Antwort

Uli Strauß, Sonntag, 07.02.2016, 13:22 (vor 3655 Tagen) @ CrisisMaven5551 Views

Hallo CrisisMaven!

Ich komme leider erst jetzt dazu zu antworten.

Leuchter hat sich dagegen faelschlich als "beratender Ingenieur"
ausgegeben
, und wurde spaeter dann dafuer zu zwei Jahren
auf Bewaehrung (im deutschen Strafrecht heisst das:
"grade nochmal
gutgegangen
" ...) verurteilt.

Leuchter hat daher die genannten US-Bundesstaaten getaeuscht ueber
seine wahre Befaehigung.

Damit nicht genug, in Folge hat er dann noch versucht, u.a. das Gericht in
Kanada beim Zuendel-Verfahren als selbsternannter "Toxikologe"
hinter's Licht zu fuehren. Auch dafuer ist er abgewatscht worden.

Dass er sich als Ingenieur ausgegeben hatte, wusste ich bereits. Das mit dem Toxikologen noch nicht.

Denn: die Zyanid-Anhaftungen bei einer innen mit Kalk- oder Zementputz
verputzten Mauer sind nur in den obersten Mikrometern wirklich
drastisch nachweisbar (haengt sicher von der Putzstruktur ab - das haette
also gesondert untersucht werden muessen, vor der Zerstoerung der
Proben!
). Dadurch, dass Leuchter dem Labor aber ganze Zentimeter dicke
Brocken bzw. mehrere Millimeter dicke Scheibchen uebergab, ohne zu sagen,
was genau die chemische Analyse beweisen solle, haben die im Labor
dann diese mehrere Zehnerpotenzen zu dicken Brocken klein gemahlen und
"analysiert" und dadurch mehrere Zehnerpotenzen geringere
Gesamt-"Konzentrationen"
"ermittelt", als bei korrekter Analyse nur
des Oberflaechenmaterials -fuer diesen Nachweiszweck- korrekt gewesen
waere.

Es geht doch bei der ganzen Diskussion nicht um die Oberfläche, sondern um das Mauerwerk. Also nicht um Zyanid-Anhaftungen, sondern um Zyanide im Wandinneren.

Was soll dann aber das Argument, Bundesstaaten haetten ihn mal- unter
voellig falschen Voraussetzungen- "beratend" taetig sein lassen? Doch
ohnehin niemals fuer die Frage, wieviel Zyanid nach Jahrzehnten in Mauern
auffindbar sein koennte??? Da wuerden sie auch einen qualifizierten
Ingenieur nicht fragen, sondern Chemiker und Toxikologen und vielleicht
noch -zusaetzlich- Festkoerperphysiker?

Das hatte ich ja auch nicht geschrieben, sondern dass Eggert mit seiner Einschätzung über Leuchter als Gaskammerexperten nicht völlig daneben liegen kann, da dieser mit Gaskammern und anderen Hinrichtungsapparaten beruflich zu tun hatte. Ich unterstelle ihm, dass er über die Jahre diesbezügliche Kenntnisse erlangt hat. Wenn du nun behaupten willst, dass Leuchter jahrelang alle nur „verarscht“ hat und seine Tätigkeit nicht ernst genommen hat, kann ich dir nicht das Gegenteil beweisen. Deine Theorie scheint mir aber unwahrscheinlich, da Leuchter der Frage, ob in Auschwitz mit dem selben Giftgas wie in den ihm bekannten amerikanischen Gaskammern Menschen umgebracht wurden, mit großem Einsatz nachging und große persönliche Nachteile in Kauf nahm.

Einer der Gruende ist, dass Insekten und Spinnentiere einen voellig
anderen Atemapparat und -mechanismus haben. So, dass fuer Entlausung eine
Konzentration von Blausaeure von 16.000 ppm ueber 24 bis 72 Stunden
erforderlich ist, um alle Organismen abzutoeten, waehrend fuer Menschen nur
300 ppm ueber wenige Minuten, laengstens vielleicht eine halbe Stunde,
erforderlich ist.

Das sind Unterschiede, schon rein rechnerisch, rechnen wir konservativ:

24 Stunden zu 16.000 ppm = Masszahl 384.000 bei Entlausung

1 Stunde zu 500 ppm (genau dosieren wird man es nicht koennen) = Masszahl
500 oder

... ein Missverhaeltnis von 1: 768, oder auch fast eins
zu tausend
, wenn man die jeweils unguenstigeren Rechenwerte annimmt.

Nimmt man am Standort Auschwitz noch hinzu, dass die Entlausungskammer im
besseren Zustand war, waehrend die Menschengaskammer durchfeuchtet und
bewittert wurde, und nimmt hinzu, dass
Zyanid-Verbindungen
von Bakterien abgebaut werden/werden koennen
(da gibt es
hunderte
Moeglichkeiten
, und je hoeher die Feuchte, desto schneller), dann
sind wir bei vielleicht eins zu zehntausend.

Die 16.000 ppm und 500 ppm dürften in Wirklichkeit in der gleichen Größenordnung liegen (ich verweise nochmals auf die Diskussion zwischen Green und Rudolf). Die Einwirkungszeit war bei der Entwesung höher, dafür das Mauerwerk der Bildung stabiler Zyanidverbindungen weniger zuträglich. Insgesamt also ungefähr gleich gute Bedingungen.

Zu den Bakterien: Denen hat dann wohl das Zyanid in den Entlausungskammern nicht geschmeckt (da bis heute vorhanden), sondern nur das in den Gaskammern. Außerdem ernähren sich auch diese Bakterien aller Wahrscheinlichkeit nach nicht allein von Zyanid, müssten im Mauerwerk also auch Nährstoffe vorgefunden haben. Eine interessante Theorie ist es aber allemal.
Viele Grüße

Uli


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