovermögen verlieren würden. Aber der Suchprozess läuft.
Die noch den öffentlichen Wirtschaftsdiskurs beherrschenden Neoliberalen in Europa sehen ihre Felle davon schwimmen (und zwar nach rechts) und suchen deshalb so langsam überall.

Wir haben keine natürlichen Feinde, die unsere überschwengliche
Eigenversorgung begrenzen (höchstens mal eine globale Pandemie wie die
Pest oder die Ausrottung der Bevölkerung Südamerikas durch damals noch
rein europäische Krankheitserreger). Aber selbst das würde uns vor
überirdische Aufgaben stellen weil jeder tote Mensch soundsoviel m3 beste
Treibhausgase generiert (H2S, CO2, Kadaverin, Putresin, Tyramin, NH4).

"Debitismus ist er herrlich gruselige Blick in den Abgrund!"
Lex Mercatoria
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=218306
"Der Debitismus liefert keinerlei Lösungsansätze.
Im Debitismus ist letztlich alles und jedes kollektive (auf Staaten
basierende) Wirtschaften auf lange Sicht vergeblich."

Klar langfristig sind wir alle tot. Das bleibt auch so.

PS. Ja, ich weiß... Meckern und Jammern ist leichter als Lösungsansätze
anbieten.
Aber @Lex hat wie @Zara u.A. die Lösung genannt.
Rückbau von Staaten.
Eine Utopie? - mag sein.
Kommt aber so oder so.

Aus mehreren Gründen hat der Nationalstaat wohl (mittel- bis langfristig) fertig.
Das Prinzip "Staatlichkeit" als solches hat aber noch nicht fertig.

PPS. So genug geschwätzt. Ich muss wieder vorfinanzieren
gehen...[[zwinker]]
Und wenn man
so
etwas sieht
kann man schon mutlos und/oder verbittert
werden...[[sauer]]

Der europäischen Zivilisation ist dringend anzuraten möglichst bald aufzuhören sich in die eigene Tasche zu lügen.
Wir haben aus meiner Sicht kollektiv völlig verdrängt wie das "System", das wir noch immer täglich nutzen, eigentlich überhaupt funktioniert und wo es historisch herkommt. Welche Aufgaben historisch zu bewältigen waren, die dazu geführt haben, dass das "System" überhaupt entstand.
Wir haben unsere demographische und militärische Geschichte völlig verdrängt.
Und reagieren deshalb heute dementsprechend einig nur in der Ahnungslosigkeit, insgesamt ziel- und planlos, gefangen in Konkurrenzparadoxa par excellance.
Zieht man diese Schleier weg, wird es zwar überhaupt nicht gemütlich oder gar angenehm, aber die Verwirrung lässt nach, es klart auf, und es stellt sich - jedenfalls bei mir war es so - ein Gefühl ein, das eine echte Perspektive erlaubt.

Als Arbeitstitel nenne ich diese Perspektive derzeit "european switzerland".

Schöne Grüße

--
BillHicks

..realized that all matter is merely energy condensed to a slow vibration – that we are all one consciousness experiencing itself subjectively. There's no such thing as death, life is only a dream, and we're the imagination of ourselves.


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